Gefälschte Taschen, gefährliches Kinderspielzeug: Die EU büsst Ali-Express mit 550 Millionen EuroDie Online-Plattform kümmert sich nicht ausreichend um illegale Produkte, die deshalb in grosser Zahl nach Europa gelangen. Von der EU bekommt sie eine Rekordbusse.20.07.2026, 17.21 Uhr3 LeseminutenEine Paketflut, die Ali-Express zu wenig genau überwacht: Ein Angestellter in einem chinesischen Verteilzentrum.Wang Peng / ImagoEuropäer kaufen immer mehr Spielsachen, Kosmetika, Schuhe oder Elektronikgeräte bei einem der chinesischen Online-Händler. Im vergangenen Jahr belief sich die Zahl der Versandpakete aus China mit einem Warenwert von unter 150 Euro auf 5,9 Milliarden Stück. Das waren viermal so viele wie noch 2022. Die Zahl ist so riesig, dass sie kaum mehr vorstellbar ist. Darum: Das sind täglich 16 Millionen Pakete.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Marktführer in Europa ist Ali-Express. Die von der Firma gelieferten Produkte sollen allerdings zum Teil ein Gesundheitsrisiko darstellen oder gefälscht sein. Zu diesem Schluss kamen Analytiker der EU-Kommission. Sie büsst das Unternehmen daher mit 550 Millionen Euro. Das ist die höchste Strafe, welche die EU bisher laut dem Gesetz für digitale Dienste (DSA) verhängt hat. Dieses reguliert digitale Aktivitäten nach dem Motto: Was offline verboten ist, sollen Unternehmen auch online nicht tun dürfen.Ali-Express hat sich in dieser Hinsicht einiges zuschulden kommen lassen, findet die EU-Kommission. So habe das Unternehmen viel zu wenige Angestellte, die sich um das Auffinden von illegalen Produkten kümmern. Ali-Express überschätze zudem die Effektivität jener digitaler Systeme, die helfen sollen, gefälschte oder gefährliche Erzeugnisse aus dem Warenstrom zu fischen. So empfiehlt Ali-Express laut der EU-Kommission wochenlang Produkte weiter, die Fälschungen sind. Darunter befinden sich besonders oft Schuhe, Taschen, Kleidungsstücke und Schmuck.Was den Gesundheitsschutz betrifft, hat Ali-Express gerade bei Spielzeugen zwar schärfere Kontrollen, was auch die EU anerkennt. Aber die auf der Plattform tätigen Händler würden diese Standards umgehen, etwa indem sie Spielwaren in eine andere Kategorie verschöben, beispielsweise zu den T-Shirts.Bereits im Mai hatte sich die EU-Kommission mit Temu eine chinesische Online-Plattform vorgeknöpft. Das Unternehmen erhielt eine Busse von 200 Millionen Euro. Die EU kreidete der Gesellschaft an, dass sie nicht über Instrumente verfügt, mit deren Hilfe sie gefährliche Erzeugnisse systematisch erkennt. Ein Risiko stellen laut der EU etwa lose Teile bei Spielzeug dar, an denen Kleinkinder ersticken können. Oder bei Ladegeräten besteht angeblich das Risiko, dass sie den Nutzern einen Stromschlag versetzen oder heisslaufen.Europas Detailhändler beklagen sich seit langemChinas Online-Händler dominieren das globale Versandgeschäft. Zum ersten Mal gab die Kommission am Montag bekannt, wie viele Kunden die Plattformen in der EU haben. Demnach nutzten im vergangenen Jahr 193 Millionen Shopper die Dienste von Ali-Express. Shein kam auf 156 Millionen Kunden, Temu auf 130 Millionen. Amazon folgt in dieser Rangliste erst auf Platz vier.Europas Detailhändler klagen schon seit Jahren über die Geschäftspraktiken der chinesischen Online-Shops. Aufgebracht sind sie etwa, weil diese viel laxere Standards haben als sie selbst und sich so einen Konkurrenzvorteil verschaffen. Kaum eine stationäre Ladenkette in Europa könnte es sich zum Beispiel erlauben, gefälschte Schuhe oder T-Shirts in grosser Zahl zu verkaufen. Sie würde es wohl rasch mit der Justiz zu tun bekommen.Da gilt auch im Fall von Gesundheitsrisiken. Konsumentenschutzorganisationen führen dazu immer wieder Tests durch bei Produkten, die über die chinesischen Online-Plattformen nach Europa gelangen. Sie kommen dabei zu ähnlichen Schlüssen wie die EU-Kommission. Der Anteil illegaler oder gefährlicher Produkte ist relativ hoch: beispielsweise wenn Sonnenschutzmittel verbotene Substanzen enthalten oder eigentlich Body-Lotions sind, wie das eine Untersuchung in Österreich soeben ergeben hat.Ali-Express muss sich Europas Gesetzen anpassenAli-Express sagt, man halte die Busse für unverhältnismässig. Zudem spiegle sie nicht die Fortschritte, die bei der Produktsicherheit erzielt worden seien. Die Untersuchung der EU bezieht sich schwergewichtig auf die Jahre 2023 und 2024.Ali-Express hat nun bis zum Oktober Zeit, der EU-Kommission einen Plan zu unterbreiten, wie man die Kontrollen verbessern will. Falls die EU zum Schluss kommt, dass Ali-Express die Vorschriften des DSA nicht einhält, kann sie das Unternehmen mit regelmässigen Bussen bestrafen. Gegen die Busse von 55o Millionen Euro will Ali-Express appellieren.Passend zum Artikel
Ali-Express vertreibt zu viele illegale Produkte, nun gibt es eine Rekordbusse
Die Online-Plattform kümmert sich nicht ausreichend um illegale Produkte, die deshalb in grosser Zahl nach Europa gelangen. Von der EU bekommt sie eine Rekordbusse.










