Das Museum Folkwang in Essen zeigt jetzt in einer großen Retrospektive Gustave Courbet als wandlungsfähigen Künstler aus dem Frankreich Napoleons III.

Pikant: Weiblicher Akt mit Hund von Gustave Courbet, Öl auf Leinwand, 1861 – 1862

Hervé Lewandowski/Grand Palais Rmn|Hervé Lewandowski/bpk

Nur Rembrandt hat sich häufiger selbst gemalt als Gustave Courbet. Doch während der Niederländer sich in seinen Selbstporträts im Laufe seines Lebens immer schonungsloser betrachtete, sind Courbets Selbstbildnisse ein virtuoses, verwirrendes Maskenspiel, in dem er sich immer wieder neu inszenierte. Im Museum Folkwang bildet eine Auswahl dieser aufregenden Selbstporträts den Auftakt der in neun Kapiteln arrangierten Retrospektive. Sie zeigt unter dem Titel „Ich, Gustave Courbet. Maler und Rebell“ 100 Werke aus allen Schaffensphasen des Franzosen, darunter 85 Gemälde.

Zwar fehlt das berühmteste seiner Selbstporträts – „Der Verzweifelte“ ist im Besitz der Qatar Museums –, aber „Le Fou de peur“ (Der vor Angst Wahnsinnige) von 1844 ist mindestens ebenso eindringlich: Es zeigt den jugendlichen Maler mit angstgeweitetem Blick, die Linke rauft das Haar, die Rechte greift nach vorne ins Nichts, den halb knienden Körper scheint es in einen Abgrund zu ziehen, doch der Vordergrund wirkt unvollendet, nur grob schraffiert in Weiß, schmutzigem Grau und Braun.