Kaum ein Gewässer weltweit ist so gut erforscht wie der Bodensee, trotzdem steckt er voller Rätsel. Einmal taucht ein Fisch wieder auf wie der Tiefseesaibling, der eigentlich als ausgestorben galt. Dann taucht ein Fisch plötzlich ab, der so weit verbreitet war wie kein anderer im gesamten See: Die Population des Stichlings ist innerhalb kürzester Zeit so drastisch zurückgegangen, dass Wissenschaftler von einer Seuche ausgehen. Die eingeschleppte Quaggamuschel wiederum bevölkert inzwischen jeden Quadratzentimeter des Binnengewässers, mit erheblichen Auswirkungen auf das Ökosystem.Im Bodensee tut sich was, das gilt auch für die Felchen, andernorts Renken genannt. Einst der beliebteste Speisefisch rund um den See, hatten die Fischer in den vergangenen Jahren zu kämpfen, weil sie kaum mehr Felchen aus dem Wasser zogen und schließlich gar keine mehr fischen durften: Fangverbot, weil es dem Fisch so schlecht ging. Könnten Fische vor Hunger schreien, hätte man die Felchen brüllen gehört, so geht die Erzählung unter den noch etwa 50 Berufsfischern rund um den Bodensee. Weil, von Kläranlagen rausgefiltert, zu wenig Phosphor im Wasser ist, weil die Wassertemperatur ansteigt, weil der Stichling die Fischlarven und außerdem das Zooplankton wegfrisst.SZ Bayern auf Whatsapp:Nachrichten aus der Bayern-Redaktion – jetzt auf Whatsapp abonnierenVon Aschaffenburg bis Berchtesgaden: Das Bayern-Team der SZ ist im gesamten Freistaat für Sie unterwegs. Hier entlang, wenn Sie Geschichten, News und Hintergründe direkt aufs Handy bekommen möchten.Die Stichlinge sind raus als Fressfeind, jetzt kommt wieder der Mensch ins Spiel: Weil der Bestand der Felchen sich erholt hat und die Fische gut wachsen, erlaubt die Internationale Bevollmächtigtenkonferenz für die Bodenseefischerei, die Tiere von 2027 an wieder zu fangen. Eingeschränkt, von Mai bis Ende August, nur an zwei Tagen in der Woche und mit größeren Maschenweiten an den Netzen. So können kleinere und jüngere Fische aus dem Netz schlüpfen und weiter wachsen.Jetzt müsste nur noch jemand dem Kormoran erklären, dass die Felchen weiterhin geschützt sind. Die Vögel halten sich ja an keine Abmachung, sie haben den Fisch weiter gejagt, auch während des Fangverbots, und holen ohnehin viel mehr Tiere aus dem Wasser als die Fischer. Ein Kormoran-Management am Bodensee aber hat die Politik noch nicht hinbekommen, so schnell geht das nicht, wenn mit Österreich, Deutschland und der Schweiz drei Länder beteiligt sind.Trotzdem können die Restaurants in Lindau und anderen Orten am See schon mal die Speisekarten umschreiben: Sobald der Felchen wieder kommt, müssen sie nicht mehr Lachsforellen anbieten, die angeblich als Wildfang aus dem Bodensee stammen – obwohl das reine Zuchtfische sind.
Fischerei am Bodensee: Felchen, aufgepasst! Jetzt geht’s euch wieder an die Flosse
Im Bodensee erholt sich die Felchenpopulation nach Jahren des Rückgangs. Fangbeschränkungen werden gelockert, doch Kormorane bleiben eine Herausforderung für den Fischbestand.






