In Nörvenich wurde kein deutsch-französisches Manhattan-Projekt aus der Taufe gehoben. Putin muss sich den Namen des Fliegerhorsts nicht merken. Man braucht schon einen ausgeprägten Sinn für symbolische Handlungen, um in der Betankung deutscher Eurofighter und französischer Rafale-Kampfflugzeuge durch ein Flugzeug der „Armée de l’Air et de l’Espace“ überhaupt den Beginn einer Zusammenarbeit zur nuklearen Abschreckung zu erkennen.Immerhin bekunden beide Seiten damit ihre Bereitschaft, die Möglichkeiten einer Kooperation in der atomaren Verteidigung auch in der Praxis auszuloten. Das war überfällig. Berlin hat so lange gezögert, auf die Offerte eines gemeinsamen Atomschildes von Präsident Macron einzugehen, bis Trumps notorische Unzuverlässigkeit keine andere Wahl mehr ließ.Aber Symbolpolitik schreckt noch nicht ab. Und nukleare Kooperation ist nicht ganz das richtige Wort: Die Atomwaffen haben die Franzosen, die Deutschen haben keine. Die deutsche Seite wird nicht mitentscheiden, wann Atomwaffen eingesetzt werden.Immense KostenMit völlig leeren Händen steht sie gleichwohl nicht da. Eine finanzielle Beteiligung an den immensen Kosten wäre für die klamme französische Seite von Vorteil. Der Ehrlichkeit halber sollte die Bundesregierung den anderen Preis nicht verschweigen. Von Nörvenich führt der Weg nach Neckarwestheim, zum stillgelegten Atomkraftwerk. Eine Kooperation mit einer Bundesrepublik, die sich von der zivilen Nutzung der Kernenergie verabschiedet hat, kann schon deshalb keine auf Augenhöhe sein, weil die Deutschen kein Know-how anbieten können.Zunächst entscheiden jedoch die französischen Wähler über die Zukunft der nuklearen Kooperation. Marine Le Pen ließ bisher wenig Sympathien für Deutschland erkennen. Sollte sie die Präsidentenwahl im kommenden Jahr gewinnen, könnte es sein, dass die gemeinsame nukleare Abschreckung in Nörvenich endet.