PfadnavigationHomeICONISTTrendsBruce Darnell„Guter Stil ist auch, wie man sich benimmt“Von Lara KutschStand: 12:28 UhrLesedauer: 5 MinutenHat er noch Kontakt zu Heidi Klum? Bruce Darnell macht jetzt selbst ModeQuelle: QVC/Isa FoltinEx-GNTM-Laufstegtrainer Bruce Darnell steigt mit fast 70 ins Homeshopping-Geschäft ein. Die Zielgruppe: Frauen ab 45 Jahren. Woher weiß er, was die tragen wollen?Er diente sechs Jahre als Fallschirmjäger bei der US-Army, wurde in den 80ern in München als Model entdeckt, lief Shows in New York und war ab 2006 als Laufstegtrainer bei „Germany's Next Topmodel“ (GNTM). Da führte er bereits eine langjährige Beziehung. Doch fünf Jahre nach seinem GNTM-Debüt stirbt sein Partner an Knochenkrebs – er hat ihn bis zum Schluss gepflegt. Bruce Darnell hat schon viele Leben gelebt, doch verändert hat er sich dabei kaum. In Hamburg präsentiert er nun seine erste eigene Modekollektion, die er künftig über QVC im Fernsehen verkauft – darunter eine Echtledertasche mit einem vertrauten Zitat im Innenfutter: „Die Tasche muss lebendig sein.“ Zwanzig Jahre ist es her, dass Darnell diesen Satz seinen GNTM-Kandidatinnen mit auf den Weg gab. WELT: Bekannt wurden Sie 2006 als Laufstegtrainer bei GNTM …Bruce Darnell: It’s a lifetime! Eine Ewigkeit her.WELT: Was vermissen Sie an diesem Job, was nicht?Darnell: Der Job hat mich einfach dahin gebracht, wo ich heute bin. Ich habe die Zeit als Erfahrung auf meiner Reise gesehen. Die Mode und die Kunst sind wirklich toll, aber es gab auch eine Seite an mir, die reflektiert und sich gefragt hat: Was sind die Prioritäten, was ist wichtig? Was ist der Sinn des Lebens?Lesen Sie auchWELT: Und was ist der Sinn des Lebens?Darnell: Etwas zu machen aus Leidenschaft, aber trotzdem menschlich zu bleiben. Man hat vielleicht Probleme, aber trotzdem muss man diesen mit Empathie und Respekt begegnen. Wenn man das durchhält und sich selbst auch nicht so ernst nimmt, dann ist das eine sehr gute Mischung.WELT: Würde der Bruce Darnell von heute das auch dem Bruce von damals raten?Darnell: Eigentlich braucht der Bruce von damals keine großen Ratschläge. Ich bin mir einfach treu geblieben. Meine Einstellung heute entspricht der, die ich seit Jahrzehnten habe. Man sieht das an dem, was ich bei „Germany's Next Topmodel“ gemacht habe – ich hatte immer Respekt gegenüber den Mädchen, habe sie in den Arm genommen und gesagt: Du packst das, mach deinen Job, steh einfach zu dir.Lesen Sie auchWELT: Ihren Kandidatinnen haben Sie auch beigebracht, ihre Handtasche „lebendig“ zu tragen. 20 Jahre später ziert genau dieser Satz Ihre eigene Tasche. Darnell: Ich empfinde es als großes Kompliment, als große Ehre, dass die Leute mich heute noch darauf ansprechen. Das ist über 20 Jahre her, und dass die Leute das nicht vergessen haben – das habe ich nicht geplant, das ist einfach schön.WELT: Die Zielgruppe Ihrer Kollektion sind Frauen ab 45, ungefähr das Alter, das die GNTM-Kandidatinnen von damals heute haben. Ist das Zufall?Darnell: Nein, ich glaube, das ist kein Zufall. Das ist einfach eine schöne Begebenheit. Aber man darf sich auch nichts vormachen, man muss natürlich auch eine junge Zielgruppe erreichen können. Auch zu meinen jungen Models passt die Kollektion super. Aber grundsätzlich sind es eher Frauen ab 45, die Mode im Fernsehen sehen und kaufen. WELT: Woher wissen Sie als Mann, was Frauen ab 45 tragen wollen?Darnell: Ich werde bald 70, und seit über 40 Jahren bin ich in der Mode unterwegs – habe die ganze Welt gesehen, so viele Stylings für Frauen gemacht. Frauen schreiben mir immer wieder: Was kann ich anziehen? Welches Kleid? Welche Farbe? Ich kenne mich aus, was Mode angeht. Das ist einfach mein Know-how. Manche Leute denken, ich bin erst durch GNTM in die Fashionbranche gekommen, dabei wurde ich schon in den 80er-Jahren als Model entdeckt. Die erste Show, die ich gelaufen bin, war Calvin Klein in New York. Ich habe auch schon eigene Shows organisiert, weiß alles über Stoffe und Qualität. WELT: Was macht Frauen ab 45 heute aus?Darnell: Dass sie sich selbst vertrauen. Mode ist immer eine Selbstreflexion. Ich möchte Frauen zeigen, dass diese Selbstreflexion vielleicht etwas leichter sein kann, als man denkt. WELT: Gibt es für Sie auch modische No-Gos?Bruce Darnell: Ich mache eher keine engen Hose, meine Hosen sind immer etwas breiter. WELT: Würden Sie Ihre Mode auch an Heidi Klum sehen?Darnell: Heidi kann alles tragen! WELT: Haben Sie noch Kontakt zu ihr?Darnell: Ich habe sie vor einigen Monaten gesehen, zum GNTM-Jubiläum. Wir haben uns super verstanden, schließlich hatten wir eine ganz tolle Zeit zusammen. Das vergisst man nicht, auch nicht nach über 20 Jahren. Aber es ist nicht so, dass wir uns jeden Tag Fotos oder WhatsApp-Nachrichten schreiben. Sie ist wahnsinnig beschäftigt, ich bin wahnsinnig beschäftigt. WELT: Damals war „hart, aber ehrlich“ ein Gütesiegel fürs deutsche Fernsehen. Heute verkaufen Sie Ihre Mode über QVC im TV. Wie werden Sie dafür geschult?Darnell: Es gibt natürlich eine Schulung, aber ich bin nicht jemand, der sich verstellt. Ich bin einfach, wie ich bin. Ich glaube nicht, dass man von mir erwartet, dass ich der typische Verkäufer bin, der sagt: „Kauf das und das“. Das würde ich auch nicht machen. Klar, man möchte, dass die Kollektion sich gut verkauft, aber für mich ist entscheidend, spontan zu sein, dieses Feeling, diese Energie reinzubringen, Geschichten aus meinem Leben zu erzählen. Ich würde auch nicht versuchen, Hochdeutsch zu sprechen. Das bin ich nicht.WELT: Was an Ihrem eigenen Modeverständnis ist seit 2006 gleich geblieben?Darnell: Gleich geblieben ist, zu wissen, was mir gut steht und was nicht. Guter Stil ist aber auch, wie man sich benimmt. Darauf habe ich immer geachtet, und das lebe ich auch heute noch so.
Bruce Darnell macht jetzt Homeshopping: Was sollen Frauen ab 45 anziehen? - WELT
Ex-GNTM-Laufstegtrainer Bruce Darnell steigt mit fast 70 ins Homeshopping-Geschäft ein. Die Zielgruppe: Frauen ab 45 Jahren. Woher weiß er, was die tragen wollen?







