Überfüllte Strände? Überhitzte Städte? Nach Erholung klingt das nicht. Dann doch lieber frische Bergluft, sattgrüne Landschaften und stille, kühle Nächte. Sechs Tipps für schöne Hotels in den Bergen.Dieser Trend ist kein Geheimnis mehr: In den letzten Jahren hat der Sommertourismus in den Alpen beständig zugenommen, sogenannte «Coolcations» werden immer beliebter. Der Reiz liegt nicht nur in den angenehmeren Temperaturen, sondern auch im Ursprünglichen und Unverfälschten, in der friedlichen Natur, den grossartigen Aussichten, der aktiven Freizeitgestaltung und den zahlreichen familienfreundlichen Angeboten.Ein wenig Glamour gibt es auch: Einige der elegantesten Skihotels Europas sind während der Sommersaison geöffnet und locken ein wohlhabendes Publikum an, das Wellness, Gourmetgastronomie und den Spass am «Sehen und Gesehenwerden» sucht.Österreich, Hohe Tauern: Haus Hirt, 1000 Meter HöheDas Haus Hirt steht in Bad Gastein, einem Skiort, der in vielerlei Hinsicht ungewöhnlich ist – durch seine lange, nicht immer glückliche Geschichte, vor allem aber durch die Architektur und die Stimmung, die daraus entstanden sind und zu weiten Teilen alles andere als dörflich wirken. Die eleganten Belle-Époque-Paläste des in die Hänge gebauten 4000-Einwohner-Dorfs brachten ihm den Spitznamen «Monte Carlo der Alpen» ein – und tatsächlich war und ist dies ein erstaunlich kosmopolitischer Ort, der sich als verschlafenes Bergkaff tarnt. Am Hang und mit phantastischer Aussicht auf Bad Gastein präsentiert sich das Haus Hirt. Klaus Vyhnalek Auch das Haus Hirt tarnt sich ein wenig. Wer es bei einem Spaziergang auf der Kaiser-Wilhelm-Promenade überhaupt eines Blickes würdigt, wird es vermutlich für eine altmodische, leicht verstaubte Pension halten. Tatsächlich ist es ein bemerkenswert urbaner Ort, den Evelyn und Ike Ikrath aus dem gemütlichen Familienhotel ihrer Eltern geschaffen haben. Gemütlich ist es immer, und es ist auch ganz besonders für Familien geeignet. Aber es ist auch cool, urban und zeitgeistorientiert. Zur Verfügung stehen 33 schlicht-schöne Zimmer mit viel Holz, grossen Fenstern und Bergblick, ein Indoor-Pool, eine Terrasse mit Liegen sowie ein eigenes Aveda-Spa mit Sauna, Dampfbad und Behandlungsräumen. Wechselnde Yoga-Lehrer bieten Kurse oder Workshops an, nette Menschen kümmern sich um die Kinder und ihren Kindertisch, an dem gemeinsam gegessen wird. Charlotte Garrousse PD Das Haus Hirt ist cool, urban und zeitgeistorientiert. Die erwachsenen Gäste – oft nicht zum ersten Mal hier und untereinander bekannt – geniessen die Gesellschaft an der Hausbar, blättern in den vielen herumliegenden Kunst-, Fotografie- oder Architekturbänden und freuen sich auf ein leckeres Dinner im wunderschönen Speisesaal oder auf der Terrasse.Informationen: haus-hirt.com, DZ ab 121 Euro.Deutschland, Bayerische Alpen: Schloss Elmau, 1000 Meter Höhe1916 liess der protestantische Theologe, Philosoph und Schriftsteller Johannes Müller das Schloss unweit von Garmisch-Partenkirchen erbauen – mit der Prämisse, einen Ort zu schaffen, der als «Freiraum des gemeinschaftlichen Lebens» fungiert und «Ferien und Freiheit vom Ich» verspricht. Seitdem strömen Politiker, erschöpfte Führungskräfte, Mehrgenerationenfamilien, Paare und Alleinreisende hierher, um sich zu entspannen und die reine Luft zu geniessen. Ein Ort zum Durchatmen: Das Schloss Elmau in den Bayerischen Alpen zwischen der Zugspitze und dem Karwendelgebirge. PD Das Resort hat zahlreiche Auszeichnungen, zwei G-7-Gipfel und einen Anbau hinter sich. Trotzdem wirkt es von aussen nach wie vor wie ein klassisches Bergresort. Erst bei näherer Betrachtung zeigt sich der einzigartige Mix aus Vintage, Zeitgeist und bayrischem Alpencharme. Vor allem aber empfängt Elmau mit einem Angebot, das seinesgleichen sucht. Der weitläufige Rückzugsort besteht aus zwei Hotels, zehn Restaurants, mehreren Spa-Bereichen, einem Yoga-Center, einem Ballsaal, zwei Bibliotheken und einer verblüffend modernen Konzerthalle. Auf Schloss Elmau finden Lesungen, Klassik- oder Jazzkonzerte statt, und auch Kinder werden ermutigt, an den Angeboten teilzunehmen.Die ausgesprochen grosszügigen Zimmer sind mit raumhohen Fenstern und einer unaufdringlichen East-meets-West-Ästhetik gestaltet. Gourmets dürfen sich auf ein Zwei-Sterne-Restaurant freuen, Sportsfreunde aufs Wandern und aufs Biking und Wasserratten auf kristallklare, erfrischende Bergseen. Mit Blick auf die Tannen: Die grosszügigen, edlen Schlosszimmer. PD Informationen: schloss-elmau.de, DZ ab 577 Euro.Schweiz, Berner Oberland: Bellevue Parkhotel & Spa, 1400 Meter HöheEigentlich hätte es dieses Hotel gar nicht geben dürfen. Als der Staat nach dem Ersten Weltkrieg einen Baustopp für Hotels verhängte, um das darbende Gastgewerbe zu schützen, erhielt das auf 1400 Metern oberhalb von Adelboden schwebende Parkhotel Bellevue eine Sondergenehmigung, weil es kurz vorher abgebrannt war. Offenbar interessierte es dann niemanden, dass der ursprüngliche Holzbau durch ein modernes, weisses Steingebäude ersetzt wurde, das heute Architekturliebhaber aus der ganzen Welt anzieht. Das Parkhotel Bellevue zieht heute Architekturliebhaber aus der ganzen Welt an. © bellevue-parkhotel.ch In den vergangenen zehn Jahren wurde das 50-Zimmer-Hotel von den renommierten Basler Architekten Buchner Bründler komplett renoviert. Sie befreiten das Erdgeschoss von den kleinen Fenstern aus den 1970er Jahren und setzten stattdessen Panorama-Glasscheiben ein. Sie spielten mit unterschiedlichen Deckenhöhen, bedeckten die Böden mit hellem Fischgrätparkett und Kelim-Teppichen und richteten die Räume mit Mobiliar im Mid-Century-Stil und Designklassikern von Fritz Hansen, Charlotte Perriand oder Carlo Molino ein. Designaffine Gäste werden sich in den stilvollen Hotelzimmern besonders wohlfühlen. © bellevue-parkhotel.ch Für die Gastlichkeit im Haus sind seit drei Generationen die Frauen zuständig, gegenwärtig zeigt die Direktorin Franziska Richard Präsenz und aufrichtiges Interesse am Wohl ihrer Gäste. In der Küche sorgt Jiri Urban immer wieder für feine Überraschungen, nach Möglichkeit auf Basis der hervorragenden regionalen Produkte wie Adelbodner Biokalb, Stör aus Frutigen und Pilze aus den umliegenden Wäldern.Regionalität kann auch im Spa des Hauses erlebt werden. Zu den Signature-Treatments zählt unter anderem das «Edelweiss Detox Ritual».Informationen: bellevue-parkhotel.ch, DZ ab 289 CHF. Griechenland, Pindosgebirge: Grand Forest Metsovo, 1350 Meter HöheDas Pindosgebirge auf dem griechischen Festland ist touristisch deutlich weniger erschlossen als die Inseln und die Küste, gerade das macht seinen Reiz aus. Hier oben in der rauen Berglandschaft eröffnet sich eine kaum bekannte Seite des beliebten Ferienlandes. Genau das möchten Ellie Barmpagiannis und ihr Team zeigen – und es funktioniert: Das «Grand Forest Metsovo» lockt Besucher ins Landesinnere.Kein Wunder! Das Hotel steht auf einem riesigen Privatgrundstück in einem der schönsten Nationalparks des Landes. Um ihn zu erkunden, organisiert das Hotel geführte Wanderungen, Mountainbike-Touren oder Ausritte. Wer gelegentlich die Zivilisation vermisst, findet sie im nahen Metsovo. Das charmante, historische Städtchen ist für seine bunten Webarbeiten und seine guten Weine und Restaurants bekannt. PD Modern, aber doch mit urchigem Charakter: Die Räumlichkeiten im «Grand Forest Metsovo». Die 62 geräumigen Suiten sind auf acht modern interpretierte Bergchalets verteilt. Dunkle Hölzer und eine neutrale Farbpalette sorgen das ganze Jahr über für ein stilvolles Ambiente, die gesamte Ästhetik erinnert an ein alpines Refugium mit einem leicht brutalistischen Touch. Der Infinity-Pool im Freien gehört zu den Highlights des ganzen Resorts. PD Zu den Highlights des Resorts gehören das «Aspen Spa» mit Hammam, Sauna, Hydrotherapiebecken und einem Infinity-Pool im Freien sowie das Restaurant Metsovo 1350 m, das nach seiner Höhenlage benannt ist und mit kreativer Regionalküche sowie einer Dachterrasse mit sensationeller Aussicht begeistert.Informationen: grand-forest.gr, DZ ab 236 Euro.Italien, Südtirol: Bella Vista, 1500 Meter HöheDen Stararchitekten Matteo Thun und die Skilegende Gustav Thöni verbindet eine jahrzehntelange Freundschaft, die in ihrer gemeinsamen Heimat in den Bergen rund um den kleinen Weiler Trafoi wurzelt. Hier, inmitten der Gipfel des Nationalparks Stilfser Joch und am Fusse des 3905 Meter hohen Ortler-Massivs, steht das 150 Jahre alte Hotel Bella Vista. Es gehört der Familie von Gustav Thöni und sollte schon lange erweitert werden. Das Haupthaus (links) mit dem erst kürzlich eröffneten neuen Flügel auf der rechten Seite. PD Das alpine Refugium stammt aus dem Jahr 1875. Die ursprünglichen 36 Zimmer wurden immer als ein Ort verstanden, der von der Landschaft geprägt wird – und nicht umgekehrt. Matteo Thuns kürzlich eröffneter neuer Flügel mit 24 Suiten, einer Lounge-Bar und einem grosszügigen Wellnessbereich orientiert sich konsequent an diesem Leitgedanken. Mit grossem Gespür für den Geist des Ortes entwarf der in Mailand lebende Architekt ein Gebäude, das sich wie selbstverständlich in die Umgebung einfügt. Die mit hellem heimischem Alpenholz verkleidete Fassade verleiht ihm eine organische, gewachsene Anmutung. Die Suiten punkten mit Panoramafenstern, die einen ungestörten Blick auf die Dolomiten freigeben, sowie mit einer reduzierten, warmen Einrichtung, die das wechselnde Licht wirken lässt. Die neuen Zimmer mit hellem heimischem Alpenholz, viel Licht und Blick auf die Dolomiten. PD Der beheizte Infinity-Pool mit Blick auf die Gletscher ist schon zum Markenzeichen geworden. Neu sind auch das weitläufige Adults-only-Spa, eine Lounge-Bar mit Kamin und Ski-Referenzen sowie die Rezeption für alle «Bella Vista»-Gäste.Informationen: bella-vista.it, DZ ab 270 Euro.Frankreich, Val d’Isère: Le Refuge de Solaise, 2551 Meter hochVal d’Isère ist nicht Megève oder Courchevel. Weder steht hier das neueste Designer-Outfit ganz oben auf der Prioritätenliste noch die Champagnerauswahl oder die Möglichkeit, glamouröse Mittagspausen auf schicken Sonnenterrassen zu verbringen. Dafür punktet der Ort mit echter Bergdorf-Romantik. Es ist kein am Reissbrett entstandenes Übernachtungskonglomerat, sondern ein richtiges Städtchen mit gut 1500 Bewohnern, einer Schule, einer Post, einem Friedhof, einem Wochenmarkt und einer Kirche aus dem 17. Jahrhundert. PD «Le Refuge de Solaise» im Val d’Isère ist das höchstgelegene Hotel Frankreichs. Hoch über dem Ganzen thront «Le Refuge de Solaise» – das höchstgelegene Hotel Frankreichs. Es bespielt eine ehemalige Seilbahnstation, die in ein schickes, unterhaltsames und entspanntes Hotel mit atemberaubender Aussicht, stilvollem Interieur, einem hervorragenden Restaurant, einer lebhaften Bar und einem erstklassigen Spa-Bereich verwandelt wurde. Die Bergwelt ist allgegenwärtig: Man sieht sie vom Bett aus, beim Baden, vom Pool und von der Aussensauna aus oder während man an der Bar einen Cocktail geniesst. Es ist der ultimative Rückzugsort in den Bergen – und mit sechzehn Gästezimmern, vier geräumigen Apartments sowie einem Schlafsaal für vierzehn Personen findet sich hier für nahezu jedes Budget eine passende Unterkunft. Die Bergwelt ist allgegenwärtig, sogar im Spa-Bereich. PD Beim Umbau wurde Wert darauf gelegt, den historischen Charakter des Gebäudes zu erhalten – etwa indem Originalelemente wie die Betonstützen der ehemaligen Seilbahn-Abstellplätze in einem der Schlafzimmer über dem Bett aufragen, kombiniert mit Sichtsteinmauerwerk, Holz und grobem Putz. Dazu kommt ein moderner Alpenchic mit ausgefallenen Textilien, Schaukelstühlen und industriell wirkenden Lampen. Die Küche ist vielfältig und reicht von Sushi über vegetarische Optionen bis zum Côte de Bœuf für zwei Personen.Informationen: lerefuge-valdisere.com, DZ ab 320 Euro. Newsletter Die besten Artikel aus «NZZ Bellevue», einmal pro Woche von der Redaktion für Sie zusammengestellt.
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