KommentarKonkurrenten aus dem Fernen Osten lehren Schweizer Pharmahersteller das FürchtenDer südkoreanische Riese Samsung Biologics will den Baarer Peptidhersteller Polypeptide übernehmen. Das Beispiel zeigt, dass asiatische Unternehmen auch bei der Produktion von Medikamenten ehrgeizige Wachstumspläne verfolgen.20.07.2026, 15.54 Uhr3 LeseminutenDer Pharmahersteller Samsung Biologics demonstriert nicht nur an Fachmessen wie der diesjährigen Bio International Convention Grösse.Mike Blake / ReutersDie Schweiz darf stolz auf ihre Pharmaindustrie sein. Dank führenden Medikamentenherstellern wie Roche, Novartis und Lonza, einer grossen Zahl von topausgebildeten Fachkräften sowie modernen Produktionsanlagen und Forschungslabors gehört sie in diesem wertschöpfungsstarken Sektor nach wie vor zur Weltspitze. Doch der Konkurrenzkampf verschärft sich von Jahr zu Jahr.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.In Sachen Wettbewerbsfähigkeit sehen die Marktbeobachter von BAK Economics die Schweiz auf Rang drei, neuerdings aber nur noch zusammen mit Dänemark. An der Spitze liegen die USA und Irland.Südkorea zieht in die Spitzengruppe einErstmals schaffte es im vergangenen Jahr auch Südkorea, unter die zehn wettbewerbsstärksten Pharmastandorte zu gelangen. Der Vormarsch der Koreaner dürfte nicht die letzte asiatische Demonstration von Stärke gewesen sein. Es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis auch China und Indien der Einzug in die Gruppe der Länder gelingt, deren Pharmaindustrie sich auf Spitzenniveau bewegt.Wie schnell erste asiatische Firmen den Anschluss an die Weltspitze vollzogen haben, zeigt das Beispiel von Samsung Biologics. Das Unternehmen hat mit Investitionen in riesige Produktionsanlagen in Südkorea innerhalb von wenigen Jahren eine führende Marktposition aufgebaut. Die Expansion tat besonders dem Schweizer Konkurrenten Lonza weh, der ebenfalls im Auftrag von Pharmakonzernen eine breite Palette von Biotech-Medikamenten produziert.Verlockende Geschäfte mit AbnehmspritzenNun geht Samsung Biologics einen Schritt weiter. Der Konzern hat Polypeptide ein Übernahmeangebot für knapp 1,5 Milliarden Franken unterbreitet. Polypeptide ist zwar deutlich kleiner als Lonza, aber die Firma mit Sitz in Baar ist auf einen besonders wachstumsstarken Markt ausgerichtet: die Herstellung von Peptiden. Diese werden in riesigen Mengen vor allem für die Herstellung von Abnehmspritzen benötigt.Lonza war einst ebenfalls in der Peptidfertigung tätig, veräusserte die damit beauftragte Fabrik in Belgien 2017 aber ausgerechnet an Polypeptide. Mittlerweile verfügt Polypeptide über weitere Produktionsstätten in Schweden, Frankreich, den USA und Indien. Samsung kann dank dem Kauf der Firma nicht nur im Geschäft mit Peptiden Fuss fassen, sondern auch das Produktionsnetz internationalisieren.Mit Bachem und Corden Pharma haben zwei weitere führende Peptidhersteller ihren Sitz in der Schweiz. Beide Unternehmen werden sich warm anziehen müssen, um im verschärften Wettbewerb mit Samsung zu bestehen. Der südkoreanische Riese besitzt grosse finanzielle Mittel und wird versuchen, westlichen Konkurrenten auch im Geschäft mit Peptiden rasch das Wasser abzugraben.Zugleich verfolgt Samsung Biologics eine sehr langfristige Strategie, wie sie für asiatische Unternehmen typisch ist. Man werde zusammen mit Polypeptide wachsen, um «in den kommenden Jahrzehnten» Pharmaunternehmen als bevorzugter Auftragsfertiger zu bedienen, heisst es unmissverständlich in der Medienmitteilung zum Übernahmeangebot.Gekommen, um zu bleibenMan könnte es auch so formulieren: Samsung ist gekommen, um zu bleiben. Dasselbe gilt für die meisten der chinesischen und indischen Unternehmen, die am riesigen und stark wachsenden Markt der Auftragsfertigung von Medikamenten partizipieren wollen. Viele Pharmafirmen lassen aus Kostengründen nicht nur Abnehmspritzen, sondern zahlreiche weitere Produkte von spezialisierten Lohnherstellern fertigen.Im Zuge der Kräfteverschiebung Richtung Asien dürften weitere westliche Anbieter von Konkurrenten aus dem Fernen Osten belagert werden. Kampflos brauchen Pharmahersteller aus Europa das Feld den Mitbewerbern aber gleichwohl nicht zu überlassen.Die beste Strategie zur Bewahrung der Unabhängigkeit sind eigene Stärken. Als eher schmalbrüstige Firma hatte Polypeptide zu wenig davon.Lonza befindet sich in einer vorteilhafteren Position. Der Konzern ist wohl gross genug, um eigenständig zu bleiben. Bei den drei weiteren kotierten Lohnherstellern von Medikamenten in der Schweiz, Bachem, Siegfried und Dottikon ES, ist dies nicht so sicher. Sie sind gut beraten, Masse anzusetzen.Passend zum Artikel