Dass der frisch ernannte Verlagspreis-Juryvorsitzende Jörg Thadeusz wirklich das Wort „Zausel-Buchhandlungen“ in einem Interview mit dem Spiegel verwendet hat, macht eine Pointe, die auf seine Glatze anspielt, geradezu unvermeidlich. Deswegen lassen wir die hier mal gleich ganz unspektakulär am Anfang verpuffen: „Zausel“ kommt von „zausen“. Man „zaust“ jemanden, wenn man ihm in die Haare fasst, ohne Rücksicht auf die Frisur zu nehmen. Bei Thadeusz gibt es nichts zu „zerzausen“.
Wir wollen den unterschwelligen Haarneid, der aus dieser Wortwahl spricht, hier gar nicht weiter vertiefen. Eigentlich will jemand, der sich so ausdrückt, den Regelbruch des Kulturstaatsministers Wolfram Weimer bagatellisieren. Dieser hatte drei linke, von einer Jury ausgewählte Läden noch einmal vom Verfassungsschutz prüfen lassen, um sie dann von der Liste für den Buchhandlungspreis zu streichen. Deswegen, so Thadeusz, fühlten sich manche „auf den Schlips getreten“ (ein Kleidungsstück, das im Kontrast zum Zauselklischee steht).
Debatte
Verdorbene Ehrung: Weimer sagt nach Cancel-Vorwürfen Verleihung des Buchhandlungspreises ab
Verbalisiert werden soll eine Respektlosigkeit, die den ganzen Vorgang verharmlost: Ein Zausel mag noch Haare haben – ärgerlicherweise ohne dass er sich pflegend und ordnend darum bemüht –, aber eigentlich ist er doch keine Bedrohung für die freiheitlich-demokratische Grundordnung und die Aufregung (aber auch die Auszeichnung) nicht wert.











