Der Haupteingang an der Stephensonstraße kann gerade nicht genutzt werden. Ein großes Gerüst steht vor der Fassade, und rund um die ehemalige Hauptverwaltung der Deutschen Bahn wird gegraben. Das 1993 fertiggestellte Gebäude im Frankfurter Gallusviertel ist komplett entkernt, Dach und Keller wurden gedämmt, sämtliche Fensterscheiben ausgetauscht.Man kann aber auch den Hintereingang nehmen und steht dann unvermittelt in dem großen Atrium, das die sechs Flügel des riesigen Gebäudes miteinander verbindet. Die Halle erinnert ein wenig an eine Kirche, was nicht verwundert, stammt doch der Architekt Stephan Böhm, der das Hochhaus entworfen hat, aus einer Dynastie von Kirchenbaumeistern. Längst steht der Komplex, der ursprünglich doppelt so groß werden sollte, als „herausragendes Beispiel für ein Verwaltungsgebäude“ unter Denkmalschutz.Eine Konzernzentrale wird nach Abschluss der Sanierung dort nicht mehr untergebracht. Das Hamburger Unternehmen Quest, das die Immobilie im Auftrag einer Fondsgesellschaft unter dem Projektnamen Raw neu entwickelt, will die Flächen an verschiedene Nutzer vermieten. Gastronomie und Einzelhandel sollen in die Erdgeschosse kommen, die oberen Etagen können flexibel genutzt werden. Bisher sind aber nur 6000 der rund 53.000 Quadratmeter Fläche an die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte vermietet.Sanierung läuft: An dem im Stil des Brutalismus errichteten Gebäude wird intensiv gearbeitet, doch bisher ist nur ein Teil der Fläche vermietet.Michael HinzEs ist also noch viel Platz in dem Gebäude, dessen mittlerer Turm 67 Meter hoch ist. Seit mehreren Jahren verfolgt Bildungsdezernentin Sylvia Weber (SPD) den Plan, größere Flächen für die Berta-Jourdan-Berufsschule, an der unter anderem Erzieherinnen ausgebildet werden, und weitere Einrichtungen anzumieten. Der Vermieter hat seit 2022 detaillierte Pläne ausgearbeitet, 2024 war der Mietvertrag unterschriftsreif. „Wir haben schon einen Bauantrag erstellt“, sagte Simon Speidel von Quest.475 Millionen Euro in 30 JahrenDoch innerhalb der Stadtverwaltung gab es Bedenken, Kämmerei und Revisionsamt halten die Anmietung für nicht wirtschaftlich. Die Mietbelastung würde sich über 30 Jahre auf 475 Millionen Euro summieren. Vor diesem Hintergrund stand das Vorhaben Anfang dieses Jahres politisch vor dem Aus: Grüne und Volt, Koalitionspartner der SPD, legten ihr Veto ein. Sie wollen die Berufsschule im früheren Postbank-Gebäude in der Nähe des Hauptfriedhofs unterbringen.Weber hält von diesem Vorschlag nichts. „Das würde viel zu lange dauern“, sagte sie bei einem von der SPD-Fraktion organisierten Rundgang durch die frühere Bahn-Zentrale. Während die Postbank erst aufwendig umgebaut werden müsste, könnten die Räume im Gallus wegen der weit fortgeschrittenen Planung schon 2028 bezogen werden. Der Vorteil gegenüber einem Neubau sei, dass die Stadt nicht selbst investieren müsse und die Kosten auf viele Jahre verteilt würden.Komplett entkernt: Wegen der außen liegenden Stützen lassen sich die Räume in der ehemaligen Bahn-Zentrale sehr flexibel nutzen.Michael Hinz„Es ist ein tolles Gebäude, das sich gut für eine Schule eignet“, sagte Weber über die frühere Bahn-Zentrale. „Wenn ein so bedeutendes Denkmal öffentlich genutzt wird, ist es anders als bei einer reinen Büronutzung für die Öffentlichkeit auch zugänglich.“ Es sollten auch Räume für Vereine aus den benachbarten Stadtteilen geschaffen werden.Wohnungen aus Brandschutzgründen nicht möglichGegenüber früheren Plänen will Weber jetzt weniger Fläche anmieten. Denn die Abendhaupt- und -realschule, die ebenfalls im Gallus unterkommen sollte, bleibt im Ostend. Auch für das Mitmachmuseum Experiminta, das zuletzt für die Bahn-Zentrale im Gespräch war, gebe es mittlerweile eine andere Lösung. Auf jeden Fall benötigt werde eine Kita, in der Erzieherinnen nicht nur ausgebildet werden, sondern in der sie auch eigenen Nachwuchs betreuen lassen können. Pläne, in dem Gebäude auch Wohnungen für Auszubildende einzurichten, ließen sich aus Brandschutzgründen nicht realisieren, so Weber.Den Fraktionen will sie jetzt in einer Vergleichsrechnung darlegen, warum die von ihr favorisierte Lösung für die Stadt am günstigsten ist. Ihre Hoffnung ist, dass sich die Grünen überzeugen lassen. Bei der CDU ist ihr das schon gelungen. Der stärkste Koalitionspartner hat trotz Bedenken seine Zustimmung bereits in Aussicht gestellt. Die SPD unterstützt die Pläne, die Kapazitäten der Berta-Jourdan-Schule zu erweitern, ohnehin von Anfang an.„Wir müssen jetzt zu einer Entscheidung kommen“, sagte Weber. „Wir haben nicht ewig Zeit.“ Im Koalitionsvertrag von CDU, Grünen und SPD ist allerdings nicht von einer Anmietung, sondern einem „Ankauf der Liegenschaft in der Stephensonstraße“ die Rede. „Dagegen hätte ich nichts“, sagte Weber. „Dazu müssten mir die Stadtverordneten aber 600 Millionen Euro geben.“
Frankfurt: Schule soll in frühere Bahnzentrale ziehen
Trotz politischen Gegenwinds will Bildungsdezernentin Sylvia Weber (SPD) die ehemalige Konzernzentrale der DB im Gallus für eine Berufsschule mieten. Das sei wirtschaftlicher als andere Lösungen.






