Ostafrika ist die Urheimat des Menschen, heißt es oft. Tatsächlich kommen viele bedeutende Funde fossiler Knochen von Angehörigen unserer Gattung und ihrer bereits aufrecht gehenden Vorfahren aus Äthiopien, Kenia und Tansania. Schon lange ist aber auch das südliche Afrika eine wichtige Fundregion. Aber müssten die Vor- und Frühmenschen dann nicht auch in den Gebieten dazwischen gelebt haben?Es war vor allem der gebürtige Stuttgarter Friedemann Schrenk, der – zusammen mit Timothy Bromage von der New York University – diese geographische Lücke in der Paläoanthropologie zu schließen half, indem die beiden sich 1983 eine Grabungslizenz in der Republik Malawi verschafften. Damals war Schrenk noch Geologiestudent in Darmstadt – das Diplom erwarb er 1985, die Promotion in Anatomie 1987 in Frankfurt. Danach wurde er erst Kurator, dann Abteilungsleiter am Hessischen Landesmuseum in Darmstadt, und in dieser Zeit kam dann der Durchbruch in Malawi.Im August 1991 stieß ein Mitarbeiter in Schrenks Team nahe Uraha, einem Dorf unweit Karonga am Ufer des Malawisees, auf einen Unterkiefer, der die Bezeichnung UR 501 erhielt und auf ein Alter von 2,4 bis 2,5 Millionen Jahren datiert wurde. Wie die Analyse der Zähne ergab, handelte es sich um eine der Art Homo rudolfensis nahestehende Form und den frühesten Vertreter der Gattung Homo, der bis dahin bekannt geworden war. Er war nur 700.000 Jahre jünger als die berühmte, aber als Angehörige der Gattung Australopithecus noch eindeutig vormenschliche „Lucy“ aus ÄthiopienDer Fund und seine Arbeit in Malawi im Allgemeinen machten Schrenk berühmt, und im Jahr 2000 wurde er Sektionsleiter am Forschungsinstitut Senckenberg in Frankfurt sowie Professor an der Goethe-Universität. Am Senckenberg machte er sich nun auch um die Öffentlichkeitsarbeit verdient. So rief er 2002 die Gustav Heinrich Ralph von Koenigswald-Lecture ins Leben, in deren Rahmen schon viele der bedeutendsten Vertreter des Fachs öffentliche Vorträge über ihre Arbeit gehalten haben. Und in Malawi, wo er auch nach seiner Emeritierung in Frankfurt viel Zeit verbringt, engagiert er sich, um der dortigen Bevölkerung das Wissen um die menschheitsgeschichtliche Bedeutung ihrer Heimat zu vermitteln. Am heutigen Samstag wird Friedemann Schrenk siebzig Jahre alt.