Ein flüchtiger Täter, acht Verletzte und Hunderte Erinnerungslücken: In diesem Spannungsfeld versucht die Polizei zu rekonstruieren, was sich in der Nacht zum Sonntag bei der „Blauliachd-Party“ in Egling im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen zugetragen hat. Kurz vor Mitternacht war die öffentliche Feier des Burschenvereins mit 700 Gästen aus dem Ruder gelaufen. Es kam zu mehreren Gewalttaten. Ein 16-Jähriger musste mit einer Stichwunde, andere Verletzte mit Knochenbrüchen – auch im Gesicht – ins Krankenhaus gebracht werden. Wie es zu dem Eklat gekommen ist, sei Gegenstand der Ermittlungen, erklärt Simon Edelmann von der Polizeiinspektion Wolfratshausen.Fest steht, dass nur ein junger Mann mit einem Messer verletzt wurde. „Die anderen Körperverletzungen entstanden durch Schlägereien auf dem Feiergelände, bei denen der flüchtige Täter mit dem Messer nicht beteiligt war.“ Nach dem Unbekannten wird seit Sonntagnacht gefahndet. Er hatte nach Zeugenaussagen zwei Österreicher am Ausgang des Festgeländes angegriffen und den Jüngeren der beiden mit einem Messer am Unterarm verletzt.Wer ansonsten wen angegriffen, geschlagen und getreten hat, ob diese Übergriffe mit der ersten Gewalttat in einem Zusammenhang standen oder einer „aufgeheizten Stimmung“ geschuldet waren, all dies lasse sich noch nicht definitiv sagen, erklärt Edelmann. „Wir gehen aktuell davon aus, dass es vereinzelte Auseinandersetzungen gegeben hat.“ Ein Helfer hatte die Lage mit den Worten beschrieben: „Die haben sich aufgeführt, es war wie im Affenstall.“Erschwert werden die Ermittlungen durch Erinnerungslücken, die auf die Alkoholisierung der Zeugen, teilweise aber auch auf Schläge und Verletzungen zurückzuführen sind. Optimistisch ist Edelmann, dass der mutmaßliche Messerstecher bald gefasst werden kann. Bei solchen Festen habe fast jeder ein Handy in der Hand und mache Aufnahmen, sagt er. „Auf irgendeiner Aufzeichnung ist der Täter mit Sicherheit zu sehen.“ Darauf könnten Vernehmungen und Wahllichtbildvorlagen aufbauen. Zeugen bekommen also Fotos von mehreren Personen vorgelegt und sollen den Tatverdächtigen identifizieren. „Sobald es ein Lichtbild von ihm gibt, befragen wir die Kollegen.“ Die Fahndung laufe „auf Hochdruck“.In der Regel gebe es bei solchen Festen keine Probleme, sagt die Polizei. Claudia KoestlerDass eine öffentliche Party so eskaliere, sei eine große Ausnahme, sagt Edelmann. Zwar komme es bei Burschenschafts- und Feuerwehrfesten immer wieder zu Körperverletzungen. Die seien aber in der Regel harmlos. Mit 700 Gästen sei die „Blauliachd-Party“ nicht außergewöhnlich groß gewesen. „Wir haben hier auch Veranstaltungen mit 2000 Personen. Und da gibt es in der Regel keine Probleme.“Solidarisch mit dem Eglinger Burschenverein zeigt sich Bürgermeister Heiko Arndt (CSU), der derzeit im Urlaub in Südtirol ist. Die Verantwortlichen hätten sich im Vorfeld „sensibel um alles Nötige gekümmert“ und die Party perfekt organisiert. „Es gab Eingangskontrollen, sie hatten einen Sicherheitsdienst.“ Nur weil „irgendeine verwirrte Seele etwas durcheinanderbringt“, könne man nicht auf solche Feste verzichten. Simon Raß, der Vorsitzende des Burschenvereins, hatte am Sonntag gesagt, es sei wohl „das letzte Mal“ gewesen, „dass wir so etwas veranstalten können“.„Wir müssen jetzt erst einmal zur Ruhe kommen“, sagt der Bürgermeister von EglingBürgermeister Arndt bedankt sich zudem bei allen Einsatzkräften. Der ein oder andere Gast habe in der Nacht wohl „nicht direkt mitbekommen, was vorgefallen war“, und entsprechend „unzufrieden“ reagiert. Bei dem Einsatz, an dem 60 Polizistinnen und Polizisten aus umliegenden Gemeinden sowie ein Zug des Unterstützungskommandos des Polizeipräsidiums München beteiligt waren, mussten mehrere Gäste gefesselt und in Gewahrsam genommen werden.„Wir müssen jetzt erst einmal zur Ruhe kommen“, sagt Arndt. „Dann schauen wir uns das noch einmal an.“ Könnte man zumindest schon einmal über einen neuen Party-Namen nachdenken? Das sei ihm zu viel Geschäftigkeit, sagt er. „Ich möchte weiterhin in der Lage sein, Feste zu feiern, Freude zu haben und Leute einzuladen. Ich hoffe, dass wir alle Betroffenen wieder aufrichten können.“ Das Wichtigste sei, dass alle Verletzten bald wieder auf den Beinen seien.