Donald Trump gestikuliert nach seiner Rede zur Lage der Nation im Weißen Haus. Foto: Saul Loeb/Pool AFP via APEin Satz. Mehr Zeit war Donald Trump das Thema nicht wert, das die Amerikanerinnen und Amerikaner derzeit am meisten umtreibt: der Krieg und die wirtschaftliche Entwicklung in den USA.„Wir erzielen im Iran große Erfolge, und Sie werden die Früchte dieser Bemühungen schon sehr, sehr bald sehen“, verkündete der US-Präsident am Donnerstag in seiner Rede an die Nation.Ein Satz in 27 Minuten. Das soll reichen in der Woche, in der Trump den Iran wieder massiv bombardiert, der Ölpreis um 11,78 Prozent steigt und die Straße von Hormus wieder blockiert ist. Ernsthaft?Rede an die Nation Trump schürt vor Zwischenwahlen Zweifel an Sicherheit von Wahlen US-Präsident Trump nutzt eine Rede zur besten TV-Sendezeit, um wenige Monate vor den „Midterms“ die Integrität von US-Wahlen in Zweifel zu ziehen. Trump entlarvt sich selbstWas ist die Strategie des US-Präsidenten? Wie will er wieder Verhandlungen herbeiführen, nachdem er den Waffenstillstand für „beendet“ erklärt hat? Wie viele Milliarden Steuergelder soll der Krieg noch verschlingen, der jetzt schon fünf Monate dauert statt der versprochenen fünf Wochen, obwohl er angeblich nur „ein kleiner Ausflug“ ist?Darauf gab der US-Präsident am Donnerstag keine Antworten – weil er offensichtlich keine hat.Trump warf China die „größte Kompromittierung von Wahldaten in der Geschichte“ der USA vor – eine Behauptung, die gleichermaßen überraschend wie abenteuerlich wirkt.Liveblog Die aktuellen Entwicklungen im Iran-Konflikt Live-BlogTrump beschuldigt plötzlich ChinaBisher hatte der US-Präsident immer behauptet, dass die Demokraten die Wahl 2020 „gestohlen“ hätten, die er gegen den Demokraten Joe Biden verloren hat. Seine Anhänger stürmten am 6. Januar 2021 das Kapitol, um das Ergebnis gewaltsam zu kippen – ein schwarzer Tag für die Demokratie.Dass Trump nun China als weiteren Drahtzieher beschuldigt, ist bemerkenswert. Denn von diesen Vorwürfen war im Mai keine Rede, als er Präsident Xi Jinping in Peking besucht hat. Stattdessen haben beide Staatschefs ein schmusiges Treffen voller Schmeicheleien inszeniert.Xi wird jetzt eigentlich zum Gegenbesuch erwartet. Bereits nächste Woche sollte sein Vizeaußenminister Ma Zhaoxu in die USA reisen, um das Treffen rund um den 24. September vorzubereiten.Sollte es nach den Manipulationsvorwürfen zu einer Verschlechterung der Beziehungen zwischen den USA und China kommen, könnte das auch für Deutschland heftige wirtschaftliche Folgen haben, etwa, wenn es um neue Exportkontrollen bei kritischen Rohstoffen und Hightech-Komponenten geht.Japan So federt Japan Chinas Exportstopp bei Seltenen Erden ab Japans neue Regierung erlebt, was Europa fürchtet: eine chinesische Machtdemonstration bei Seltenen Erden. Das Land zeigt aber auch, wie man weniger erpressbar wird. von Martin FritzDokumente belegen den Vorwurf nichtChinas Botschaft in Washington wies die Vorwürfe am Donnerstag noch vor Trumps Auftritt scharf zurück. Trump veröffentlichte nach der Rede auf der Website des Weißen Hauses zwar Dokumente, die seine Version belegen sollen – doch das Gegenteil ist der Fall.In den beiden Dokumenten geht es zwar um Chinas mögliche Bemühungen, die öffentliche Meinung zu beeinflussen. Doch mehrere Faktenchecks, beispielsweise vom kanadischen Sender CBC, verweisen auf die entscheidende Schlussfolgerung: China hat demnach 2020 „keine Einflussmaßnahmen ergriffen, die darauf abzielten, den Ausgang der US-Präsidentschaftswahl zu verändern“.Stattdessen belegen die Dokumente einen anderen Eingriff.Russland hat demnach mit einer „Reihe von Maßnahmen“ Trumps Kandidatur unterstützt, etwa durch Behauptungen, dass sein Konkurrent Biden im Zusammenhang mit der Ukraine in kriminelle Aktivitäten verwickelt gewesen sei.China und Russland Wie der Westen Putin zum Verlierer machen kann Das Bündnis zwischen Russland und China ist instabiler als viele glauben. Das sollte der Westen strategisch ausnutzen. Ein Gastbeitrag. von Maximilian TerhalleDiese Einmischung – oder überhaupt den Namen Russland – erwähnte Trump am Donnerstag jedoch mit keinem einzigen Wort.Wenn die Vorwürfe gegen China nun aber so schwer wiegen, müssten daraus eigentlich Konsequenzen folgen. Trump kündigte aber keine Maßnahmen gegen die Volksrepublik an. Ob der US-China-Gipfel Ende September nun genauso kuschelig wird wie im Mai, dürfte sich bald im Rahmen der weiteren Vorbereitungen zeigen. Am 10. November 2026 läuft das gegenseitige Zollmoratorium aus. Wirtschaftlich wird beiden Ländern an einer weiteren Deeskalation gelegen sein.Trump könnte sich selbst am meisten schadenDoch Trump ging es in seiner Rede freilich auch nicht darum, China zur Rechenschaft zu ziehen. Sondern nur um eine weitere Rechtfertigung für seine Niederlage 2020 – und darum, die nächste vorzubereiten.Dem US-Präsidenten und seinen Republikanern droht bei den Zwischenwahlen am 3. November ein Debakel. Schuld daran wäre aber wieder nicht etwa er selbst, sondern im Zweifel nur die nächste Manipulation.Diese Erzählung kann heikle Folgen haben.Denn wer jahrelang erzählt, dass Wahlen angeblich manipuliert sind und das System grundsätzlich nicht vertrauenswürdig ist, untergräbt auf gefährliche Art und Weise das Vertrauen in die Demokratie.Doch Trump riskiert mit seiner Erzählung auch einen Bumerang-Effekt, der ihn selbst heftig treffen kann: wenn gerade seine eigenen Anhänger gar nicht zur Urne gehen, weil sie nur die nächste Manipulation fürchten.Trump dürfte mit seinen Vorwürfen deshalb am Ende nicht China schaden, sondern sich selbst.