KommentarOdysseus-Alarm: Lest keine Prognosen über die Zukunft der KI!Die meisten Vorhersagen über die Zukunft der künstlichen Intelligenz liefern keinen Erkenntnisgewinn, sorgen aber für kollektive Verunsicherung. Kommendes Jahr bietet sich dem Bundesrat die Chance, mit konkreten Aktionen und Konzepten etwas daran zu ändern.19.07.2026, 05.30 Uhr2 LeseminutenWir alle sind Odysseus – mit dem Unterschied, dass keiner weiss, wo die irre Reise endet.Heritage Images / Hulton / GettyFrüher beschaffte sich der Mensch Halluzinationen mit einem LSD-Trip. Heute reicht ein Abonnement von Chat-GPT. Eine solche Grenzerfahrung muss auch die SVP Zürich machen. Die KI-generierte Werbung für ihre Neutralitätsinitiative, über die die Schweiz im Herbst abstimmt, zeigt fröhliche Alpenbewohner in bayrischen Trachten.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Dass die Maschine kulturelle Aneignung und Lederhosenfreizügigkeit als Spielart von Neutralität interpretiert und die isolationistische SVP das Ganze als Symbol für den «länderübergreifenden Frieden im Alpenraum» verteidigen muss, illustriert schön, was das Navigieren durch die Welt der künstlichen Intelligenz bedeutet: Wer nicht aufpasst, endet auf einer Irrfahrt im homerischen Stil, wie sie der Hollywood-Starregisseur Christopher Nolan gerade in den Kinos zeigt.Der Aufbruch in ein neues Zeitalter hat längst für alle begonnen. Vertrieben aus der gewohnten Welt, hin- und hergerissen zwischen Furcht und Sirenengesängen der eierlegenden Wollmilch-KI, von unkontrollierbaren Mächten im Menschsein auf die Probe gestellt. Wir alle sind Odysseus – mit dem Unterschied, dass keiner weiss, wo die irre Reise endet. Das wird sich angesichts des Tempos der technologischen Entwicklung auch nicht so schnell ändern. Allein in dieser Woche schockt ein chinesisches KI-Modell namens Kimi K3 die Welt und stellt den Vorsprung der USA fundamental infrage.Die kollektive Desorientierung führt zu einem Wildwuchs von Prognosen, Warnungen und Meinungen mit bescheidener Haltbarkeit und noch weniger Qualität. Auf der Kommandobrücke herrscht Phrasenalarm. «Innovation bringt auch Verantwortung mit sich», meinte Bundesrat Albert Rösti in der Eröffnungsrede zur jüngsten KI-Konferenz der Uno in Genf.Rösti ist nicht allein. Unter dem Titel «We Must Act Now» publizierten 200 Ökonomen aus der Big-Tech- und Nobelpreisträger-Liga einen offenen Brief. Die Textwolke aus Konjunktiven und Allgemeinplätzen transportiert die wenig überraschende Botschaft, dass die KI radikal wirkmächtiger werden könnte und man sich mit den Folgen sowie den möglichen Regulierungen beschäftigen müsse. Die offen zur Schau getragene Ahnungslosigkeit wirkt so erfrischend ehrlich wie sinnlos. Da reihen sich wohl bloss ein paar Gelehrte präventiv bei den Warnern ein.Als Kompass auf der Odyssee taugt das Glaskugel-Bingo jedenfalls nicht. Je mehr Nebulöses kursiert, umso abgestumpfter wird der Mensch, umso mehr verschliesst er sich den gegenwärtigen Entwicklungen. Und genau hier besteht auch für die Schweiz die grösste Gefahr: blind in die Zukunft zu segeln. So wendet bis jetzt nur jedes achte Schweizer KMU in seiner Produktion KI an. Immerhin bietet sich dem Bundesrat bald die Gelegenheit, die Nation mit konkreten Aktionen und Konzepten auf KI-Kurs zu trimmen. Die Schweiz ist 2027 Gastgeberin des nächsten Weltgipfels zu dem Thema.Ob die Landesregierung diese Chance nutzt? Bis jetzt gibt es dazu nur PR-Sprech. Dann lieber Halluzinationen.Passend zum Artikel
Odysseus-Alarm: Lest keine Prognosen über die Zukunft der KI!
Die meisten Vorhersagen über die Zukunft der künstlichen Intelligenz liefern keinen Erkenntnisgewinn, sorgen aber für kollektive Verunsicherung. Kommendes Jahr bietet sich dem Bundesrat die Chance, mit konkreten Aktionen und Konzepten etwas daran zu ändern.







