Den Traum von einem Wassersport-Paradies in der Region hegen Jonas Künkel und seine Mitstreiter von der Initiative Rhein-Main-Welle schon lange. Seit fünf Jahren setzt sich der Zusammenschluss von mehr als 50 Vertretern aus Vereinen und Verbänden für das gemeinsame Ziel ein. Nun ist laut Sprecher Künkel „ein Meilenstein“ erreicht. Nachdem in einer Machbarkeitsstudie, die der Deutsche Kanu-Verband (DKV) und das Land Hessen Anfang 2025 in Auftrag gaben, mehrere Standorte für das Unternehmen geprüft worden seien, fokussiere sich jetzt alles darauf, den geplanten Surf- und Wildwasserpark am nördlichen Mainufer in Griesheim zu realisieren. Für Frankfurt ergeben sich daraus eine Menge Chancen – die Stadt muss aber auch manche Herausforderungen lösen.Das Areal südlich der Spohrstraße habe sich als am besten geeignet erwiesen, erklärt Künkel, der beim DKV für Gewässerbau zuständig ist. Die Stadt begrüßt die „innovative Idee“, wie sie es in einem Magistratsbericht für die Stadtverordnetenversammlung formuliert hat. Im vergangenen Sommer war gemäß dieser Stellungnahme der Stadtregierung eine Delegation mit Vertretern aus verschiedenen Ämtern und Behörden nach Bad Kreuznach gereist, um sich die dortige Kanuslalomstrecke des KSV Bad Kreuznach anzuschauen, der als prominentestes Mitglied die Olympiasiegerin Ricarda Funk vorweisen kann. Der Besuch im Salinental sollte einen Eindruck davon vermitteln, dass mit der Sportanlage ein Idyll im eigenen urbanen Umfeld entstehen könnte. Im Vergleich zur Nahe verfüge der Main über eine deutlich größere Wassermenge, sagt Künkel, und die Leistungssportler, die in Zukunft hier trainieren könnten, könnten von der Nähe zum Olympiastützpunkt am Waldstadion und der vorhandenen Internatsstruktur profitieren. Durch diesen Bezug zu olympischem Sport würde sich die Welle in Griesheim auch von der weltberühmten Eisbachwelle in München oder der vor drei Jahren geschaffenen künstlichen Wasserturbulenz der Leinewelle in Hannover unterscheiden, die jeweils nur Wellenreitern zum Wasservergnügen dienen.Doch nicht nur Topathleten und andere Könner sollen die Anlage genießen; sie soll möglichst viele Bedürfnisse abdecken. An die Surf-Welle und eine „knackige“ Wildwasserstrecke, so Künkel, würden sich Bereiche für Anfänger wie Schulklassen und fürs Training der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft und ähnlicher Notfall-Kräfte anschließen, in denen sich etwa Hochwasser-Situationen simulieren ließen. Das alles soll eingebettet sein in eine Erholungsfläche, die auch die weniger Aktiven zum Verweilen einlädt. Dieses Gesamtpaket ist attraktiv für eine Stadt, die am Main Naherholungsflächen schaffen will gerade für Hitzeperioden, wie sie derzeit die Bevölkerung belasten.Die Strudel sollen nicht künstlich erzeugt werden, sondern sich durch sogenannte Obstacles ergeben, also Hindernisse, die nicht fest eingebaut werden, sondern umgesteckt werden können. Dadurch sind auch Anforderungen konstruierbar, die im internationalen Wettkampfsport benötigt werden.Nachts nur ein RinnsalDas große Gefälle von 4,50 Metern an der Staustufe Griesheim komme dem sportlichen Ansinnen entgegen und war laut Künkel ausschlaggebend dafür, sich keine weiteren Alternativen mehr offenzuhalten, sondern jetzt in Griesheim „all in“ zu gehen. Natürlich soll nicht direkt auf der Wasserstraße gewirbelt werden, sondern auf einem Bypass, einem separaten, bis zu 350 Meter langen Gerinne, das in einem Bogen um die Staustufe herumführt. Dafür würde das Wasser durch ein etwa 200 Meter langes Rohr vom Main abgeleitet und am Ende wieder dem Fluss zugeführt werden; der Schifffahrtsbetrieb bliebe unbeeinträchtigt.4,50 Meter Gefälle: Die Staustufe Griesheim ermöglicht das Wildwasserspektakel.dpaBei diesem Konstrukt ließe sich die Aufgeregtheit des Wassers außerhalb der Betriebszeiten oder in Notfällen leicht abschalten, wie Künkel erklärt. Nachts etwa bliebe so nur „ein Rinnsal“ übrig, und man könnte den Park offen lassen. Diese Voraussetzungen dürften für die Stadt von Bedeutung sein, die die Gefahren der künstlich geschaffenen Naturgewalten im Blick behalten muss.Ökologische AufwertungAuch in ökologischer Hinsicht sehen Künkel und seine Kollegen in ihrer Vision viele positive Aspekte. Die ursprünglich eingeplante Fischtreppe sei zwar nicht mehr vorgesehen, weil die Planungen für eine solche auf der anderen Uferseite schon zu weit fortgeschritten seien. Doch die verschiedenen Strömungen und Verwirbelungen sorgten für wichtige Sauerstoffzufuhr. „Wo Wildwasser ist, fühlen sich Fische wohl“, sagt Künkel. Kleinstlebewesen und Pflanzen könnten sich in den Flachwasserzonen vor der Wiedereinmündung des künstlichen Nebenarms in den Main ansiedeln. Weichen müsste für den Bau ein Parkplatz und damit eine versiegelte Fläche. „Das wäre auf jeden Fall eine ökologische Aufwertung“, betont Künkel.Bei der Stadt zeigt man sich offen für die Freizeitattraktion. Das Sportamt weist darauf hin, dass alle Aspekte und Kriterien „sorgfältig diskutiert und geprüft werden“ müssten. In einem Magistratsbericht wird besonders auf die naturschutzfachlichen Belange hingewiesen und darauf, dass für das Grünflächenamt keine zusätzlichen Pflege-, Unterhaltungs-, Reinigungs- oder Verkehrssicherungspflichten entstehen dürften. Letzteres lässt sich laut Künkel im Betreiberkonzept festlegen. Für ihn kommt nur „ein nicht kommerzieller Träger“ infrage, um die Kosten für die Nutzung des Angebots gering und dieses möglichst niedrigschwellig zu halten.Der nächste Schritt sei, eine Vorentwurfsplanung zu beauftragen, wie Künkel sagt. Gleichzeitig entwickle man ein Sicherheitskonzept. Der tödliche Unfall einer Surferin an der Münchner Eisbachwelle im vergangenen Jahr habe Vorbehalte ausgelöst. In Griesheim sollen Schwimmweste und -helm verpflichtend und die Anlage so gestaltet sein, dass das Risiko minimiert wird. Doch noch ist das Zukunftsmusik. „Wir wissen, dass das alles Zeit braucht“, sagt Künkel. „Aber wir haben einen langen Atem.“