Die Pläne für ein „Zukunftskraftwerk“, in dem fortan mit grünem Wasserstoff – also klimaneutral – Strom produziert werden sollte, wurden in Mainz erst noch einmal zur Seite gelegt. Der Grund: Aus Sicht vieler Kraftwerksbetreiber fehlt es auf Bundesebene bislang noch an einer verbindlichen und verlässlichen Energiestrategie – vor allem für teure Wasserstoffprojekte. Während der auf der Ingelheimer Aue ursprünglich einmal vorgesehene 250-Megawatt-Block weiter auf sich warten lässt, ist der Bau eines kleineren zusätzlichen Gaskraftwerks gerade genehmigt worden.Die moderne 54-Megawatt-Anlage, die über zwölf einzeln zuschaltbare Motoren verfügen soll, wird für die Notstromversorgung des direkt am Rhein entstehenden Rechenzentrums „Green Rocks“ gebraucht. Außerdem soll sie dabei helfen, das Stromnetz insgesamt zu stabilisieren. Da das bis auf Weiteres noch mit Erdgas geschieht, sind Umweltschützer gegen das Vorhaben auf der Ingelheimer Aue, auch wenn die neue Anlage „H2-ready“, also grundsätzlich wasserstofftauglich, sein soll.Modern, flexibel und umrüstbarBesser als eine andernfalls zur Absicherung des neuen Rechenzentrums erforderliche dieselbetriebene Notstromtechnik sei die von der Kraftwerke Mainz-Wiesbaden AG (KMW) gefundene Lösung deshalb allemal, befand der rheinland-pfälzische Wirtschaftsminister Michael Ebling (SPD) am Montag bei einem Besuch der von den Nachbarstädten links und rechts des Flusses gemeinsam genutzten Energiezentrale. Moderne, flexible und prinzipiell wasserstofffähige Kraftwerke seien notwendig, um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten.Einerseits soll das jetzt genehmigte Gaskraftwerk bei Stromausfällen zusammen mit einer auf der Ingelheimer Aue bereits vorhandenen Anlage den Notbetrieb für das aus drei Bauwerken bestehende neue Rechenzentrum garantieren. Es wird letztlich über rund 18.000 Quadratmeter „White-Space-Stellfläche“ für Server, Datenspeicher und Verbindungselemente verfügen. Laut KMW soll das schon in Gänze vermietete „Green Rocks“, dessen erstes Gebäude man zum Jahresende in Betrieb nehmen will, bis 2028 dann komplett fertiggestellt sein. Darüber hinaus ist vorgesehen, dass das für Notfälle vorzuhaltende Motorenkraftwerk bis zu 2000 Stunden im Jahr Strom in das deutsche Netz einspeist: nämlich immer dann, wenn gerade keine Sonne scheine oder kein Wind wehe.Für den Bau des Rechenzentrums, der etwa 600 Millionen Euro kosten soll, hat sich die KMW als gemeinsames Tochterunternehmen der Stadtwerke Mainz AG und der ESWE Versorgungs AG mit der norwegischen Betreiberfirma Green Mountain einen erfahrenen Partner gesucht. Für die zusätzlich benötigte IT-Infrastruktur dürften dem Vernehmen nach später dann noch weitere 1,5 Milliarden Euro benötigt werden.Gemeinsam will man bei dem Mainzer Joint Venture ein hochleistungsfähiges, zugleich aber auch nachhaltiges und energieeffizientes Rechenzentrum verwirklichen. Eines, das erneuerbaren Strom aus dem KMW-Portfolio nutzt, die Schalträume möglichst mithilfe von Rheinwasser kühlt und die Abwärme der Gebäude zudem an das Mainzer Fernwärmenetz abgibt, das perspektivisch einmal bis zu 20.000 Haushalte in der Stadt versorgen könnte. Nicht zuletzt soll am 95 Jahre alten Standort Ingelheimer Aue, an dem die KMW derzeit mit rund 500 Mitarbeitern für Strom, Dampf und Fernwärme sorgt, künftig auch noch ein Batteriespeicher stehen.