Faszination und Vergessen: Das Buch von Francis Dupuis-Déri über den Mord von Louis Althusser an seiner Frau, der Soziologin Hélène Legotien Rytmann.
Marxist gegen die „Unterdrückung des Mannes“: Louis Althusser, 1974, sechs Jahre vor dem Mord an seiner Frau
dpa/Ullstein Bild
Wenn Männer ihre Partnerinnen oder Ex-Partnerinnen umbringen, laufen mediale Berichterstattung und soziale Wahrnehmung häufig nach einem klaren Schema ab: Der Täter wird psychologisiert und erscheint als armer Mann, der irgendwie nicht anders konnte, weil sie drohte, ihn zu verlassen. Überhaupt steht vor allem der Täter im Vordergrund, während über das Opfer wenig gesprochen wird, das damit einer zweiten Auslöschung anheimfällt. Immer noch wird der Mord an Frauen als Beziehungstat verharmlost, statt seinen sozialen, patriarchalen und misogynen Kontext zu analysieren. Ist der Täter weiß und gutbürgerlich situiert, wird psychologisiert, hat er Migrationshintergrund oder ist arm, wird kulturalisiert.
All das geschah auch nach dem Mord, den der marxistische Philosoph Louis Althusser an seiner Ehefrau und langjährigen Partnerin, der Soziologin Hélène Legotien Rytmann, 1980 beging. „Alle waren sich einig darüber, dass der Wahnsinn die Ursache des Dramas sei“, schreibt der Politikwissenschaftler Francis Dupuis-Déri in seinem Buch „Althussers Femizid“. Darin zitiert er nicht nur Weggefährten und Althusser selbst, sondern unterzieht den gesamten Prozess der Rechtfertigung einer feministischen Analyse. Althussers akademisches Netzwerk hatte dafür gesorgt, dass der berühmte Professor von der Strafverfolgung verschont blieb.









