Es kommt nicht so oft vor, dass ein Start-up mit einem US-Tech-Konzern einen Milliardendeal abschließt. Die Details des Vertrags zwischen dem französischen Unternehmen Mistral und Microsoft werden nicht veröffentlicht, der Umfang wird mit „mehreren Milliarden Euro“ angegeben. Die beiden Unternehmen gaben am Dienstag bekannt, dass sie ihre Allianz ausbauen und ihre Kapazitäten bündeln wollen.Mistral gilt bisher als europäischer Champion in Sachen künstlicher Intelligenz und hat etwas, was für Microsoft von großem Interesse ist: Rechenleistung in Europa. Microsoft will Teile der von Mistral aufgebauten Infrastruktur nutzen und die enorm steigende Nachfrage nach KI-Diensten und Cloud-Lösungen bedienen.Seit seiner Gründung vor drei Jahren hat sich das französische Start-up 200 Megawatt Rechenleistung gesichert und strebt bis 2030 ein Gigawatt an, was der Leistung eines Kernreaktors entspricht. Das Start-up betreibt unter anderem drei Rechenzentren, zwei in Frankreich und eines in Schweden, das aber erst 2027 in Betrieb gehen soll. Mit dieser Vereinbarung ist Mistral seinem Ziel, in diesem Jahr einen Umsatz von über einer Milliarde Euro zu erwirtschaften, deutlich näher gekommen. Für die Investitionen hat Mistral Kredite bei Banken aufgenommen und strebt eine neue Finanzierungsrunde an.Microsoft löst mit dieser Vereinbarung sein 2025 gegebenes Versprechen ein, sich stärker in Europa zu engagieren. Damit will der US-Konzern auch Bedenken insbesondere von Betreibern kritischer Infrastruktur zerstreuen. Sowohl europäische Unternehmen als auch öffentliche Institutionen stehen beim Einsatz US-amerikanischer KI-Lösungen häufig vor rechtlichen und regulatorischen Hürden. Mit dem Deal setzt Microsoft auch seine Strategie um, sich im Bereich der generativen KI nicht allein auf den US-Anbieter Open AI verlassen zu wollen.Für Mistral eröffnet sich ein neues Geschäftsfeld, da die Bereitstellung von Kapazitäten aus Rechenzentren bisher nicht im Zentrum stand. Das Start-up wird wiederum vom Zugang zum Vertriebsnetz des US-Konzerns profitieren. Denn nun werden auch neue Kunden, die auf Microsoft-Produkte setzen, angesprochen werden können. Mit dem Deal versucht das Start-up, mit den großen KI-Cloud-Anbietern mitzuhalten.