Die Flüchtlinge, überwiegend Angehörige der muslimischen Minderheit Rohingya, könnten laut der Uno im Golf von Bengalen ertrunken sein. Es ist eine der maritimen Fluchtrouten mit den meisten Todesopfern der Welt.16.07.2026, 13.43 Uhr3 LeseminutenRohingya fliehen im Jahr 2017 aus ihrer Heimat.Abir Abdullah / EPAIn den vergangenen Tagen sollen vor der Küste Myanmars über 500 Personen ertrunken sein, meldet die Uno. Zwei Boote mit jeweils über 250 Flüchtlingen an Bord sind Ende Juni in der Region um die Grenze zwischen Myanmar und Bangladesh in See gestochen. Eines der Boote dürfte am 8. Juli gesunken sein, zum anderen ist jeder Kontakt abgebrochen. Die Passagiere waren mehrheitlich Angehörige der ethnischen Minderheit Rohingya.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Laut dem Flüchtlingshilfswerk der Uno und der Internationalen Organisation für Migration sind weder der genaue Unfallhergang noch die Zahl der Toten bestätigt. In einer gemeinsamen Mitteilung fürchten die Uno-Agenturen aber einen «potenziell verheerenden Verlust von Leben».Im grössten Flüchtlingslager der WeltDie Rohingya sind Muslime im sonst vorwiegend buddhistischen Myanmar. Sie leben im westlichen Gliedstaat Rakhine. Immer wieder flüchten sie vor Verfolgung ins angrenzende Bangladesh. Allein 2017 verliessen über 700 000 ihre Heimat, weil die myanmarische Armee gegen sie vorging. Über eine Million Rohingya leben heute im Süden Bangladeshs. Im früheren Badeort Cox's Bazar ist das grösste Flüchtlingslager der Welt entstanden.Eine Luftaufnahme von Cox's Bazar, dem grössten Flüchtlingslager der Welt.ReutersDie Situation in Bangladesh ist allerdings seit Jahren aussichtslos: Bangladesh kann die grosse Zahl der Flüchtlinge nicht integrieren, und die Rohingya dürfen das Flüchtlingslager nur unter Auflagen verlassen. Die Lebensumstände im Lager sind seit den Kürzungen von Hilfsgeldern aus dem Westen noch prekärer geworden. Die Kriminalität ist hoch, die Frustration ebenfalls. Kinder geniessen nur eine rudimentäre Schulbildung. Und die Aussicht auf Rückkehr in die Heimat ist gering – Myanmar anerkennt die Rohingya nicht als Staatsbürger. In der Regenzeit kommt es im Lager zudem immer wieder zu Erdrutschen und Überschwemmungen.Die Organisation Rohingya Rights Watch gibt einem Menschenhandelsnetzwerk die Schuld am Unglück. Laut den Angaben der Organisation befanden sich auf den gesunkenen Booten auch Rohingya-Flüchtlinge, die aus dem Lager in Cox's Bazar geflohen waren. Die Boote waren unterwegs in andere südostasiatische Länder wie Malaysia, Thailand und Indonesien. Vor allem in den vorwiegend muslimischen Ländern Malaysia und Indonesien erhoffen sich die Rohingya Schutz oder zumindest Duldung.In Malaysia leben heute rund 200 000 Rohingya. Von der anfänglichen Solidarität gegenüber den Flüchtlingen ist heute nur noch wenig zu spüren. Auf Social Media gibt es Kampagnen gegen die Rohingya, erste Politiker fordern deren Rückführung. Vermehrt erleben Rohingya in Malaysia auch Anfeindungen auf offener Strasse.900 Tote im Jahr 2025Die Flucht von Myanmar durch den Golf von Bengalen hinunter zur Andamanensee gilt als eine der tödlichsten maritimen Fluchtrouten der Welt. Jedes Jahr verlieren Hunderte Rohingya auf maroden Booten ihr Leben. Laut der Uno gab es im vergangenen Jahr 900 Tote. Die Schlepper brechen erst auf, wenn der normale Schiffsverkehr abnimmt, also wenn die Monsunstürme bereits begonnen haben – das macht das Meer besonders unberechenbar. Allein dieses Jahr galten schon vor dem aktuellen Unglück 300 Personen als verschollen.In Myanmar selber herrscht seit dem Militärputsch 2021 Bürgerkrieg. Die Rohingya gerieten dabei zwischen die Fronten. Ihre Heimat Rakhine wird heute zwar nur noch in Teilen vom myanmarischen Militär kontrolliert. Die heute stärkste Kraft im Westen Myanmars sind die Rebellen der Arakan Army; sie kontrollieren die wichtigen Grenzübergänge und grosse Teile der Provinz.Die Arakan Army steht dem Militär in ihrer Brutalität gegen die Rohingya allerdings in nichts nach. Es häufen sich Berichte von Vertreibungen, Morden und sexueller Gewalt. Dieser Umstand trägt dazu bei, dass immer mehr Rohingya die gefährliche Fluchtroute über den Golf von Bengalen auf sich nehmen.Passend zum Artikel