Drei tödliche ICE-Vorfälle in sieben Tagen: Agiert die Einwanderungspolizei wieder ohne Rücksicht auf Verluste?Bei Verkehrskontrollen kam es zu fatalen Zwischenfällen. Die Behörde versprach daraufhin, keine Autos mehr anzuhalten. Doch davon will Trump nichts wissen.15.07.2026, 18.41 Uhr3 LeseminutenMit Blumen gedenken Menschen in der Kleinstadt Biddeford in Maine dem von ICE-Beamten erschossenen 25-jährigen Kolumbianer.Robert F. Bukaty / APAm Dienstagmorgen, gegen sieben Uhr, ist ein 28-jähriger Mexikaner bei einer Tankstelle im Norden von Florida von einem Lastwagen überfahren worden. Wie eine erste Stellungnahme der Highway Patrol nahelegt, war der junge Mann in Panik auf die Schnellstrasse gerannt, nachdem er auf dem Parkplatz eine Begegnung mit ICE-Beamten gehabt hatte. Drei weiteren Männern, die mit ihm im Auto sassen, gelang offenbar die Flucht vor den Einwanderungspolizisten. Der 28-Jährige hingegen verstarb noch an der Unfallstelle.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Wenn sich die Tragödie tatsächlich so zugetragen hat, handelt es sich um den dritten tödlichen Zwischenfall innerhalb von sieben Tagen, der im Zusammenhang mit ICE-Einsätzen steht. Vergangene Woche hatten Beamte bei einer Verkehrskontrolle in Houston im Gliedstaat Texas einen 52-jährigen Mexikaner erschossen. Dann, am Montagmorgen, verlor ein 25-jähriger Kolumbianer in einer Kleinstadt südlich von Portland sein Leben.Wie auch in Texas und Florida blieben die Umstände bei dem Vorfall im Gliedstaat Maine zunächst unklar. Videoaufnahmen zeigen einzig, dass sich der Zwischenfall an einer Kreuzung vor dem Wohnhaus ereignete, in dem der Mann mit seiner Frau und der dreijährigen Tochter gelebt hat. Die Windschutzscheibe des Wagens, den er fuhr, war von vier Kugeln durchlöchert worden.Vier Schüsse trafen den weissen KIA durch die Windschutzscheibe.CJ Gunther /ReutersTrumps Kampf gegen die KriminalitätAllen drei Vorfällen scheint gemein, dass sie von Kontrollen auf der Strasse ausgingen. Entsprechend gibt es Kritik am taktischen Vorgehen der ICE. Nun wies die Behörde am Dienstag ihre Beamten zunächst an, von weiteren Verhaftungen bei Verkehrskontrollen abzusehen. Der «Grenz-Zar» Tom Homan erklärte auf Fox News, dass es sich um eine temporäre Massnahme handle. «Es ist eine kurze Pause, um sicherzustellen, dass wir das Richtige tun.»«Grenz-Zar» Tom Homan ist beauftragt, die Deportationspolitik für das Weisse Haus umzusetzen.Alex Brandon / APDoch offenbar war die Pause nicht mit dem Weissen Haus abgesprochen. Denn in einer Nachricht auf Truth Social erklärte Trump am Mittwoch, dass er nicht daran denke, der ICE Zügel anzulegen. Im Kampf gegen die Kriminalität, so schrieb er, dürfe man «eines der wichtigsten und effektivsten Instrumente von ICE» nicht aufgeben: «Die Verkehrskontrolle!» Damit würde man bloss den radikalen Linken in die Hände spielen.Eine Politik der offenen Grenzen unter Joe Biden habe 25 Millionen Menschen unkontrolliert in unser Land strömen lassen, erklärte der Präsident weiter – was allerdings deutlich zu hoch gegriffen scheint. Selbst das konservative Cato-Institute geht eher von 6 Millionen aus. Nach Ansicht von Trump handelt es sich jedenfalls vielfach um Kriminelle, «und wir müssen sie ausweisen».An die Einwanderungspolizisten gerichtet, gab sich der Präsident für seine Verhältnisse jedoch zurückhaltend: «ICE, handeln Sie umsichtig, fair und klug», schrieb er, «und machen Sie Ihre wichtige Arbeit weiter.»Wie es den Anschein hat, sucht Trump den richtigen Ton. Nach den verheerenden ICE-Einsätzen in Minneapolis Anfang Jahr, die zwei amerikanische Bürger das Leben gekostet hatten, war er um eine Kurskorrektur bemüht gewesen. Er hatte den martialischen Kommandanten des Grenzschutzes, Gregory Bovino, abberufen und seine Ministerin für Inlandsicherheit, Kristi Noem, strafversetzt. ICE würde jetzt «NICE», erklärte er flapsig.Kritik von links und rechtsDoch durch die jüngsten Todesfälle rückt Trumps Ausschaffungspolitik zurück in den Fokus der Öffentlichkeit. Weil es im Unterschied zu Minneapolis offenbar kein Videomaterial von den tödlichen Zwischenfällen gibt, fallen die Reaktionen in der Öffentlichkeit zwar vergleichsweise verhalten aus. Vor den Zwischenwahlen im November navigiert der Präsident allerdings auf einem schmalen Grat.Sein Versprechen, im grossen Stil Deportationen durchzuführen, hatte ihm den erneuten Weg ins Weisse Haus geebnet. Gleichzeitig fand er sich nach Minneapolis mit der grössten innenpolitischen Krise seiner zweiten Amtszeit konfrontiert. Bis weit in die Reihen der Republikaner hinein hatte es Kritik an der Gewalt der ICE-Einsätze gegeben.Teile der Basis werfen dem Präsidenten aber auch vor, zu wenig gegen die illegale Einwanderung zu tun. So hat das rechtskonservative «Oversight Project» kürzlich eine Klage gegen das Innenministerium eingereicht: Die Immigrations-Hardliner kaufen der Regierung ihre angeblich rekordhohen Deportationszahlen nicht ab. Trump, so fürchten sie, sei schwach geworden.Passend zum Artikel
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