Die Zahl der registrierten Fälle sexuellen Kindesmissbrauchs in Deutschland ist in den vergangenen fünf Jahren deutlich gestiegen. Im vergangenen Jahr zählte die Polizei 17.126 Fälle, das waren rund 1600 mehr als noch im Jahr 2021, wie aus dem Bundeslagebild „Sexualdelikte zum Nachteil von Kindern und Jugendlichen“ des Bundeskriminalamts (BKA) hervorgeht, das in Berlin vorgelegt wurde.Im Vergleich zu 2024 stieg die Zahl der Fälle im vergangenen Jahr um 772. Die Ermittlungen ergaben erneut, dass in mehr als der Hälfte der Fälle zwischen Opfern und Tatverdächtigen eine Vorbeziehung bestand. Eine deutliche Mehrheit der Opfer war weiblich. Bei Jugendlichen stieg die Zahl von 1191 auf 1239 Fälle. Als Kinder gelten strafrechtlich Personen unter 14 Jahren.Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU), BKA-Chef Holger Münch und die Missbrauchsbeauftragte des Bundes, Kerstin Claus, legten die Zahlen in Berlin vor. Das Bundeslagebild basiert auf Daten der bereits veröffentlichten polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) und nimmt besonders die Bereiche sexueller Missbrauch, Missbrauchsdarstellungen (Kinderpornografie) und sexuelle Ausbeutung von Minderjährigen in den Blick.13.870der Opfer waren Mädchen.Den Angaben zufolge wurden insgesamt 18.736 Opfer im Zusammenhang mit sexuellem Missbrauch von Kindern registriert, ein Anstieg um 3,6 Prozent. Ein Kind kann dabei in der Statistik mehrfach erfasst werden, wenn es wiederholt Opfer wurde. 13.870 der Opfer waren Mädchen, 4866 Jungen. Auch die Zahl der Tatverdächtigen stieg erneut, von 12.368 auf 12.823. Es handele sich hauptsächlich um männliche, alleinhandelnde Tatverdächtige. Bei den Fällen in Zusammenhang mit jugendpornografischen Inhalten verzeichnet das Lagebild im Jahresvergleich einen deutlichen Zuwachs um 19,9 Prozent. Dabei könnte demnach die Nutzung von KI eine Rolle spielen. Aber auch generell nehme das Versenden eigener oder fremder jugendpornografischer Dateien im Internet zu.Umgekehrt könnten Präventionskampagnen dazu beigetragen haben, dass mehr Fälle zur Anzeige gebracht wurden, hieß es. Gut die Hälfte der Tatverdächtigen war selbst minderjährig.Einen Rückgang gab es dagegen bei Fällen mit kinderpornografischen Inhalten. Auch hier waren die meisten Tatverdächtigen minderjährig. Ursache für den Rückgang sei auch eine Strafrechtsänderung, hieß es. So kann seit Juni 2024 auf eine Strafverfolgung verzichtet werden, wenn die Schuld als gering angesehen wird – zum Beispiel, wenn Eltern oder Lehrkräfte pornografische Inhalte zur Warnung oder als Beitrag zur Tataufklärung weiterleiten.Die Statistik spiegelt nur die der Polizei bekannt gewordenen und durch sie bearbeiteten Straftaten wider – das sogenannte Hellfeld – einschließlich sogenannter Versuchstaten. Die Zahlen sind daher auch vom Anzeigeverhalten beeinflusst. „Neben dem in diesem Lagebild dargestellten polizeilichen Hellfeld ist von einem erheblichen Dunkelfeld auszugehen“, heißt es in dem Bericht. (dpa/AFP)