Es gilt als der ungewöhnlichste Sieg in einem ohnehin außergewöhnlichen Major-Jahr. Der Nordire Rory McIlroy verteidigte beim Masters seinen Titel, obwohl der beste Driver der Welt kaum ein Fairway traf. Mit dem Engländer Aaron Rai gewann ein krasser Außenseiter die PGA Championship dank Monster-Putts. Der Amerikaner Wyndham Clark triumphierte bei der US Open zum zweiten Mal nach 2023 – ein Jahr nachdem er bei diesem Saisonhöhepunkt den Cut verpasst und aus Wut einen Umkleideschrank demoliert hatte. Und nun gewann mit dem Neuseeländer Ryan Fox die 154. The Open Championship ein Mann, dessen Karriere zu den unvergleichlichsten der Major-Champions gehört.Auch sein Weg zum Sieg beim ältesten Major im Royal Birkdale Golf Club in Southport (England) verlief alles andere als gewöhnlich. Fox begann die Open mit 72 Schlägen und schaffte nach 68 Schlägen am Freitag mit insgesamt 140 Schlägen gerade noch den Cut. Am Samstag katapultierte er sich mit einer Runde von 62 Schlägen auf den geteilten zweiten Platz.Damit stellte er auf dem Dünenplatz den Platzrekord ein und egalisierte zugleich die niedrigste jemals in einem Herren-Major gespielte Runde. Vor dem Finaltag lag Fox zwei Schläge hinter Sam Burns und ging gemeinsam mit dem Amerikaner, den er 2025 im Stechen der Canadian Open besiegt hatte, in der letzten Gruppe auf die Schlussrunde. Doch während Burns seinen Vorsprung nicht behaupten konnte, rückte plötzlich Cameron Young in den Mittelpunkt.Nervenstark auf der schwersten Bahn des TagesDer Amerikaner hatte die Schlussrunde auf dem zwanzigsten Platz mit sieben Schlägen Rückstand begonnen. Mit einer Runde von 64 Schlägen und insgesamt 271 Schlägen verbrachte er anschließend mehr als zwei Stunden als Spitzenreiter im Clubhaus. Nach seinem Erfolg bei der Players Championship im März schien nun auch sein erster offizieller Major-Titel greifbar.Doch dann kam „Foxy“. Der Neuseeländer spielte auf den letzten sechs Löchern vier Birdies und überholte Young auf den letzten Metern. Die Entscheidung fiel am 18. Loch, der schwersten Bahn des Tages. Fox benötigte ein Birdie, um ein Stechen zu vermeiden, und lochte aus knapp zwölf Fuß (3,6 Metern) nervenstark ein. Mit 270 Schlägen, zehn unter Par, gewann er einen Schlag vor Young. Burns (272) belegte Rang drei. Titelverteidiger Scottie Scheffler und der aus Southport stammende Publikumsliebling Tommy Fleetwood teilten sich Rang vier (273).Zur Belohnung ein Millionen-PreisgeldDass ausgerechnet Fox diesen überraschenden Schlusspunkt setzte, passt zu seinem Lebensweg. Sein Vater, die Rugby-Legende Grant Fox, gewann 1987 mit den All Blacks den ersten World Cup. Großvater Merv Wallace war Kapitän der neuseeländischen Cricket-Nationalmannschaft. Ryan Fox schlug zunächst jedoch einen ganz anderen Weg ein.Während die meisten Tourprofis schon als Kinder auf der Driving Range standen, begann er erst mit 17 oder 18 Jahren ernsthaft und wettkampfmäßig Golf zu spielen. Profi wurde er mit 25 Jahren. Seine erste vollständige Saison auf der DP World Tour bestritt er mit 30 Jahren; inzwischen gewann er dort fünf Turniere. PGA-Tour-Rookie wurde er sogar erst mit 37 Jahren, hat dort mittlerweile aber ebenfalls schon drei Turniere gewonnen.Mit 39 Jahren krönte der Neuseeländer nun seine Laufbahn mit dem größten Erfolg seiner Karriere. Er verbessert sich in der Weltrangliste von Platz 56 auf 22 und erhält 3,2 Millionen Dollar (2,8 Millionen Euro) Preisgeld – eine Summe, von der sein Vater und sein Großvater in ihren Sportarten nur hätten träumen können. Gleichzeitig zählt Fox zu den ältesten Spielern der modernen Golfgeschichte, die erstmals ein Major gewannen.Nach der Siegerehrung kündigte er seiner Familie in Florida in einem Telefongespräch an, aus der berühmten Siegestrophäe Claret Jug Rotwein trinken zu wollen. Nach einem Karriereweg, der später begann und länger dauerte als fast jeder andere, dürfte dieser Schluck dem „Champion Golfer of the Year“ besonders gut schmecken.
Ryan Fox gewinnt die British Open: Triumph mit 39 Jahren
Der Neuseeländer Ryan Fox schafft bei den British Open gerade noch den Cut, stellt dann den Platzrekord ein und krönt anschließend eine Golf-Karriere, die zu den außergewöhnlichsten der Major-Champions gehört.











