Agnès aus Savoyen ist neun Jahre alt – und hat bereits das Brevet des collèges in der Tasche, Frankreichs ersten staatlichen Schulabschluss, den Jugendliche normalerweise mit 15 ablegen. Ihr Schnitt: 15,85 von 20 Punkten. Sie gilt als jüngste bekannte Absolventin des Landes.Was kaum jemand weiß: Agnès besitzt neben der französischen auch die deutsche Staatsangehörigkeit. Die Familie erwog sogar, nach Deutschland zu ziehen. „Davon mussten wir Abstand nehmen, da Hausunterricht in Deutschland nicht gestattet ist“, sagt ihr Vater Nicolas Baldeck der Berliner Zeitung.Hinter der Ausnahmeleistung steckt mehr als die Geschichte eines hochbegabten Kindes. Das Gespräch mit den Eltern Nicolas und Ekaterina Baldeck zeigt: Dieser frühe Abschluss ist vor allem eine scharfe Kritik an der modernen Bildungspolitik.

Der Zufall namens Corona

Geplant war der frühe Abschluss nie. Agnès besuchte zunächst eine Montessori-Einrichtung.„Wir waren von Anfang an nicht sehr zufrieden mit der französischen Schule“, erklärt Ekaterina Baldeck. Nach wenigen Monaten im Kindergarten folgten die weltweiten Schulschließungen.„Ohne Covid hätten wir nicht daran gedacht, die Schule zu Hause zu machen“, ergänzt Nicolas Baldeck. „Das war am Anfang nur ein Unfall.“ Doch im Homeschooling blühte das Mädchen auf. Das Tempo bestimmte fortan Agnès selbst.