Der Gaspreis in Deutschland wird künftig nicht mehr von Russland bestimmt – und trotz der großen Liefermengen auch nicht von Norwegen. Den entscheidenden Maßstab setzt nach Einschätzung von Uniper-Chef Michael Lewis vielmehr die Schiefergasproduktion in den USA. Damit hängt das langfristige Preisniveau auf dem deutschen Gasmarkt ausgerechnet an jenem Erdgas, das in den Vereinigten Staaten vor allem mithilfe von Fracking aus dichtem Gestein gelöst wird.

„Bestimmt wird der Gaspreis künftig durch die Grenzkosten der US-amerikanischen Schiefergas-Produktion“, sagte Lewis in einem am Freitag veröffentlichten Interview mit der Welt. Der gebürtige Brite führt heute Deutschlands größten Gasimporteur und verantwortet die weltweite Gasbeschaffung des verstaatlichten Konzerns. Zugleich rechnet er damit, dass Gas langfristig deutlich teurer bleibt als vor dem russischen Angriff auf die Ukraine.

Vor der Energiekrise kam ein großer Teil des deutschen Erdgases vergleichsweise günstig durch die Pipelines aus Russland, hauptsächlich über Nord Stream. Heute bezieht Deutschland vor allem Pipelinegas aus Norwegen und Flüssigerdgas über deutsche sowie benachbarte europäische LNG-Terminals.

Doch ausgerechnet das mengenmäßig kleinere LNG-Angebot kann darüber entscheiden, wie hoch der Preis auf dem gesamten Markt ausfällt. Warum ist das so und was bedeutet das für Deutschland?