Herr Leisse, was sind Quantencomputer?Quantencomputer sind Rechenmaschinen, so wie klassische Computer. Nur nutzen sie nicht klassische Informatik, sondern Quantenmechanik. Sie basieren auf anderen Gesetzen. Das lässt sich gut veranschaulichen, wenn man sich ein großes Labyrinth auf einem Tisch vorstellt. Klassische Computer würden jeden Weg darin einzeln einmal gehen, um den Ausgang zu finden. Quantencomputer rechnen so, als ob man einen Eimer Wasser in dieses Labyrinth kippt und das zeitgleich überall hinläuft.Haben Sie ein Beispiel, was man damit machen kann?Computer sind überraschend schlecht darin, Allerweltsprobleme zu lösen. Ich war früher bei einem Unternehmen, das Schaumstoff-Schneidemaschinen baut. Bei so einem Schäumvorgang ist ganz viel Gefühl dabei. Der Schäummeister hat ein Gefühl für die Schäummaschine, für unterschiedliche Drücke, Temperaturen, Chemikalien. Der optimiert quasi nach Bauchgefühl diese Maschine. Warum tut er das? Weil man die chemischen Prozesse, die beim Schäumen stattfinden, mit einem klassischen Computer nur sehr schlecht simulieren kann. Solche Beispiele gibt es zuhauf: die Ampelsteuerung in Städten etwa, oder die Entwicklung von Medikamenten. Die echte Welt ist zu komplex für den klassischen Computer.Wie wird daraus ein Geschäftsmodell?Da wird es nicht darum gehen, Prozesse hier mal zwei, da mal drei Prozent zu optimieren. Man hat einen ganz anderen Lösungsweg. Denken Sie an die Düngemittelproduktion. Schon kleine Effizienzgewinne in solchen energieintensiven industriellen Prozessen hätten enorme wirtschaftliche und ökologische Auswirkungen. Oder die Medikamentenentwicklung: Die dauert heute bisweilen mehr als zehn Jahre, von der Grundlagenforschung über Tierversuche bis hin zum fertigen Produkt. Wenn wir Moleküle und Wirkstoffe deutlich besser simulieren könnten, ließen sich bestimmte Schritte in Forschung und Entwicklung massiv beschleunigen. Das würde die Entwicklung von Medikamenten grundlegend verändern.
Quantencomputer: Wie Jan Leisse den Mittelstand überzeugt
Quantencomputer sollen ganze Industrien revolutionieren. Deutsche Start-ups haben ein Wort mitzureden. Gründer Jan Leisse erklärt, wie er den Mittelstand von der Technik überzeugen will und wie ihm dabei ausgerechnet Lidl hilft.






