Die Hitze, die mit beeindruckenden Höchstwerten Europa überrollt, kann lebensgefährlich werden – für Menschen, die im Freien arbeiten, für Ältere und Kinder. Doch wo viele schwitzend leiden, entstehen zum Glück auch zahlreiche Ideen, wie man darauf auch ohne teure Umbauten und Sanierungen reagieren kann. Hier sind einige Beispiele.Amsterdam hat als Pilotprojekt im Viertel Nieuw-West öffentliche Abkühlungsorte ausgewiesen, darunter Theater, Kirchen, Gemeindezentren und Bibliotheken. Dort steht Wasser bereit, es können Sitzgelegenheiten und Toiletten genutzt werden. An zahlreichen Orten dürfen außerdem Haustiere mitgebracht werden, was den Besitzern überhaupt erst ermöglicht, einen Schutzraum aufzusuchen.Kirchen sind bewährte Zufluchtsorte. Hinter dicken Steinmauern bleibt Kühle lange eingeschlossen. Darauf haben Bistümer und Landeskirchen reagiert und die Öffnungszeiten der Gotteshäuser verlängert. Dabei sind, um nur ein Beispiel aus Düsseldorf zu nennen, nicht nur Gläubige willkommen, sondern all jene, die sich vor den hohen Temperaturen vorübergehend schützen wollen.In Köln wurde während der schlimmsten Hitzewoche im Juni eine Messehalle zum Notfallversorgungszentrum umfunktioniert, weil der Rettungsdienst an seine Grenzen gestoßen war und es für die zahlreichen Hitzeopfer keine freien Betten mehr in den Kliniken der Stadt gab.Für Obdachlose, die der Hitze ohnehin schutzlos ausgeliefert sind, hat Leipzig seine Notunterkünfte für die Nacht auch tagsüber geöffnet, damit sich Betroffene ausruhen und abkühlen können.Viele Städte bieten ein Hitzetelefon an, an das sich Bürger mit ihren Fragen wenden können. In manchen Städten gibt es dann sogar ärztlichen Rat am Telefon. Doch dieses Angebot setzt immer die Tatkraft der Betroffenen voraus. Weil das aber gerade Älteren bei Hitze besonders schwerfällt, geht beispielsweise das Hitzetelefon des Main-Kinzig-Kreises darüber hinaus: Dort können sich Bürger vorab anmelden, um an Tagen mit besonders hohen Temperaturen angerufen zu werden. Der tägliche Anruf soll sicherstellen, dass es den Senioren gut geht, und ihnen zumindest eine kurze Ansprache am Tag garantieren. Denn besonders allein lebende Ältere sind bei den hohen Temperaturen gefährdet.Die Stadt Bielefeld hat die Idee noch weiter ausgebaut und vermittelt über ihr Hitzetelefon auch praktische Hilfe. Ehrenamtliche Helfer, die von der Stadt geschult werden, unterstützen an heißen Tagen insbesondere Ältere, die sich vorher beim Hitzetelefon der Stadt angemeldet haben. Die sogenannten Hitzepaten übernehmen dann für die Senioren Einkäufe, erinnern ans Trinken und begleiten sie zu kühlen Orten außerhalb ihrer Wohnung.In Mainz bieten Hotels schon im zweiten Jahr vergünstigte Übernachtungen für Anwohner an – sobald die Temperaturen über 33 Grad steigen. Erst dann wird ein Buchungslink zu sieben teilnehmenden Häusern freigeschaltet, über den Ortsansässige bei Bedarf ein Ausweichquartier zu ihrer heißen Wohnung buchen können. Für 55 Euro sind dort Doppelzimmer inklusive Frühstück von Sonntag bis Donnerstag zu bekommen. Die Ermäßigung gegenüber dem Tagespreis liegt teilweise bei mehr als 50 Prozent. Die Nachfrage sei gut, das Angebot in dieser Woche fast ausgebucht, teilt die Marketinggesellschaft Mainz Plus mit.Die spanische Stadt Zaragoza senkt an besonders heißen Tagen den Eintrittspreis für öffentliche Schwimmbäder. In Valencia wird dann der öffentliche Nahverkehr günstiger, damit sich jeder eine Fahrt leisten kann, der sonst eher zu Fuß gegangen wäre.Im zehnten Arrondissement in Paris bieten drei Programmkinos in Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung unentgeltliche Nachmittagsvorstellungen in ihren klimatisierten Räumen für junge Leute bis 25 Jahre und Senioren an, die älter als 65 Jahre sind. Beim Eintritt muss der Ausweis vorgezeigt werden.Weil Not erfinderisch macht, ist in Paris ein improvisierter Sonnenschutz so populär geworden, dass die Grundzutat „Blanc de Meudon“ stellenweise ausverkauft ist. Die reine weiße Schlämmkreide wird mit Wasser angerührt und außen dünn auf besonders sonnenbeschienene Fensterscheiben aufgetragen. Nach dem Trocknen hat sich die Aussicht damit zwar erledigt, aber Licht dringt noch hindurch. Die dünne weiße Schicht auf dem Glas reflektiert und streut einen Teil des Sonnenlichts, dessen Energie damit nur teilweise in den Raum eindringen und ihn aufheizen kann. Die „Erste Hilfe“ zum Selbstanrühren bietet jedoch nur ein wenig Linderung und stellt keinen Ersatz für die ordentliche Dämmung eines Gebäudes dar.Viele Städte veröffentlichen mittlerweile Stadtpläne mit kühlen Orten, an die man sich tagsüber zurückziehen kann. Darunter – wenig überraschend – klimatisierte Einkaufszentren und Parks, Anregungen, auf die jeder selbst hätte kommen können. Wirklich originelle Anlaufstellen findet man dort selten. Auch fehlen meist Hinweise auf verlängerte Öffnungszeiten. Weil es an Ideen nicht fehlt, hat in Frankfurt die Kommunale Ausländervertretung die Stadtverwaltung aufgefordert, Verwaltungsgebäude und städtische Einrichtungen mit klimatisierten Räumen an besonders heißen Tagen möglichst bis 21 Uhr sowie an den Wochenenden für die Bewohner zu öffnen. Sie hofft, dass sich auch städtische Gesellschaften, Kultur- und Bildungseinrichtungen, Sportvereine sowie andere Einrichtungen, die finanzielle Unterstützung durch die Stadt bekommen, angesprochen fühlen – sofern sie klimatisierte Räume zur Verfügung stellen können.
Die besten Hitzeschutzideen europäischer Städte
Wie lassen sich die hohen Temperaturen besser ertragen? Wir haben die besten Ideen aus verschiedenen Städten gesammelt.







