Die EU-Kommission und die Ukraine haben eine Industriepartnerschaft für die Verteidigung der Ukraine auf den Weg gebracht. Im Zentrum soll zunächst die gemeinsame Produktion von Drohnen und Drohnenabwehrsystemen stehen, bis 2028 wollen beide Seiten eine gemeinsame Produktion ballistischer Flugkörper für die Luftverteidigung aufbauen.Die Kommission wird diese Zusammenarbeit mit hohen Milliardenbeträgen aus dem Darlehen zur Unterstützung der Ukraine finanzieren, das insgesamt 90 Milliarden Euro in diesem und im nächsten Jahr vorsieht. Eine entsprechende Absichtserklärung unterzeichneten Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und Präsident Wolodymyr Selenskyj am Mittwoch in Kiew.Die Kommission gab anlässlich des Treffens eine weitere Milliarde Euro aus dem Darlehen für die Beschaffung von Drohnen frei. Ende Juni hatte sie schon 3,9 Milliarden Euro dafür zur Verfügung gestellt. In der Absichtserklärung wird ausdrücklich auf die Schwäche der europäischen Verteidigungsindustrie in diesem Bereich verwiesen. Während sie weniger als eine Million Drohnen jährlich herstellen könne, liege die ukrainische Kapazität in diesem Jahr allein bei neun Millionen Stück, die zudem ihre Wirksamkeit im Abwehrkampf gegen Russland erwiesen hätten.Viele Komponenten kommen aus ChinaGestützt darauf hat die EU-Kommission eine Ausnahme für die Verwendung dieser Mittel aus dem Darlehen ermöglicht. So darf der Wertschöpfungsanteil von Drohnen, die außerhalb der Ukraine und der EU hergestellt werden, die Marke von 35 Prozent des Gesamtwerts übersteigen. Das ist nötig, weil die meisten Bauteile ukrainischer Drohnen aus China stammen. Das betrifft Motoren, Steuereinheiten, Kameras, Funkmodule und Batterien. Faktisch ist dieser Teil der Zusammenarbeit also auch ein Investitionsprogramm für chinesische Hersteller.Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj und EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen besiegeln ihre Rüstungspartnerschaft am 15. Juli 2026 in Kiew.ReutersEigentlich sollte die „Buy-European-Regel“ die heimische Produktion fördern. Dies wird nun erst in einem zweiten Schritt erfolgen. So sollen sich im September erstmals 18 Drohnenhersteller aus der EU und der Ukraine in Brüssel treffen, um eine engere Zusammenarbeit zu vereinbaren, insbesondere in Form von Gemeinschaftsunternehmen. „Wir werden nicht nur gemeinsam Drohnen und Steuerungssysteme der nächsten Generation entwickeln, sondern diese auch schneller als je zuvor produzieren, damit die Ukraine über das verfügt, was sie benötigt“, sagte von der Leyen in Kiew.Die Präsidentin gab bekannt, dass die EU-Kommission den nächsten Auszahlungsplan mit der Ukraine für weitere zehn Milliarden Euro abgestimmt habe. Dieses Geld solle neben Drohnen auch für Marschflugkörper und Kampfflugzeuge verwendet werden. Kiew kann diese Mittel etwa verwenden, um französische Rafale- und schwedische Gripen-Kampfflugzeuge zu kaufen. Der französische Präsident Emmanuel Macron hatte Selenskyj Anfang der Woche auch eine Lizenzfertigung des Marschflugkörpers SCALP/Storm Shadow zugesagt sowie von Gleitbomben und Aster-30-Flugkörpern für das Raketenabwehrsystem SAMP/T.Im Rahmen der Industriepartnerschaft soll gemäß der Absichtserklärung der Schwerpunkt auf „kostengünstigeren Systemen“ liegen. Die EU-Kommission will so auch ihr Vorzeigeprojekt einer europäischen Raketenabwehr voranbringen. Neben dem Geld aus dem Ukraine-Darlehen, das zu zwei Dritteln für Militärhilfe verwendet wird, stellt sie auch eine Förderung aus dem SAFE-Programm in Aussicht, das 150 Milliarden Euro an Krediten für EU-Staaten vorsieht. Die verbliebenen zehn Milliarden Euro sollen vorzugsweise in Kooperationen mit der Ukraine fließen.