Wie passend, dass der Literaturbetrieb selbst eine überaus toxische Beziehung mit dem Dark-Romance-Genre pflegt. Mal wird diese populäre Unterkategorie des Liebesromans mit Zuneigung überhäuft, weil sie junge Menschen wieder zum Lesen bringt, und anderntags wird sie wegen der Geschichten über moralisch fragwürdige Charaktere, die ausgesprochen viel, sehr explizit beschriebenen Sex haben, mit Geringschätzung bedacht. Im Grunde sind es die Groschenromane der Gegenwart. Mit dem Unterschied, dass diese Bücher nicht mehr in den hintersten Ecken von Bahnhofsbuchhandlungen verräumt sind, sondern auf den Bestsellerlisten stehen. Oder ihnen wird im Berliner Stadtteil Schöneberg gleich eine neue, eigene Buchhandlung gewidmet. In kleineren, größeren oder ganz ohne Verlag veröffentlicht, haben sie bestehende Marktmechanismen ausgehebelt, allein durch Werbung in den sozialen Medien oder als Serienadaption können sie zum Megaerfolg werden.