Selten kommt es vor, dass in diesem Land eine Bahnstrecke, die einmal verschwunden ist, wiederbelebt wird. In den meisten Fällen verschwindet sie still und leise, wird eingestellt und ist für immer vergessen. Die Schienen rosten vor sich hin, Brombeerhecken übernehmen die Regie und fressen sich durchs Gleisbett, bis die alte Strecke komplett verschluckt ist. Irgendwann wissen nur noch Eingeweihte, dass hier früher Züge fuhren.

Es geht aber auch anders, Greifswald und das Seebad Lubmin sind der Beweis. In diesem Sommer verbindet sie wieder eine direkte Bahnverbindung: die Sommerlinie RB29. Manchmal siegt eben doch der Pragmatismus über den lähmenden Stillstand.

Gleis 3, Abfahrt 10:53 Uhr: Einsteigen zur Zeitreise

Die Sonne steht schon hoch über dem Greifswalder Hauptbahnhof, der Himmel ist wolkenlos, die Luft flimmert über dem Bahnsteig, das Thermometer kratzt an der Dreißig-Grad-Marke. Auf Gleis 3 schiebt sich eine Traube von Menschen zusammen. Es riecht nach warmem Metall, nach Schotter, nach Sonnencreme. Und nach einer kleinen Sensation. Denn was hier an diesem Samstagmorgen abfährt, ist mehr als nur ein Zug: Es ist eine Wiederannäherung nach 27 Jahren. Eine Bahnverbindung, die lange nur noch in Erinnerungen existierte, rollt plötzlich wieder los.