PfadnavigationHomeWissenschaft„Natürliche Migration“Bis zu zwei Meter lang – Experten beobachten immer mehr Schlangen in DeutschlandStand: 16:38 UhrLesedauer: 4 MinutenEine Vierstreifennatter (Elaphe quatuorlineata) sonnt sich auf einem Felsen – mittlerweile auch in DeutschlandQuelle: picture alliance/imageBROKER/Fabio Pupin/FLPAUrsprünglich waren in der Bundesrepublik sieben Arten von Schlangen heimisch. Weil es wärmer wird, fühlen sich hierzulande inzwischen auch Reptilien aus dem Süden wohl. Die Folgen sind schon spürbar.Schlangen in freier Wildbahn gelten in Deutschland für viele immer noch als exotisch. Das liegt vor allem daran, dass bisher nur eine Handvoll Arten hierzulande heimisch war. Vor allem in Süddeutschland ändert sich das. Der Klimawandel begünstigt dort die Ansiedlung von Arten aus Südeuropa, unter anderem der Vierstreifennatter.„Von der haben wir in den letzten fünf Jahren bestimmt 15 Exemplare aus ganz Bayern gemeldet bekommen“, sagt Markus Baur, der Leiter der Reptilienauffangstation München. Das sei überschaubar, aber Schlangen könnten sich eben nicht so schnell ausbreiten wie etwa Vögel. „Die brauchen ein paar Generationen, um über die Alpen zu kommen.“Die Vierstreifennatter lebt eigentlich etwa in Italien und auf dem Balkan. „Sie wird aber immer häufiger auch bei uns in Wiesen und an Waldrändern gesichtet“, führt Baur aus. Lesen Sie auchDer Fachtierarzt für Reptilien ergänzt: „Manche dieser Tiere dürften durch natürliche Migration bei uns gelandet sein. Die Erwärmung lässt sie nach Norden wandern, was noch durch Lebensraumzerstörung in ihrer alten Heimat angeschoben wird.“Schlangen als blinde PassagiereDer Mensch befördere Schlangen auch direkt, sagt Baur. Sie würden etwa als blinde Passagiere im Gartenhandel verfrachtet, und erst neulich sei eine im Unterboden eines Autos von Italien nach München mitgefahren. Auf Aussetzungen dürften die Neu-Vorkommen indes nicht zurückgehen. „Vierstreifennattern werden in der Terraristik kaum gehalten, ebenso wenig wie Vipernattern, zu denen wir auch schon ein paar Meldungen erhalten haben.“Lesen Sie auchVierstreifennattern können über zwei Meter lang werden – sind für Menschen aber ungefährlich. Dasselbe gilt für die höchstens einen Meter lange Vipernatter. Diese Art stammt aus dem Südwesten Europas und dem nördlichen Afrika. Sie lebt zum Beispiel in der Schweiz, gern in Wassernähe. Beide Schlangen sind ungiftig und zischen zur Abwehr. Sie fressen kleinere Tiere wie Mäuse, Vögel und Amphibien.Lesen Sie auchKönnte das die heimische Natur bedrohen? Nein, glaubt der Fachmann. Dazu sei das Nahrungsspektrum der Nattern zu groß. Andernorts seien eingeführte Schlangen jedoch ein Problem. „Auf Gran Canaria wurde die Kalifornische Kettennatter eingeschleppt. Sie verspeist vornehmlich Eidechsen und hat deren Populationen auf der Insel binnen weniger Jahre nahezu ausgerottet.“Welche Schlangen gibt es in Deutschland?Einen ähnlichen Fall gibt es im pfälzischen Zweibrücken. Dort leben seit etwa zehn Jahren Gelbgrüne Zornnattern, die wohl über die Abfallentsorgung von Südeuropa auf die örtliche Mülldeponie kamen. Sie haben sich in ihrer neuen Heimat stark vermehrt – zum Leidwesen von Eidechsen, ihrer Leibspeise, deren Zahl vor Ort seither deutlich geschrumpft ist.Die Zornnatter kommt in Zweibrücken hundertfach vor, viel häufiger als Viper- und Vierstreifennatter in Bayern. Letztere könnten noch nicht als etabliert gelten, sagt Markus Baur. „Vielleicht ist ihr Vorkommen auch nur ein Strohfeuer, das durch kalte Winter wieder erlischt.“Ursprünglich heimisch sind in der Bundesrepublik sieben Schlangenarten: Kreuzotter und Aspisviper sowie Würfel-, Äskulap-, Schling- und Ringelnatter; nur Otter und Viper sind giftig. Hinzu kommt die Barrenringelnatter, die erst seit 2017 als eigene Art gilt. „Auch sie profitiert vom Klimawandel und breitet sich nach Norden aus“, sagt Baur.Scheue SchlangenAlle Arten sind mehr oder minder gefährdet. „In Deutschland eine Schlange in freier Wildbahn zu entdecken, ist ein Kunststück“, meint der Experte. Zu scheu und selten seien die gesetzlich geschützten Tiere hier.„Schlangen gehören zu den am meisten mit Vorurteilen belegten Tiergruppen der Erde“, notiert der Naturführer. „Vielleicht ist es die lautlose und versteckte Lebensweise in Verbindung mit der Giftigkeit vieler Arten, die dazu geführt hat, dass der Mensch den Schlangen mit Furcht, aber auch mit Ehrfurcht und Verehrung begegnet.“In Mythen spielten Schlangen daher oft eine Rolle. Man denke nur an die Bibel, nach der eine Schlange Eva im Paradies dazu verführt haben soll, trotz Gottes Verbot vom Baum der Erkenntnis zu essen. Anders bei den alten Griechen: „In Verbindung mit dem antiken Heilsgott Asklepios galt die Schlange, wegen ihrer regelmäßigen Häutung, als Sinnbild der Verjüngung. Von hier nahm sie, als Symbol der Heilkunst im Äskulapstab, ihren Weg über die Römer bis in unsere Tage.“Passend, denn heute werden Wirkstoffe aus Schlangengift in der Medizin eingesetzt. Auch anderweitig nutzen die Reptilien den Menschen: Hierzulande sind sie wesentliche Vertilger von Mäusen. Dadurch begrenzen Schlangen Ernteschäden und die Verbreitung von Krankheiten.KNA/rc
Tier: „Natürliche Migration“ – Experten beobachten immer mehr Schlangen in Deutschland - WELT
Ursprünglich waren in der Bundesrepublik sieben Arten von Schlangen heimisch. Weil es wärmer wird, fühlen sich hierzulande inzwischen auch Reptilien aus dem Süden wohl. Die Folgen sind schon spürbar.






