Ruder und Stöcke wurden zu Schlagwaffen, als Sicherheitskräfte Chinas und der Philippinen am Montag im Südchinesischen Meer aufeinandertrafen. Ein Beiboot der chinesischen Küstenwache war dem zur philippinischen Marinebasis umfunktionierten aufgelaufenen Schiff Sierra Madre nahe gekommen – die Philippiner fuhren dem Trupp mit einem Schlauchboot entgegen. Videoaufnahmen zeigen, wie beide Seiten aufeinander einprügeln. Nach Angaben aus Manila wurde dabei ein eigener Marinesoldat durch einen Knüppel am Kopf verletzt. Das Außenministerium in Peking dagegen verbreitete, „die philippinische Seite hat den Vorfall zuerst provoziert“ und betreibe „bösartige Hetze“. Am Dienstag bestellte China den philippinischen Botschafter in Peking ein und übermittelte „scharfen Protest“.Vordergründig geht es um Hoheitsrechte am Second Thomas Shoal, einem vor den Philippinen gelegenen Riff, das dort Ayungin Shoal genannt wird. Auch die weiter entfernte Volksrepublik China erhebt unter der Bezeichnung Ren’ai Anspruch darauf – so wie auf rund neunzig Prozent des Südchinesischen Meeres. Ein Schiedsgericht des Internationalen Gerichtshofs (IGH) hatte die chinesischen Ansprüche vor genau zehn Jahren zurückgewiesen. Diesen völkerrechtlichen Schiedsspruch erkennt wiederum China nicht an. Das macht Peking zum Jubiläum dieser Tage auf vielen Kanälen noch einmal deutlich.Der Zwischenfall vor dem philippinischen Meeresposten führte nun dazu, dass sich die USA auf die Seite ihres philippinischen Verbündeten stellten. Das State Department forderte China auf, „sein destabilisierendes Verhalten unverzüglich einzustellen“. Die Philippinen beschuldigten die chinesische Küstenwache, sie habe eine „rechtmäßige und konfliktfreie Operation“ mit „Gewalt“ beantwortet. „Trotz dieser Aggression legten unsere Truppen bei der Ausführung ihres Einsatzes ein Höchstmaß an Zurückhaltung, Professionalität und Disziplin an den Tag“, hieß es in einer Mitteilung des philippinischen Militärs.„China Daily“ stellt Filipino als zerlumpten Affen darMit Unmut hatten die Philippiner zuvor auch ein Video wahrgenommen, das die staatliche Zeitung „China Daily“ zum Jahrestag des Urteils aus dem Jahr 2016 vergangene Woche verbreitet hatte. Es stellt die Philippinen in Gestalt eines Affen dar, der im Auftrag der USA und Japans handelt. Das KI-generierte Video zeigt zwei menschliche Arme mit den Landesflaggen Amerikas und Japans, die einen in Lumpen gekleideten Affen auf einer Karaokebühne im Ozean in ihrem Sinne singen lassen. Zuletzt wird ein zerrissenes Dokument mit dem Titel „Schiedsspruch im Südchinesischen Meer“ gezeigt, das schließlich als „Müll“ im Meer landet.Der philippinische Verteidigungsminister Gilberto Teodoro Jr. sprach von einer „geschichtsverzerrenden Darstellung“. Das Außenministerium in Manila teilte mit, China habe die Grenzen des legitimen Protests überschritten und „auf erniedrigende, entmenschlichende und rassistische Weise Filipinos dargestellt“. Manila verlangte, dass Peking das Video depubliziert. Bis zum Dienstag hielt es der offizielle Videokanal von „China Daily“ auf den Portalen Bilibili und Facebook indes weiter online.Der zehnte Jahrestag des Schiedsspruchs und der am Dienstag beginnende Gipfel der südostasiatischen Staatengemeinschaft ASEAN scheinen aber nicht die einzigen Gründe für die neuerlichen Aufwallungen am Second Thomas Shoal, um das es in den vergangenen Monaten ruhig geworden war. Auch Japan spielt eine Rolle, obgleich es kein Anrainerstaat im Südchinesischen Meer ist. Tokio und Manila haben Gespräche zur Abgrenzung ihrer Ansprüche im Seegebiet östlich von Taiwan aufgenommen und verstärken auch ihre militärische Zusammenarbeit. Das treibt Peking auf die Barrikaden, das Japan derzeit ohnehin als einen Hauptgegner behandelt.Die Konfrontationen im Südchinesischen Meer werden neben dem Bürgerkrieg in Myanmar und der Lage im Nahen Osten auch eines der Themen sein, über die sich die Außenminister der ASEAN-Staaten bei ihrem Treffen diese Woche in der philippinischen Hauptstadt Manila austauschen. Die elf Mitgliedstaaten unterhalten Beziehungen sowohl zu den USA als auch zu China, wobei manche unter ihnen Washington und andere Peking näherstehen. In der Vergangenheit waren sie deshalb wiederholt daran gescheitert, eine gemeinsame Position zu den Konflikten in dem Meeresgebiet zu finden.Diesmal werden auch die Außenminister Chinas und der USA als Gäste an dem Treffen teilnehmen, die zu den Dialogpartnern der ASEAN-Staaten gehören. Am Rand der Konferenz könnte es deshalb auch zu einem bilateralen Gespräch zwischen Wang Yi und Marco Rubio kommen. Es dürfte der Vorbereitung des für September geplanten Besuchs des chinesischen Staats- und Parteichefs Xi Jinping in Washington dienen. Auch der russische Außenminister Sergej Lawrow soll nach russischen Angaben Manila besuchen und könnte sich dort mit seinen amerikanischen und chinesischen Konterparts treffen.