«Ich kann nützlich sein» – Frankreichs Ex-Präsident Hollande plant sein ComebackFrançois Hollande galt lange als Inbegriff eines gescheiterten Präsidenten. Nun bereitet der 71-Jährige eine erneute Kandidatur für den Élysée-Palast vor. Und seine Umfragewerte sind gar nicht einmal schlecht.20.07.2026, 16.11 Uhr3 LeseminutenFrançois Hollande bei einem Fernsehauftritt Mitte MaiImagoAls François Hollande im Sommer 2024 als Abgeordneter in die Pariser Nationalversammlung zurückkehrte, galten Spekulationen über eine Rückkehr in den Élysée-Palast als Running Gag. Selbst in den Reihen seines Parti socialiste glaubte kaum jemand ernsthaft daran, dass der frühere Präsident noch einmal antreten könnte.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Hollande hatte sich 2017 mit einem historischen Popularitätstief aus dem Amt verabschiedet. Zeitweise erreichte er in Umfragen nur noch 4 Prozent Zustimmung. «Flanby» nannten ihn damals die Spötter, in Anspielung auf eine französische Puddingmarke, die zum Sinnbild seines Zauderns und seiner Führungsschwäche geworden war. Als erster Staatschef der Fünften Republik verzichtete er auf eine zweite Amtszeit.Kein WitzDoch schon im Januar 2022 erklärte Hollande in einer Fernsehsendung vor Schülern, ein ehemaliger Präsident könne durchaus erneut kandidieren. Anne Hidalgo, die sich damals für die Sozialisten für das höchste Staatsamt bewarb, machte sich darüber lustig: «François hat einen grossartigen Sinn für Humor. Und den hat er, wie ich finde, auch vor diesen Zehntklässlern bewiesen.»Vier Jahre später sind Hollandes Ambitionen kein Witz mehr. «Ich kann nützlich sein», so begründete der 71-Jährige kürzlich seine Pläne für ein Comeback. Vergangene Woche versammelte er rund 150 frühere Mitarbeiter und Unterstützer zu einem Empfang im Senat. Dort warb er für eine «neue Linke» und kündigte für den Herbst die Veröffentlichung eines neuen Buches an, was in Frankreich fast schon zum Pflichtprogramm einer Präsidentschaftskandidatur gehört. Nach Angaben seines Umfelds sammelt der Ex-Präsident zudem bereits Vorschläge für ein Wahlprogramm.Hollande begründet seine Rückkehr vor allem mit der Aussicht, dass in gut neun Monaten Marine Le Pen das Ruder übernehmen könnte. Die Präsidentenwahl im Frühjahr 2027 sei keine «banale Wahl», sagte er. In einer solchen Situation, so sein Kalkül, könnten sich viele Franzosen für einen Politiker der Mitte entscheiden; einen, den sie bereits als Staatschef erlebt hätten. Hollande erinnert daran, dass er Frankreich während der islamistischen Anschläge von 2015 und 2016 geführt habe und über internationale Erfahrung verfüge.Bevor er seine Kandidatur offiziell erklärt, will Hollande allerdings noch den Ausgang einer parteiinternen Vorwahl der Sozialisten im Oktober abwarten. Selbst daran teilnehmen möchte er nicht. Er habe keine «leidenschaftliche Beziehung zur Macht», wird Hollande zitiert. Sollte sich bis dahin im sozialdemokratischen Lager ein Bewerber mit überzeugenden Erfolgsaussichten durchsetzen, könne er auch – ganz selbstlos – auf eine Kandidatur verzichten.Innerhalb des Parti socialiste gelten neben dem Parteichef Olivier Faure der frühere Premierminister Bernard Cazeneuve und der Europaabgeordnete Philippe Brun als mögliche Präsidentschaftsbewerber. Hinzu kommt Raphaël Glucksmann von Place publique, der zwar nicht dem PS angehört, im Lager der gemässigten Linken aber als aussichtsreichster Kandidat gilt. Hollande wartet ab, ob dessen Kampagne die erhoffte Dynamik entwickelt oder unterwegs an Schwung verliert.Zersplitterte LinkeTatsächlich ist Hollandes Kalkül derzeit nicht völlig aussichtslos. In aktuellen Umfragen schneidet der ehemalige Präsident besser ab als die übrigen möglichen Kandidaten der gemässigten Linken. Im gesamten linken Lager liegt allerdings Jean-Luc Mélenchon, der Gründer von La France insoumise, klar vorne. Er kann sich vor allem auf viele junge Wähler sowie auf starke Unterstützung in den Banlieues stützen, schreckt mit seinem konfrontativen Kurs jedoch einen grossen Teil der politischen Mitte ab.Genau darin sieht Hollande seine Chance. Er will als gemässigtere Alternative auch Wähler aus der politischen Mitte gewinnen. In den Umfragen liegt die Linke allerdings weiterhin hinter dem Rassemblement national sowie den aussichtsreichsten Kandidaten des Regierungslagers, Édouard Philippe und Gabriel Attal, zurück.Passend zum Artikel
François Hollande will wieder Präsident Frankreichs werden – seine Umfragewerte sind passabel
François Hollande galt lange als Inbegriff eines gescheiterten Präsidenten. Nun bereitet der 71-Jährige eine erneute Kandidatur für den Élysée-Palast vor. Und seine Umfragewerte sind gar nicht einmal schlecht.








