Wegen des Gewichts der Aktien von Samsung und SK Hynix im Kospi hängen dessen Wohl und Wehe momentan stark von diesem Effekt ab. Seit Jahresanfang hatte sich der Stand des Kospi bis Ende Juni mehr als verdoppelt. Seither ist er wieder 25 Prozent gesunken, nachdem Investoren KI-Aktien mittlerweile mit etwas mehr Skepsis begegnen. Am Mittwoch befand er sich gegenüber dem Jahresanfang noch 72 Prozent im Plus.Seien es nun die KI-Unternehmen Open AI und Anthropic oder die großen Softwareunternehmen Microsoft und Alphabet: Die wichtigsten Entwickler von Künstlicher Intelligenz sitzen derzeit in den Vereinigten Staaten. Die Lieferkette für die Technologie ist allerdings weit verteilt. Wichtiger Knotenpunkt ist dabei Ostasien. In Taiwan und Südkorea werden wichtige Speicherkomponenten hergestellt, die in den Rechenzentren für Künstliche Intelligenz zum Einsatz kommen.In Südkorea ist die globale Goldgräberstimmung im KI-Bereich bestimmend für den Aktienmarkt. Der Speicherhersteller SK Hynix und der Elektronikkonzern Samsung, der momentan im großen Stil in Chipfabriken investiert, stellen zusammen mit ihren Börsenbewertungen mehr als die Hälfte des Wertes des südkoreanischen Leitindex Kospi dar.In den vergangenen Tagen waren im Kospi sehr große Schwankungen zu beobachten. Am Montag sank der Index um annähernd neun Prozent, nur um am Mittwoch wieder acht Prozent zu steigen. Der Finanzdienst Bloomberg nennt in einem Bericht zu den Schwüngen gehebelte ETF-Produkte als Grund, die die Entwicklung der Aktien von SK Hynix und Samsung nachzeichnen – allerdings mit dem Versprechen eines doppelten Ertrags (oder doppelten Verlusts, je nachdem, in welche Richtung die Kurse ausschlagen). Um ihr Versprechen einlösen zu können, arbeiten die ETF-Anbieter mit Finanzderivaten, sogenannten Swaps, die den Tagesgewinn oder -verlust der zugrunde liegenden Aktienwerte jeweils verdoppeln.Präsident Lee nennt Aktienmarkt „instabil“Wird nun viel in diese ETF investiert oder Geld von ihnen abgezogen, kommt es zu großen Ausschlägen. Wie Bloomberg berichtet, machten im Handel mit Aktien von SK Hynix am Montag Verkäufe, die aus ETF-Abflüssen resultierten, 18 Prozent des Handelsvolumens aus.Die heftigen Marktbewegungen rufen nun sogar den südkoreanischen Präsidenten auf den Plan. Während eines Treffens mit Regierungsvertretern nannte Präsident Lee Jae-myung seinen heimischen Aktienmarkt „instabil“. Lee drängte die südkoreanische Börsenaufsicht und die Börse Korea Exchange dazu, sich dieser Instabilität anzunehmen. Im Raum stehen etwa höhere Mindestanlagewerte für die gehebelten ETF-Produkte, um die Einstiegshürde für Privatanleger zu erhöhen und sie so vor Verlusten zu bewahren.Hinzu kommt noch Unsicherheit, die von dem Handelsstart von SK-Hynix-Hinterlegungsscheinen („American Depository Receipts“, ADRs) an der New Yorker Technologiebörse Nasdaq herrührt. Ein ADR entspricht einem Umtauschrecht für ein Zehntel einer normalen SK-Hynix-Aktie. Dennoch werden die ADRs rechnerisch momentan zu einem 50 Prozent höheren Kurs gehandelt als die eigentlichen Aktien. Der Aufschlag wird mit dem einfacheren Zugang zu den ADRs auf dem amerikanischen Aktienmarkt erklärt, im Vergleich zu den zugrunde liegenden Aktien am südkoreanischen Markt. Bewegungen auf den US-Märkten wirken durch die Verbindung noch unmittelbarer im südkoreanischen Markt.Auch in anderen Ländern führt die hohe Aufmerksamkeit auf den KI-Bereich zu großen Kursausschlägen. Nach einer angehobenen Gewinnprognose für das laufende Jahr stieg der Kurs des niederländischen Chipherstellers ASML im Tagesverlauf am Mittwoch um mehr als drei Prozent. Deutsche Chip-Aktien wie Infineon, Siltronic und Aixtron verzeichneten hingegen Ausschläge nach unten. Vor allem Siltronic verlor am Mittwoch die Gunst der Anleger. Mit Blick auf den Ende Juli anstehenden Bericht zum abgelaufenen zweiten Quartal rechnen Analysten für Siltronic mit vergleichsweise schwachen Umsatzzahlen.
SK Hynix und Samsung: Wird die Chip-Volatilität für Südkorea zum Problem?
Südkoreanische Chip-Aktien verzeichneten zuletzt große Kursausschläge in allen Richtungen. Das alarmiert selbst den Präsidenten.












