Zweiter Deepseek-Moment: Chinesisches Startup veröffentlicht KI-Modell, das die besten amerikanischen Anbieter überholt – und wesentlich weniger kostetDas Pekinger Unternehmen Moonshot AI veröffentlicht mit Kimi K3 ein neues Spitzenmodell. Kommt jetzt das Ende der amerikanischen Dominanz im KI-Wettrennen?17.07.2026, 16.54 Uhr3 LeseminutenBesucher am Stand von Moonshot AI an der World Artificial Intelligence Konferenz Schanghai, China, 17. Juli 2026.Go Nakamura / ReutersErneut löst ein chinesisches KI-Modell im Silicon Valley Nervosität aus. Kimi K3 heisst es, herausgegeben vom Pekinger Startup Moonshot AI. Kimi K3 schnitt in manchen Tests der LM-Arena besser ab als die gegenwärtigen Spitzenmodelle von Anthropic und Open AI.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Die LM-Arena ist eine Art Wettkampfring für KI-Chatbots. Hier messen sich die besten KI-Modelle der Welt in einem blinden Test: Hunderte Nutzer stellen auf der Webseite der Arena ihre Anfragen. Die Arena wählt zur Beantwortung zwei Chatbots aus und gibt deren Resultate an die Nutzer weiter. Jeder einzelne Nutzer entscheidet dann, welche Antwort ihm besser gefällt. So entsteht eine Rangordnung der Modelle.Kimi K3 hängt die amerikanische Konkurrenz in dieser Rangordnung nun insbesondere bei Aufträgen der Webseitenprogrammierung ab. Aber auch in der allgemeinen Texterstellung schlägt sich Kimi K3 gut: Das Modell übertrifft sämtliche Modelle von Open AI. Moonshot platziert sich damit in diesem Ranking hinter Anthropic, Meta und Google auf dem vierten Rang.Besonders interessant sind aber die Kosten: Kimi K3 kostet etwa die Hälfte von Chat-GPT und nochmals deutlich weniger als Anthropics Spitzenprodukt Claude Fable 5.Vorsprung von amerikanischen Entwicklern geschmolzenDamit erlebt das Silicon Valley gerade einen zweiten Deepseek-Schock. Als Anfang 2025 ein damals unbekanntes chinesisches Forschungslabor Deepseek R1 publizierte, brach die amerikanische Börse um 1000 Milliarden Dollar ein. Auch mit der Veröffentlichung von Kimi K3 beginnen die Börsenkurse nun zu rutschen.Bisher glaubte man im Westen, chinesische Entwickler hinkten der amerikanischen Konkurrenz sechs bis zwölf Monate hinterher. Noch im April ging das KI-Testzentrum der US-Regierung davon aus, dass das neuste Modell von Deepseek etwa acht Monate Rückstand auf die amerikanischen Spitzenreiter habe.Mit dem Erscheinen von Kimi K3 scheint der Vorsprung von amerikanischen Entwicklern nun aber schneller in sich zusammengefallen zu sein als erwartet. Auf dem Wirtschaftsportal «Axios» spricht ein amerikanischer KI-Analyst von «Alarmstufe Rot». Die gesamten Spielregeln hätten sich geändert.Modell wird in wenigen Tagen für alle erreichbarIm Gegensatz zu den amerikanischen Branchenführern, die ihre Modelle geheim halten und den Nutzern nur ein Interface in Form einer Chat-Webseite zur Verfügung stellen, verfolgt Moonshot AI eine Open-Weight-Strategie. Das Startup hat bereits angekündigt, die Software hinter Kimi K3 am 27. Juli zu publizieren.Dies ermöglicht es Unternehmen und Regierungen weltweit, Kimi K3 auf ihren eigenen Rechnern zu betreiben und an ihre Bedürfnisse anzupassen. Bei manchen Anwendungen hat dies den Vorteil, dass die Nutzer ihre Daten mit keinem anderen Unternehmen teilen müssen, sondern auf ihren eigenen Servern halten können.Ob es tatsächlich dazu kommen wird, ist allerdings unklar. Die chinesische Regierung hat vor wenigen Tagen bekanntgegeben, den Zugang zu chinesischen KI-Modellen im Ausland einschränken zu wollen. Konkrete Richtlinien sind noch keine bekannt.Sollte Kimi K3 exportiert werden dürfen, droht seine Kombination aus Leistungsfähigkeit, Anpassbarkeit und Kosteneffizienz den Markt mit KI-Modellen umzuwälzen. Dafür muss Kimi K3 nicht zwingend in jeder Hinsicht das beste Modell der Welt sein. Es dürfte auch so für viele Nutzer attraktiv sein. Damit stellt Moonshot AI nun die hohen Bewertungen von Firmen wie Open AI oder Nvidia infrage.Neue Modelle aus den USA erwartetDie amerikanischen KI-Firmen sind allerdings nicht machtlos. Open AI und Anthropic arbeiten bereits an neuen «frontier models», wie Spitzenmodelle in der Branche genannt werden. Allenfalls könnten künftige Modelle wie GPT-6 oder Claude Opus 5 den technologischen Abstand zu chinesischen Modellen wieder vergrössern. Das Wettrennen bleibt also weiterhin bestehen.Ausserdem basiert der chinesische Aufstieg womöglich zum Teil auf amerikanischer Technologie. So wirft Anthropic Moonshot AI und anderen chinesischen Firmen eine systematische «Destillation» vor. Damit ist die Simulierung von Millionen von Interaktionen mit amerikanischen KI-Modellen gemeint, um damit chinesische Modelle schneller und günstiger trainieren zu können.So oder so: Ob Kimi K3 die Marktdynamik dauerhaft verändert, wird sich erst nach der Veröffentlichung des Quellcodes und nach den ersten Praxistests zeigen. Die Dominanz des Silicon Valley steht damit zwar unter Druck, ist angesichts der erwarteten amerikanischen Modelle aber noch nicht gebrochen.Passend zum Artikel