Unternehmen in Deutschland müssen laut einer Studie immer länger auf ihr Geld warten. Die Zeit von der Rechnungsstellung bis zum Begleichen einer Rechnung ist im vergangenen Jahr um 2,8 auf 55 Tage gestiegen, wie aus einer Untersuchung des Kreditversicherers Allianz Trade hervorgeht.Insgesamt verlängerte sich die Zeit vom Geldeinsatz der Unternehmen bis zum Zahlungseingang der Kunden um knapp zwei Tage auf 79 ⁠Tage. Das sind 16 Tage mehr als im westeuropäischen Durchschnitt. Die Firmen befinden sich demnach in einer Zwickmühle. „Deutsche Unternehmen erhalten ihr Geld von den Kunden immer ‌später, Lieferanten werden im Schnitt aber nach 35 ‌Tagen bezahlt – das sind 14 Tage eher als im regionalen Durchschnitt in Westeuropa“, sagte Milo Bogaerts, Chef von Allianz Trade für Deutschland, Österreich und die Schweiz. Die Firmen hätten dadurch nur begrenzten Spielraum, Zahlungsabflüsse durch verlängerte Zahlungsfristen gegenüber Lieferanten abzufedern.Ein wichtiger Grund für diese Entwicklung ist neben der verschlechterten Zahlungsmoral auch die Tatsache, dass Unternehmen zunehmend ihre Bestände aufstocken. Das bedeutet, dass sie verstärkt Lieferanten, die die Läger füllen, bezahlen müssen, aber die Ware erst später verkaufen. Ihr Kapital bleibt länger gebunden.Die Studienautoren sehen einen grundlegenden Wandel weg von „Just-in-Time“ zu „Just-in-Case“. Wurde früher zeitlich so knapp wie möglich produziert, um möglichst geringe Lagerkosten zu haben, so kommt es inzwischen stärker darauf an, die Lieferketten widerstandsfähiger ‌zu machen und Produktionsausfälle zu vermeiden.Für das laufende Jahr rechnet der Kreditversicherer damit, dass sich die Lage in Deutschland weiter verschlechtert. ‌Der Zyklus vom Geldeinsatz ‌bis zum Geldeingang dürfte sich 2026 um weitere vier auf 83 Tage verlängern. Weltweit zeigt sich ein ähnlicher, wenn auch schwächerer Trend. Der globale Zyklus vom Einsatz bis zum Eingang der Mittel liegt bei 67 Tagen. Haupttreiber ist auch hier der Aufbau von Lagerbeständen.