Diese Festrede oder besser gesagt Wutrede zur Abi-Feier am Robert-Stock-Gymnasium in Hagenow hat gesessen und der Bildungspolitik Mecklenburg-Vorpommerns kurz vor den Landtagswahlen einen verbalen Tiefschlag versetzt.

Die Schülerin Ellenor Bockentin, gerade durch die Abiturprüfung gefallen, tritt ans Rednerpult. Erwartet wird das übliche Pflichtprogramm: ein bisschen Wehmut, Dank an die Eltern, ein matter Scherz über die Schulleitung. Doch stattdessen folgt eine Generalabrechnung mit den Pädagogen. Sie stellte die Frage in den Raum, ob wirklich alle Betroffenen „zu blöd“ gewesen seien oder nicht gelernt hätten. Der Höhepunkt, geschmettert in Richtung jener Lehrer, die dem Jahrgang das kollektive Scheitern angeblich gönnten: „Fickt euch einfach nur alle!“

Das hat gesessen. Und während in der Aula noch die Schnappatmung einsetzt, rollt eine Lawine bereits unaufhaltsam in Richtung Landtag. Denn hinter den fünf Minuten aufgestautem Frust steckt eine nackte, erschreckende Zahl: 34 Prozent. Ein Drittel eines gesamten Jahrgangs ist in Hagenow durchs Abi gefallen. 18 von 52 Prüflingen erhielten statt des Reifezeugnisses: nichts.

Ein Desaster auch für die Bildungsministerin

Und da die Betroffenen laut eigener Aussage zuvor keineswegs als chronische Schulschwänzer oder notorische Fünfer-Kandidaten auffielen, sogar „stabile Noten“ schrieben, stellt sich eine entscheidende Frage: Sind plötzlich 34 Prozent der Hagenower Jugend kollektiv dümmer geworden, oder ist hier ein System mit Ansage kollabiert? Zum Vergleich: Im Vorjahr lag die Durchfallquote im Landesdurchschnitt bei acht Prozent.