Der russische Oppositionspolitiker Boris Nadjeschdin ist am Freitag wegen des Vorzeigens von „extremistischer Symbolik“ zu einer Geldstrafe von Tausend Rubeln (etwa elf Euro) verurteilt worden. Vorwand für die Anklage ist ein Link zum Livestream einer Oppositionsaktivistin, den Nadjeschdin im November 2023 in seinem Telegramkanal gepostet hatte. In diesem Livestream war laut Berichten russischer Exilmedien für etwa zehn Sekunden das Gesicht des im Februar 2024 in einem russischen Straflager ermordeten Regimegegners Alexej Nawalnyj zu sehen. „Das tatsächliche Ziel dessen, was hier geschieht, ist mir den Mund zu verschließen und mich nicht zur Dumawahl kandidieren zu lassen“, sagte Nadjeschdin. Er wollte als unabhängiger Kandidat in einem Wahlkreis im Moskauer Umland zur Parlamentswahl Mitte September antreten.Nadjeschdin war bekannt geworden, als er versuchte, mit der Forderung nach einem Ende des Kriegs gegen die Ukraine bei der Präsidentenwahl im März 2024 zu kandidieren. Die Sammlung der dafür nötigen Unterschriften war eine der letzten öffentlich sichtbaren Kundgebungen von Protest gegen die Politik der russischen Führung. Zahlreiche Menschen waren damals bei Frost und Schneetreiben stundenlang angestanden, um Nadjeschdins Kandidatur mit ihrer Unterschrift zu unterstützen. Obwohl er weit mehr als das Doppelte der erforderlichen 105.000 Unterstützer hatte, wurde er von der Wahlkommission nicht zugelassen. Sie gab an, zu viele der vorgelegten Unterschriften seien fehlerhaft gewesen.Festnahme und AusreiseverbotWährend der Gerichtsverhandlung litt der an Diabetes erkrankte Nadjeschdin unter stark erhöhtem Blutdruck. Der von seiner Anwältin deshalb gerufene Notarzt wurde vom Richter zunächst nicht in den Sitzungssaal gelassen, zugleich wurde Nadjeschdin verboten, den Saal zu verlassen. Er konnte erst behandelt werden, als das Urteil verkündet war. „Das ist eine Verhöhnung des Menschen, des Rechts, des Staats und der Jusitz“, sagte seine Anwältin laut dem Exilmedium „Mediazona“.