1. Spahns Doppelmoral

Unionsfraktionschef Jens Spahn und Ehemann Daniel Funke

Herzlichen Glückwunsch an Jens Spahn: Er und sein Mann Daniel Funke sind Väter geworden! Georg heißt der Sohn. Auf die Welt gebracht hat ihn eine amerikanische Leihmutter. Was die freudige Familienangelegenheit zu einem moralisch fragwürdigen Politikum macht.

Eizellspende und Leihmutterschaft sind in Deutschland durch das Embryonenschutzgesetz verboten. Die CDU, deren Fraktionsvorsitzender Spahn im Bundestag ist, will daran auch in Zukunft festhalten. Als Bundesgesundheitsminister wies er im Jahr 2020 die Forderung der FDP nach einer teilweisen Legalisierung der Leihmutterschaft zurück. Doch »während Spahn sich einer Regelung in Deutschland verweigert, nutzt er zugleich ein rechtliches Schlupfloch«, berichtet meine Kollegin Milena Hassenkamp aus unserem Hauptstadtbüro. Denn anders als in Italien sind Leihmutterschaften im Ausland in Deutschland nicht verboten.

»Wer kinderlos ist und es sich leisten kann«, könne den Weg über eine Leihmutterschaft-Vermittlungsagentur im Ausland gehen, so Milena. Kosten: zwischen 40.000 und 200.000 Euro. Die im Ausland geborenen Kinder würden in vielen Fällen von Gerichten den deutschen Eltern zuerkannt, wenn ein Elternteil genetisch beteiligt ist. Besonders der US-Bundesstaat Kalifornien und die Ukraine sind offenbar groß im Geschäft. So bleibt, bei allem Verständnis für den Kinderwunsch zweier Menschen, etwas Bitteres. Mein Kollege Timo Lehmann findet gar: »Die Art, wie Jens Spahn Vater wurde, ist verwerflich.« (Hier sein Kommentar .)