Besuchte am Tag seiner Ernennung zum Premierminister im T-Shirt ein Obdachlosenzentrum: Andy Burnham. Getty Images Lange galt der Anzug als Uniform der britischen Macht. Der neue Premierminister Andy Burnham kommt aus dem Norden und führt mit seiner Garderobe eine textile Revolution gegen das Londoner Establishment.2007 taucht Andy Burnham zum ersten Mal in den Datenbanken einschlägiger Bildagenturen auf, damals als neu ernannter Chefsekretär im Finanzministerium. Er sieht aus wie frisch vom britischen Jungeninternat: brav frisiert, Veston, Krawatte. Seitdem hat er verschiedene berufliche Karriereschritte durchlaufen, zuletzt als Bürgermeister von Greater Manchester. Aber: Je höher er beruflich aufsteigt, desto lässiger wird seine Kleidung. Adrett und motiviert: Andy Burnham unterwegs als «Chief Secretary to the Treasury» 2007. Getty Images Ob es am Jeanshemd lag? 2015 wurde Andy Burnham nicht zum Vorsitzenden der Labour-Partei gewählt. Getty Images Kämpferisch in Workwear: Andy Burnham 2020 als Bürgermeister von Greater Manchester. Getty Images Lauf, Andy, lauf: Bei der morgendlichen Joggingrunde im Mai 2026. In Sportleibchen liess sich Burnham immer wieder ablichten. Getty Images Anstatt auf den klassischen britischen Business-Stil setzt er auf einen entspannteren Look, den man am ehesten unter dem Begriff «Smart Casual» zusammenfassen kann. Elemente aus der Freizeitgarderobe treffen auf klassische Businesscodes: T-Shirt unterm Veston. Offene Hemden. Polokrägen an Strickjacken.Gerne lässt er sich auch als Fussballfan in Sport-Outfits ablichten, sei es, wenn er ein Spiel von Everton besucht, für die Labour-Partei in den traditionellen Fussballspielen gegen Journalisten antritt, oder wenn er morgens joggen geht. Immer wieder trägt er auch Jeanshemden; der Denim als typisches Material der Workwear wird als ein solches Kleidungsstück auf eine andere Ebene gebracht. Andy Burnham zeigt sich volksnah: Wahlkampf in Hemd und Strickjacke. Getty Images Auch Weglassen ist eine BotschaftKennzeichnend für seine Outfits ist vor allem der konsequente Verzicht auf ein Accessoire, das in der traditionellen Business-Garderobe als unentbehrlich gilt: die Krawatte. Damit ist Burnham weniger ein modischer Vorreiter als vielmehr Teil einer Entwicklung, die längst in der Arbeitswelt angekommen ist: Der «Tod der Krawatte», der im Silicon Valley begann, wurde durch die Pandemie zum Mainstream.Burnham übersetzt diese neue Norm, in der Autorität nicht mehr durch formale Kleidung signalisiert wird, erfolgreich in die Politik. Er setze die Krawatte strategisch ein, so die Stil-Expertin Vanessa Friedman von der «New York Times». Soll heissen: Er trägt sie dann, wenn es nicht anders geht; beim Treffen mit König Charles III. zum Beispiel. Oder bei seiner Rede als neuer Premierminister am 20. Juli. Kann auch klassisch: Andy Burnham spricht als 29. Premierminister von England vor der 10 Downing Street, London. Getty Images Nordenglischer Akzent und günstige UhrMit seinem als unelitär geltenden nordenglischen Akzent und seinen unkompliziert wirkenden Outfits hebt er «Volksnähe» auf ein neues Level. Man kann seine Kleidung dabei als visuelle Kampfansage an die Londoner «Westminster-Bubble» lesen, jenen oft als abgehoben kritisierten Mikrokosmos aus Politik, Medien und Lobbyismus. Der klassische Anzug ist das Symbol der Finanzdistrikte und der traditionellen Macht. Burnhams Garderobe hingegen symbolisiert den pragmatischen, oft unterschätzten Norden Englands. Symbolschwerer Amtsantritt: Andy Burnham bereitet am 20. Juli 2026 das Frühstück für Obdachlose zu. Getty Images Optisch ist Burnham tatsächlich einer aus seiner Wählerschaft, bis hin zu den Details: Seine Uhr, eine Tag Heuer aus der mittlerweile eingestellten 2000er-Serie, hat einen Wert von rund 500 Franken. Mit dieser tickend demonstrierten Demut tritt er in die Fussstapfen seines Vorgängers Keir Starmer, der mit einer «Tissot PRX» ebenfalls auf eine vergleichsweise günstige Uhr setzte – auch wenn ihn die so propagierte Bodenständigkeit nicht vor dem Verlust seines Postens rettete. Newsletter Die besten Artikel aus «NZZ Bellevue», einmal pro Woche von der Redaktion für Sie zusammengestellt.
Andy Burnham: Wie sich der neue britische Premierminister modisch volksnah zeigt
Der neue Premierminister Andy Burnham kommt aus dem Norden und führt mit seiner Garderobe eine textile Revolution gegen das Londoner Establishment.










