Dass Unternehmen eine Pressemitteilung herausgeben, wenn sie etwas nicht tun oder planen, ist eher ungewöhnlich. Denn normalerweise informieren sie eher darüber, wenn sie eine neue, tolle App vorstellen oder erklären, warum die Kund:innen mit etwas ultimativ sparen können. Aldi geht jetzt den umgekehrten Weg: Der Discounter kündigt öffentlich an, keine App-Rabatte einführen zu wollen – und inszeniert den Verzicht als verbraucherfreundliches Gegenmodell zum zunehmend komplizierten Lebensmittelhandel.Anzeige

Eigentlich hatten Handelsexpert:innen schon im vergangenen Jahr erwartet, dass auch Aldi dem Beispiel von Lidl, Rewe, Netto, Penny, dm und Rossmann folgen würde und ein eigenes App-basiertes Rabatt- oder Bonusprogramm einführt. Doch offenbar sieht der Discounter hierin keinen tragfähigen Mehrwert, den Kund:innen im Rahmen einer solchen Loyalty-Maßnahme Daten abzuverlangen und sie durch spezielle Sonderpreise dahingehend zu nudgen, dass sie bestenfalls bei jedem Einkauf die App einsetzen.

Dass Aldi aus dem Fehlen eines Kundenbindungsprogramms keinen Rückstand, sondern eine Haltung macht und dies im Sinne des Kunden ausspielt, ist insofern nur geschickt. Denn immer mehr Kund:innen empfinden solche Apps mit Coupons, Sonderpreisen, Punkten und personalisierten Angeboten als lästiges Übel, als wenig inklusiv und im Hinblick auf das Datensammeln als übergriffig.Anzeige