Bahnmitarbeiter stürzt nach Angriff von Fahrgast aus dem ZugNach einem Streit stürzt ein Bahnmitarbeiter aus einem Zug und wird schwer verletzt. Gegen einen Passagier wird Haftbefehl beantragt - vergeblich. Viele Fragen sind offen.19.07.2026, 08.27 Uhr3 LeseminutenDie Deutsche Bahn reagiert betroffen auf den schweren Vorfall.Matthias Schrader / AP(dpa) Nach einem gewalttätigen Angriff, bei dem ein Bahnmitarbeiter mit Schlägen und Tritten traktiert wurde und aus einem fahrenden Zug fiel, beginnt nun die Suche nach der Ursache für den fatalen Vorfall. Der 26-Jährige war durch den Sturz aus dem Regionalzug, der mit 120 km/h Richtung Karlsruhe unterwegs gewesen war, schwerst verletzt worden. Sein Zustand ist stabil, aber weiter kritisch, wie Polizei und Staatsanwaltschaft mitgeteilt hatten.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Was genau zu dem Sturz aus dem Zug führte, ist unklar. Der 26-Jährige war von dem wegen Gewaltdelikten bereits vorbestraften 36 Jahre alten Mann mit Schlägen und Tritten attackiert worden, wie die Staatsanwaltschaft zuvor berichtet hatte. Als der Sicherheitsmann im Zuge des Streits nach einem heftigen Tritt zu Boden ging, gab die Tür durch die Wucht des Aufpralls nach.Sie war laut bisherigen Erkenntnissen schon zuvor beschädigt worden, als die Beteiligten bei dem heftigen Gerangel mehrfach gegen die Tür stiessen. Dies war jedoch unbemerkt geblieben. Warum genau die Tür nachgab, ist derzeit unklar. Ein technischer Sachverständiger sei beauftragt worden, um herauszufinden, wie es dazu kommen konnte. Wann es dazu Ergebnisse gibt, ist unklar.Verdächtiger trotz laufender Bewährung auf freiem FussDer Mann sei überdies nur auf Bewährung draussen gewesen, wie es weiter hiess. Die Staatsanwaltschaft hatte am Vortag vergeblich Haftbefehl gegen ihn beantragt. Das Amtsgericht lehnte es trotz der laufenden Bewährungsstrafe ab, Untersuchungshaft anzuordnen. Begründet wurde dies offiziell zunächst nicht.Nach der Gewalttat vom Freitagabend war der 36-Jährige vorläufig festgenommen worden – und ist nun wieder frei. Der Regionalzug war nach aktuellen Angaben der Polizei von Baden-Baden kommend in Richtung Karlsruhe unterwegs gewesen.Schon früher sei der 36-Jährige wegen Gewaltdelikten strafrechtlich in Erscheinung getreten, so die Staatsanwaltschaft weiter. Er soll bei dem Vorfall betrunken gewesen sein. Dem folgenreichen Streit war eine verbale Auseinandersetzung im Zuge einer Ticketkontrolle vorausgegangen. Daraufhin waren zwei Sicherheitsarbeiter, darunter das spätere Opfer, hinzugerufen worden.Betroffenheit bei Bahn und EVGDie Bahn äusserte sich betroffen. «Wir verurteilen den Angriff am gestrigen Abend in einer Regionalbahn aufs Schärfste», sagte eine Bahnsprecherin. «Unsere Gedanken sind bei dem Verletzten.»Der schreckliche Vorfall zeige erneut auf dramatische Weise, «dass verbale und körperliche Übergriffe auf das Zugpersonal eine neue, lebensgefährliche Dimension erreicht haben», sagte Manuel Amberger, Landesvorsitzender der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG). «Dass erneut einer unserer Kollegen nach einer einfachen Fahrkartenkontrolle im Krankenhaus um sein Leben ringen muss, macht uns fassungslos und wütend.»Auch die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) äusserte sich. «Wir brauchen Entscheidungen der Justiz, wir brauchen Gesetzesänderungen und wir brauchen das Durchgriffsrecht», sagte GDL-Chef Mario Reiss im WDR nach dem Angriff. «An der Stelle für uns ist es einfach nicht mehr auszuhalten und die Kollegen, die eigentlich jeden Tag ihren Dienst tun, müssen jeden Tag mehr mit Angst auf Arbeit gehen.»Der Vorfall hatte Entsetzen ausgelöst und erinnert an den Fall eines Zugschaffners, der Anfang Februar bei einer Ticketkontrolle in Rheinland-Pfalz von einem Mann ohne Fahrschein totgeprügelt wurde, nachdem er ihn zum Aussteigen aufgefordert hatte. Vergangene Woche wurde der 26 Jahre alte Täter zu zehn Jahren Gefängnis wegen Körperverletzung mit Todesfolge verurteilt.