Die lang andauernde Goldpreisrally hat Anfang des Jahres ihr jähes Ende gefunden. Im Januar kostete eine Feinunze (31,1 Gramm) an die 5500 Dollar (rund 4280 Euro). Am Mittwoch lag der Preis noch auf rund 4117 Dollar. Damit hat das Edelmetall innerhalb eines halben Jahres etwa ein Viertel seines Wertes eingebüßt. Auf Jahressicht hat der Goldpreis allerdings noch immer rund 20 Prozent zugelegt.Mit Müh und Not halten Käufer den Kurs gerade auf mehr als 4000 Dollar. Momentan läuft es für Gold sogar wieder etwas besser als in den vergangenen zwei Wochen. Aber ist der seit Januar fortgesetzte Abwärtstrend damit gebrochen? Den Preis stützen momentan Anleger, die nach dem Abkühlen der Rally einen günstigen Zeitpunkt zum Einstieg sehen. Wie die Finanzagentur Bloomberg berichtet, verzeichneten Gold-ETF am vergangenen Dienstag die größten Mittelzuflüsse seit einem Monat. Der Bestand der Fonds erhöhte sich am Dienstag um 7,4 Tonnen Gold.Andererseits kaufen Zentralbanken das Edelmetall munter weiter als Reserve zu. Nach den jüngsten Erhebungen der Lobbyorganisation World Gold Council (WGC) von Anfang Juli kauften Zentralbanken im Mai unter dem Strich 41 Tonnen Gold. Die Rangliste führten Polen mit 18 Tonnen und China mit zehn Tonnen an. Zu Nettoverkäufen kam es in den vergangenen zwölf Monaten nur im Januar und März dieses Jahres.Auch schätzten 45 Prozent der vom WGC befragten Zentralbanker, dass die Goldbestände ihrer Institute zwölf Monate in der Zukunft höher sein werden als am Anfang. 54 Prozent gehen von unveränderten Beständen aus. Nur ein Prozent geht von Verkäufen aus.Analysten der Schweizer Großbank UBS sehen in der ungebrochenen Kauflust der Zentralbanken eine starke Stütze für den Goldpreis. Die Institute haben momentan ein Interesse daran, sich gegen geopolitische und Ausfallrisiken von Staatsanleihen abzusichern. Gold, das in den Tresoren einer Zentralbank liegt, schwankt zwar im Wert, hängt aber nicht von der Zahlungsfähigkeit eines anderen Staates ab.Inflationserwartungen drücken auf den GoldpreisWegen der Stützfaktoren scheint Gold nun zumindest nicht mehr weiter stark zu fallen. Aber die Gründe, die zur Korrektur seit Januar geführt hatten, bleiben bestehen. Jüngste Kampfhandlungen im Irankrieg und in der Straße von Hormus haben den Ölpreis wieder in die Höhe getrieben. Das regte wiederum steigende Inflationserwartungen an, worauf Zentralbanken mit einer strikteren Zinspolitik reagieren dürften.Vor allem die amerikanische Federal Reserve unter ihrem neuen Präsidenten Kevin Warsh gibt momentan „falkenhafte“ Töne von sich. Analysten gehen derzeit davon aus, dass die Fed ihre Zinsen in diesem Jahr auf dem momentanen Niveau halten oder sie sogar erhöhen wird, um der Inflation beizukommen. Verzinste Anlagen werden so gegenüber Gold, das keine Zinsen abwirft, attraktiver.Silber ringt mit nachlassender NachfrageStärker verloren als Gold hat der kleine Bruder Silber. Ende Januar hatte der Silberpreis mit 121,64 Dollar je Feinunze ein Allzeithoch erreicht. Mittlerweile steht das Edelmetall bei etwas mehr als 59 Dollar – also um die Hälfte niedriger. Im Vergleich zum Juli 2025 können sich Silber-Anleger allerdings über einen größeren Gewinn freuen. Silber steht immer noch etwa 50 Prozent höher als vor zwölf Monaten.Zwar zeigt Silber oft ähnliche Bewegungen an der Börse wie Gold. Im Gegensatz zum Gold, das vornehmlich als Wertanlage dient, findet Silber viel stärker Anwendung als Industriemetall, vor allem in der Elektronik und für Photovoltaikanlagen. Der Industriebedarf macht etwa 58 Prozent der jährlichen Silbernachfrage aus. Dies geht aus einem Bericht der Lobbyorganisation The Silver Institute hervor. Von einer Nachfrage von 1,1 Milliarden Unzen entfallen rund 640 Millionen auf die Industrie. Münzen und Barren machen davon 258 Millionen Unzen aus, also etwa 23 Prozent.Damit ist der Silberpreis auch stärker konjunkturabhängig als der Goldpreis. Das Silver Institute geht in seinem Bericht davon aus, dass die Gesamtnachfrage im laufenden Jahr um zwei Prozent fallen dürfte. Vor allem im zuletzt stark gewachsenen Bereich der Photovoltaik soll die Nachfrage um 19 Prozent im Vergleich zu 2025 schrumpfen.
Gold und Silber an der Börse auf Richtungssuche
Von Rekordpreisen sind die Edelmetalle mittlerweile wieder weit entfernt. Die Weltlage gibt kaum klare Hinweise auf die weitere Entwicklung.






