Mitten in ... BerlinRote Ampeln sind in der Regel nichts, was Deutsche schnell aus der Ruhe bringt. Diese eine Ampel am Berliner Hauptbahnhof aber testet die Geduld einer wachsenden Gruppe an Wartenden. Das Gerät weigert sich energisch, grün zu werden, trotz mehrfacher Aufforderung. In solchen Momenten schweift der Blick durch die brave Menge, auf der Suche nach einem oder einer Mutigen, die den entscheidenden Schritt wagt. Zeit für Helden. Tatsächlich tritt ein junger Mann auf die Straße: verbissener Blick, vorgeschobener Unterkiefer, als stiege er in einen Boxring. Die Autos bringt er entsprechend offensiv zum Halten, indem er ihnen nicht einen, sondern beide erhobenen Mittelfinger entgegenstreckt. Das führt zum Erfolg, trotzdem bleiben Zweifel zurück: Es folgt niemand seinem Beispiel. Helden kommen und gehen, man kann ja auch auf den nächsten warten. Joshua Beer Illustration: Marc HeroldMitten in ... RomEs ist heiß in Rom, sehr heiß, saumäßig nervtötend heiß. Aber alle machen weiter mit ihrem Alltag, was auch sonst. An diesem Nachmittag also Kindergartenabholzeit, Eltern und Erzieherin reden darüber, dass womöglich ein Gewitter aufzieht, aber wer weiß, gestern kam der angekündigte Regen auch nicht. Man schwingt sich aufs Rad, da geht es los. Von oben fällt etwas herunter, Blätter, Zweige? Nein, Hagel. Walnussgroß. Der andere Vater hat schneller begriffen, lässt das Rad stehen, zeigt auf die gemauerte Nische am Straßenrand. Eine Kirche, kommt wie gerufen. Man quetscht sich also als Grüppchen unter das Vordach und ist froh, einen Helm zu tragen. Irgendwann lugt die Schicksalsgemeinschaft raus auf die geparkten Autos. Das Wort „Hagelschaden“ rutscht einem raus. Worauf die Italiener nur antworten: „Vabbeh!“ Soll heißen: Na ja. Als ob das wichtig wäre. Elisa Britzelmeier Illustration: Marc HeroldMitten in ... BreslauEine Stadtführung. Keine Schulferien, entsprechend viele kinderlose Paare und Rentner trotten durch Breslau. Der Guide referiert darüber, dass die Stadt das Venedig des Ostens sei, darüber, dass hier das älteste Bierhaus Europas stehe und so weiter und so fort. Aber schnell beschäftigt die Gruppe vor allem eines: Wer findet den nächsten Zwerg? Die kleinen gusseisernen Männchen bevölkern zu Hunderten die Stadt. Der Guide erklärt, dass der Zwerg, in den Achtzigerjahren noch das Symbol der antikommunistischen Bewegung in Breslau, heute vor allem Kunstwerk ist. Und sie sind auch einfach lustig anzusehen! Einer spielt Flöte im Botanischen Garten, ein anderer isst Pasta vor einem Restaurant, noch einer klammert sich an das Gitterfenster eines alten Gefängnisses. Aber Achtung, es gibt auch welche, die einen zwergenleicht zum Stolpern bringen! Pauline ClaßenWeitere Folgen der Kolumne „Mitten in …“ finden Sie hier.