An einem Tag im Juni fuhr ein Handelsschiff unter Singapurer Flagge in die Gewässer östlich von Taiwan. Das ist die vom Nachbar China abgewandte Seite. Daher staunte die Besatzung nicht schlecht, als sie nicht etwa taiwanischen Funk vernahm, sondern die Stimmen der chinesischen Verkehrsbehörden.Mit ihrem leistungsstarken Funk nahmen mindestens vier Schiffe der chinesischen Seesicherheitsbehörde Kontakt zu mehreren internationalen Containerschiffen auf. Nach chinesischen Angaben wurden insgesamt 198 Schiffe befragt, die taiwanischen Behörden gaben mindestens drei Fälle bekannt. Die Seeleute wurden aufgefordert, ihren Herkunfts- und Zielort anzugeben, wahrscheinlich auch Informationen zur Ladung.Weitgehend unbemerkt von der Weltöffentlichkeit hat China so einen neuen Druckpunkt gegen Taiwan eröffnet. Peking schickt seine Schiffe zunehmend auch vor die östlichen Seegebiete Taiwans.Manche sprechen vom chinesischen Probelauf einer „weichen Quarantäne“ um Taiwan, mit der die demokratische Republik ohne eine Blockade oder ein formelles militärisches Manöver langsam stranguliert wird. Hinzu kommt: Für die Regierung in Taipeh ist das Gewässer östlich der Hauptinsel faktisch ihr strategisches Hinterland und ein entscheidender Korridor für Unterstützung aus dem Ausland, vor allem der USA.