PfadnavigationHomeICONISTModeArtikeltyp:MeinungVerhaftung in Caprihose„Peggy Bundy in der Damenabteilung“ – Wie Andrew Tates Look für Spott sorgtStand: 12:21 UhrLesedauer: 5 MinutenAndrew Tate schätzt Leopardenmuster und zarte, florale PrintsQuelle: Getty Images/Ian MauleEr präsentiert sich als unantastbarer Alpha-Mann und tritt im Look einer „flotten Mittfünfzigerin“ ab. Die Verhaftung von Andrew Tate im Peggy-Bundy-Outfit heizt Memes an – und verwandelt den Frauenfeind kurzzeitig in eine modische Witzfigur.Erinnern Sie sich noch an Peggy Bundy? Der Name der Kultserienfigur aus „Eine schrecklich nette Familie“ taucht derzeit in vielen Instagram-Kommentarspalten auf. Dort wird die Verhaftung von Andrew Tate und seinem Bruder Tristan am Samstag in Miami ausführlich diskutiert. Das Augenmerk richtet sich dabei auch auf das seltsame Outfit von Andrew, dem älteren und bekannteren Bruder. Es wird genussvoll und mit viel Häme kommentiert. Das enge, weit geöffnete lilafarbene Hemd und die noch engere, schwarze Caprihose erinnerten Instagram-Nutzer an Peggy Bundy mit ihren Leggings und tief ausgeschnittenen Oberteilen.Tates Look weckte auch Erinnerungen an „Golden Girl“ Blanche Deveraux alias Rue McClanahan. Ein Facebook-Nutzer wiederum zeigte sich irritiert darüber, dass Tate wie eine „verrückte Tante“ angezogen gewesen sei; eine Kommentatorin ergänzte, er habe gewiss Satinhöschen darunter getragen. Zurück auf Instagram wurde sein Name angesichts des knappen Schnitts von Hemd und Hose zu Andrew „Tight“ (Andrew Eng) modifiziert, unter einem Post von CNN schrieb jemand, seine Caprihose sehe aus wie die einer „Fußballmutter, die gerade Besorgungen macht“. Mehrfach hieß es, die Modepolizei habe ihn festgenommen.Eine Bluse für die flotte Mittfünfzigerin in der Kleinstadt So ernst und schwerwiegend die Gründe für die jüngste Verhaftung der Gebrüder Tate sind – nach Ermittlungen der britischen Polizei stehen schwere Sexualdelikte im Raum; es geht um „Vergewaltigung, das Organisieren oder Erleichtern von Menschenhandel zum Zweck der sexuellen Ausbeutung sowie Straftaten im Zusammenhang mit kinderpornografischen Inhalten“, und laut CNN sollen die Brüder in der kommenden Woche vor einem Bundesgericht in Miami erscheinen – so einhellig sind der Spott und die Schadenfreude, die sich vor allem über Andrew Tate ergießen – und über sein Outfit.Lesen Sie auchAusgerechnet dieser vermeintliche Alpha-Mann, der sich Frauen so überlegen fühlt, der meint, sie seien grundsätzlich faul und könnten nicht unabhängig sein, der schon erklärte, wie man eine Frau schlägt und sie davon abhält, auszugehen. Der erzählte, dass er einer Frau das Kinn gebrochen und „damit davon gekommen“ wäre, ausgerechnet dieser Mann also kommt nun in einem Look daher, der aus der Damenabteilung eines Kaufhauses für flotte Mittfünfziger in der Kleinstadt stammen könnte.Die Schadenfreude, die sich daran entzündet, scheint eine geradezu kathartische Wirkung zu haben. Eine Nutzerin fühlte sich von seinem Verhaftungs-Outfit an jenes erinnert, in dem sie ihr erstes Praktikum antrat. Die Komikerin Grace Campbell ließ in einem Reel auch vergangene Looks, in denen Tate verhaftet wurde, Revue passieren (auch schimmernde Velours-Hosen trug er schon zu diesem Anlass) und dankt ihm angesichts des aktuellen Outfits zynisch: „Als ob du noch nicht genug versucht hättest, Frauen abzuf***, hast du es jetzt auch noch geschafft, uns die Caprihose zu vermiesen, und das mitten im Sommer. Vielen Dank.“Lesen Sie auchDie Wahrscheinlichkeit, dass es sich bei Tates knallengem Ensemble und dem zierlichen Schuhwerk um modehistorische Referenzen handelt oder um Bezüge auf Zeiten, in denen die weibliche und männliche Garderobe noch anders kodiert waren, dürfte angesichts seines eindimensionalen Weltbilds gering sein. Umso irritierender ist seine zur Schau getragene Vorliebe für betont schmale Schnitte, tiefe Dekolletés (die seine enthaarte Brust präsentieren) und zarte Stoffe.Alles stets mindestens eine Nummer zu kleinEs war nicht sein erster Auftritt in einem eher unmännlich wirkenden Outfit: Im April erschien er bei einer Martial-Arts-Veranstaltung in Miami in knallenger, hauchdünner Bluse mit rosa Blumen-Print, die haarlose Brust mit üppigem Schmuck behängt. Im März zeigte er sich in einer Bluse mit Leoparden-Muster, die ebenfalls direkt aus Peggy Bundys Kleiderschrank kommen könnte. Ein Instagram-Video zeigte ihn vor Kurzem in einer engen Bluse aus schwarzem, transparentem Stoff, wie man sie auch in der Party-Abteilung von Forever21 findet. Sakkos und Hosen sind bei ihm stets mindestens eine Nummer zu klein. Werbetexte in Onlineshops für Männerkleidung, laut denen „Menschen aus der ganzen Welt“ die Gebrüder Tate „nicht nur für ihre selbstbewusste Ausstrahlung, sondern auch für ihre Art, sich zu kleiden“ angeblich bewundern, muten spätestens seit der Verhaftung im Caprihosen-Look ironisch an.Lesen Sie auchNun könnte man meinen, dass hämische Kommentare über zu enge Caprihosen und Vergleiche mit Peggy Bundy und Blanche Deveraux ein ernstes Thema wie Gewalt gegen und Ausbeutung von Frauen ins Lächerliche ziehen. Aber zum einen ist die Diskrepanz zwischen archaischem Männer- und Frauenbild und der so ganz und gar nicht archaisch-männlich anmutenden Optik der Galionsfigur der „Manosphere“ einfach zu groß, um sie zu ignorieren. Womöglich steckt hinter Tates Vorliebe für schmale Silhouetten und zarte Stoffe ja der Wunsch, Frauen auch in ihrer Optik zu übertrumpfen. Und womöglich bringt ihn die Trauer über den spärlichen Haarwuchs auf seinem Kopf dazu, sich über Männer lustig zu machen, die in Kursen lernen, ihren Töchtern die Haare zu machen.Zum anderen hat diese Art von Schadenfreude auch etwas Befreiendes: Mit ihrem Einfluss auf die junge Generation machen Männer wie Tate Frauen das Leben nicht nur schwer, sie machen es gefährlich. Im März etwa ergab eine Umfrage, dass ein Drittel der Männer der Gen Z finden, dass eine Ehefrau ihrem Mann „gehorchen“ sollte. Andrew Tate ist eine bedrohliche Figur. Und genau deshalb tut es gut, über ihn zu lachen. Selbst, wenn sie einem die Caprihose vermiest. Mitten im Sommer.
Andrew Tate: Die schadenfrohe Modekritik, die das Netz entzündet - WELT
Er präsentiert sich als unantastbarer Alpha-Mann und tritt im Look einer „flotten Mittfünfzigerin“ ab. Die Verhaftung von Andrew Tate im Peggy-Bundy-Outfit heizt Memes an – und verwandelt den Frauenfeind kurzzeitig in eine modische Witzfigur.














