East Rutherford (dpa) - Lionel Messi stand teilnahmslos auf dem Rasen von East Rutherford, irgendwann setzte sich der Superstar inmitten der spanischen Weltmeister-Party vollkommen konsterniert hin. Während die Spanier um die auf dem Boden rollenden Jungstars Nico Williams und Lamine Yamal ihren verdienten WM-Triumph nach dem 1:0 (0:0, 0:0) nach Verlängerung feierten, ist der Traum von der Titelverteidigung für Messi und Argentinien geplatzt.Zum großen Helden im Finale wurde aber nicht Williams oder Yamal, sondern Joker Ferran Torres, der das einseitige Finale zugunsten des Europameisters entschied. „Ich denke, dass wir durch dieses Tor endlich erlöst wurden“, sagte Torres. „Gegen Messi bist du immer nervös, aber wir haben immer an uns geglaubt.“Spaniens Trainer „stolz auf diese Generation“Aus den Boxen dröhnte in den Minuten nach dem Abpfiff vor 80.663 Zuschauern - darunter auch US-Präsident Donald Trump und FIFA-Boss Gianni Infantino - der Party-Klassiker Eviva España. „Ich bin stolz, stolz auf diese Mannschaft und auf diese Generation, die sich mit dieser Spielidee durchgesetzt hat“, sagte Spaniens Trainer Luis de la Fuente.Vor dem Triumph unweit von New York, bei dem Spanien über die komplette Spieldauer dominierte, hatten die Iberer den wichtigsten Pokal im Weltfußball 2010 in Südafrika geholt. Für den bei dieser WM mit acht Toren und vier Assists herausragenden Messi wird es wohl keinen zweiten WM-Pokal nach 2022 geben.Messi nach dem Gegentreffer in der Verlängerung. Tom Weller/dpaTorres hatte in der 106. Minute das entscheidende Tor für die Spanier erzielt. Der 65 Jahre alte de la Fuente gewann als ältester Trainer der WM-Historie den Titel. Argentiniens Mittelfeldmann Enzo Fernández musste in der Nachspielzeit der regulären Spielzeit wegen eines Foulspiels mit Gelb-Rot vom Rasen. Die erste Verwarnung hatte er vom slowenischen Schiedsrichter Slavko Vincic wegen Reklamierens gesehen.Trump, Infantino und etliche Stars schauen zuNeben US-Präsident Trump und FIFA-Boss Infantino saßen zahlreiche weitere Promis aus der Sport- und Show-Welt auf der Tribüne: Tom Cruise, Rihanna, David Beckham und Jay-Z etwa. Sie sahen eine zähe erste Halbzeit - und dann eine klare Steigerung der Spanier.Die Argentinier hätten als drittes Team nach Italien (1934, 1938) und Brasilien (1958, 1962) den WM-Titel erfolgreich verteidigen können. Stattdessen wurde der Champion von 2022 entthront. Messi, der achtmalige Weltfußballer, war im Endspiel kaum zu sehen, in der Verlängerung senkte sich eine Flanke auf das Tornetz. Generell enttäuschte Argentiniens Offensive komplett und blieb über die ersten 110 Minuten vollkommen wirkungslos.US-Präsident Trump sah beim Finale in East Rutherford zu. Frank Gunn/The Canadian Press/AP/dpaArgentinien setzt auf Messi - Spanien auf KontrolleMessi hatte die Argentinier bei seiner sechsten WM ins Finale getragen. Und das nicht nur mit seinen Toren und Vorlagen. Der Routinier ist für die Teamkollegen Idol und Fixpunkt gleichermaßen. Wann immer es eng für sie wurde, suchten sie den Ausnahmekönner in der Offensive. So kämpfte sich die Albiceleste in der K.o.-Phase Runde für Runde weiter. Mit späten Aufholjagden und zweimal sogar über die Verlängerung.Die Spanier erwiesen sich als unüberwindbar. Nur ein Gegentor kassierten die ballsicheren Iberer im gesamten Turnier - beim 2:1 im Viertelfinale gegen Belgien. Wie sie beim souveränen 2:0 im Halbfinale die Offensiv-Zauberer aus Frankreich abkochten, war beeindruckend. Kein Wunder, dass de la Fuente im Endspiel auf exakt die gleiche Startelf setzte.Wenig Spektakel im Duell der Trainer-FreundeSpaniens Lamine Yamal und Argentiniens Messi standen schon vor der Partie im Fokus - nicht zuletzt wegen ihres legendären gemeinsamen Badewannen-Fotos vor knapp 19 Jahren. Und sie hatten auch gleich die ersten Szenen im Spiel. Ein Abschluss von Yamal landete in den Armen von Argentinien-Keeper Emiliano Martínez (5.). Im Gegenzug tauchte Messi, der als erster Spieler der WM-Historie sein drittes Finale von Beginn an bestritt, frei vor Unai Simón auf. Doch Spaniens Schlussmann eilte rechtzeitig aus seinem Kasten und klärte.Messi blieb in seinem dritten WM-Finale zunächst unauffällig. Tom Weller/dpaAnsonsten? Viele Pässe beim Europameister und zunächst nur wenig Spektakel. Die Spanier streuten auf dem viel kritisierten Finalrasen von East Rutherford ungewohnte Ungenauigkeiten ein, die auf Konter lauernden Argentinier konnten die Angebote aber nicht nutzen. Beiden Teams war der Respekt voreinander anzumerken. Womöglich hatten de la Fuente und Scaloni ihre Mannschaften aber auch einfach perfekt auf den jeweiligen Gegner eingestellt. Die beiden Coaches sind befreundet. De la Fuente war einst Scalonis Lehrer, als der in einem Sonderprogramm des spanischen Verbands seinen Trainerschein machte.Cucurella einmal mehr ein AktivpostenDie erste Halbzeit neigte sich bereits dem Ende zu, als die Spanier doch noch für Torgefahr sorgten. Torjäger Mikel Oyarzabal prüfte Torhüter Martínez mit einem Flachschuss aus knapp 20 Metern (39.). Ein Versuch von Marc Cucurella zischte rechts am Gehäuse der Argentinier vorbei (43.). Spaniens Wuschelkopf war auch diesmal einer der auffälligsten Spieler auf dem Rasen.Europameister Spanien hatte wie gewohnt viel Ballbesitz. Tom Weller/dpaSpanien erhöht den Druck - Fernández fliegtNach der stimmungsvollen Halbzeit-Show mit den Popstars Madonna, Shakira und Justin Bieber hofften die Fans im gigantischen Football-Stadion vor den Toren New Yorks auch auf mehr sportliche Unterhaltung. Spaniens Álex Baena versuchte sich direkt, sein Schuss war aber zu ungenau (46.).Nach und nach entwickelten die Iberer mit ihrem Kombinationsspiel nun aber mehr Zug zum Tor. De la Fuente versuchte, die Offensive unter anderem durch die Hereinnahmen von Pedri und Torres vom FC Barcelona weiter anzukurbeln. Dazu zeigte der ansonsten herausragende Martínez im Tor der Argentinier Unsicherheiten - vor allem bei einem Schuss des früheren Leipzigers Dani Olmo (64.).Argentinien kam über robuste Zweikämpfe ins Spiel. Tom Weller/dpaTorres trifft in der VerlängerungDie Spanier erhöhten zunehmend den Druck, Martínez musste mehrfach eingreifen - auch gegen Yamal (90.+8). Von Argentinien kam offensiv weiter gar nichts. Als Fernández nach einem Foul vom Feld musste, ging es für den Titelverteidiger nur noch darum, sich ins Elfmeterschießen zu retten. Ein Tor des eingewechselten Spaniers Nico Williams zählte nicht, nachdem Nicolas Otamendi im Zweikampf mit Mikel Merino zuvor zu Boden gegangen war (96.).Dann erlöste Torres die Spanier direkt zum Start der zweiten Halbzeit in der Verlängerung. Per Direktabnahme verwandelte der Joker mit links und machte damit Spaniens zweiten WM-Triumph perfekt - 2010 hatte Andrés Iniesta gegen die Niederlande ebenfalls das 1:0-Siegtor in der Verlängerung geschossen. Danach traute sich Argentinien mehr, doch zum Ausgleich reichte es nicht.Plattform XDie SZ-Redaktion hat diesen Artikel mit einem Inhalt von Plattform X angereichertUm Ihre Daten zu schützen, wurde er nicht ohne Ihre Zustimmung geladen.Ich bin damit einverstanden, dass mir Inhalte von Plattform X angezeigt werden. Damit werden personenbezogene Daten an den Betreiber des Portals zur Nutzungsanalyse übermittelt. Mehr Informationen und eine Widerrufsmöglichkeit finden Sie unter sz.de/datenschutz.© dpa-infocom, dpa:260719-930-409142/2