Je größer die Krise, desto größer die Hoffnung auf die eine Person, die alles richten soll. Im Fußball ist es der Bundestrainer, in Unternehmen der neue CEO. Eine prominente Führungspersönlichkeit soll Aufbruch verkörpern, Vertrauen zurückgewinnen und schnell Ergebnisse liefern.
Die Debatte um Jürgen Klopp als möglichen neuen Bundestrainer zeigt dieses Muster deutlich. Dabei geht es nicht vordergründig um seine sportliche Eignung, sondern um die Managementfrage dahinter: Welches Problem soll er lösen und welche Voraussetzungen muss der DFB schaffen, damit dieses Mandat überhaupt führbar ist? Denn ein Hoffnungsträger ist noch kein Krisenmanager. Jedenfalls nicht ohne einen klaren Auftrag.
Bei Spitzenbesetzungen in herausfordernden Situationen sprechen Organisationen oft zu früh über Namen. Eine bekannte Persönlichkeit verspricht Orientierung, Glaubwürdigkeit und Neuanfang. Doch die Suche nach dem „Retter“ kann zur Ersatzhandlung werden, wenn ungeklärt bleibt, was im System nicht funktioniert.
Vor der Personalauswahl muss deshalb die Aufgabe klar sein: Geht es um Stabilisierung, Transformation oder Reputation? Soll ein Bundestrainer nur die Mannschaft führen – oder zugleich Talente entwickeln, Strukturen erneuern und den Verband modernisieren? Je mehr Aufgaben in einer Rolle gebündelt werden, desto größer das Risiko der Überforderung. Deshalb muss klar sein, welche Probleme die Führungskraft lösen kann – und welche nur die Organisation selbst.












