KommentarAmerika ist noch nicht reif für eine Zeit ohne Trump. Und das geniesst der US-PräsidentDonald Trump glaubt, er sei unersetzlich. Deshalb hat er wenig Interesse daran, einen Nachfolger aufzubauen. Wird es J. D. Vance dennoch schaffen, in seine Fussstapfen zu treten?19.07.2026, 05.30 Uhr3 LeseminutenDer US-Präsident Donald Trump und zwei mögliche Rivalen für seine Nachfolge: Vizepräsident J. D. Vance und Aussenminister Marco Rubio (von links nach rechts).Niall Carson / GettyDie Szene könnte aus der Fernsehshow «The Apprentice» stammen. Donald Trump und der Medienmogul Rupert Murdoch haben an der Spitze eines Tisches Platz genommen. Neben ihnen sitzen zwei Männer. «Was halten Sie von J. D.?», fragt Trump nun, als wären diese tatsächlich Anwärter für einen Job in seiner Firma und nicht der Vizepräsident und der Aussenminister. Murdoch: «Nun, ich glaube, J. D. hat Potenzial, grossartig zu werden.» Dann fragt Trump: «Und was denken Sie über Marco?» – «Marco ist brillant», so Murdoch.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Die Szene fand laut den «New York Times»-Journalisten Maggie Haberman und Jonathan Swan im Oktober statt, sie schildern sie in ihrem Buch «Regime Change». Trump tue das nun öfters, heisst es. Es sei ein Spiel von ihm, um Spekulationen um die Präsidentschaftskandidaturen von J. D. Vance und Marco Rubio anzuheizen.«Spiel» ist wohl das treffende Wort. Denn Trump will nicht ernsthaft einen Nachfolger. Aus seiner Sicht ist es völlig unmöglich, dass ihn jemand ersetzen kann. Als die Republikaner im vergangenen Herbst bei einigen Wahlen klar verloren, beunruhigte ihn das nicht. Er selbst stand ja nicht auf dem Wahlzettel. Das Versagen der Republikaner schien ihn gar mit Stolz zu erfüllen. «Ihr Republikaner seid nichts gewesen, bevor ich da war. Und ohne mich seid ihr noch immer nichts.» So dürfte Trump denken.Tatsächlich hat Trump die Republikaner zu dem gemacht, was sie heute sind: zu einer Partei, die nur ihm folgt, die Teil seiner «Make America great again»-Bewegung geworden ist. Ihm gilt es zu huldigen, zu ihm muss man loyal sein – egal, welch erratisches Verhalten er auch immer an den Tag legt. Wer ihm widerspricht, scheidet aus.Die klassischen Vertreter der Partei, die sich gerne «Grand Old Party» (GOP) nennt, standen für freie Märkte ein, für demokratische Werte, für eine harte Aussenpolitik mit weltweiter militärischer Präsenz. Sie haben sich in Luft aufgelöst. Kaum ein anderer Politiker versinnbildlichte dieses Verschwinden besser als der vor wenigen Tagen verstorbene Lindsey Graham.Der Senator aus South Carolina war lange ein klassischer Republikaner, ein Falke; er vertrat die Haltung, die USA müssten die Welt mit starken Allianzen anführen und autoritäre Regimes bekämpfen. Bis der Immobilienmogul Trump vor zehn Jahren in die amerikanische Politik platzte.Zwar verachtete Graham Trump zunächst, bezeichnete ihn als Fremdenfeind, der in der Hölle schmoren solle. Als aber Trump das politische Amerika im Sturm eroberte, änderte Graham seine Meinung. Er wurde Trumps treuester Verbündeter, sein lautester Verteidiger. Nur um politisch nicht unterzugehen. Graham stand exemplarisch für den Opportunismus, ja Zynismus einer Partei, die ihre politische Seele verkauft hatte.Graham hat Trump nicht überlebt. Die Frage stellt sich: Kann die Partei Trump überleben? Kann Maga Trump überleben?Vizepräsident J. D. Vance versucht derzeit krampfhaft, die Maga-Bewegung für sich zu gewinnen und so Trumps Erbe zu werden. Ihm fehlt allerdings Trumps Charisma, dessen Persönlichkeit, dessen Humor. Vance versucht dies zu kompensieren, indem er sich als christlicher Nationalist gibt und eine klare «America first»-Ideologie vertritt, die Trump selbst allerdings längst hinter sich gelassen hat. Maga ist, was ich bestimme, wie Trump einst sagte.Es wird keinen Trumpismus nach Donald Trump geben. Denn Trump hat keine Ideologie, die ein Nachfolger weiterführen könnte. Er selbst ist die Ideologie. Sein grösstes Ziel war und ist es, sich mehr Macht und Reichtum zuzuschanzen, sich von Werten, Gesetzen, Checks and Balances zu befreien.Trump betrat die amerikanische Politik in einem Moment der Erschöpfung und Orientierungslosigkeit des Landes. Er segelte mit dem Wind der Unzufriedenheit vieler Amerikaner, spiegelte ihre Wut und fing an zu zerschlagen, was die USA gross gemacht hat. Gleichzeitig spielte er sich als Heilsbringer auf. Sein Slogan «Make America great again» war aber ein Verweis in die Vergangenheit, keine Vision für die Zukunft. Trump scheint eher Ausdruck dafür zu sein, dass Amerika um sich schlägt, weil es nicht mehr weiterweiss.Die Grand Old Party, ja das ganze Land, müsste sich grundsätzlich neu erfinden. Doch noch scheinen valable politische Ideen, Visionen, Köpfe zu fehlen. Weder die Republikaner noch die Demokraten sind bereit für einen Nachfolger, für etwas Neues – für die Zukunft. Das spürt der Präsident. Und geniesst es in vollen Zügen.Ein Artikel aus der «NZZ am Sonntag»Passend zum Artikel
Noch immer unersetzlich? Warum Donald Trump keinen Nachfolger aufbauen will
Donald Trump glaubt, er sei unersetzlich. Deshalb hat er wenig Interesse daran, einen Nachfolger aufzubauen. Wird es J. D. Vance dennoch schaffen, in seine Fussstapfen zu treten?







