Der Platz im Pflegeheim in Bayern ist für die Bewohner erneut deutlich teurer geworden. Das zeigt eine aktuelle Auswertung des Verbandes der Ersatzkassen e. V. (VDEK). Am tiefsten mussten Bewohner demnach im ersten Jahr nach Einzug in die Tasche greifen. Sie zahlten zum Stichtag 1. Juli durchschnittlich 3270 Euro im Monat und damit um 176 Euro mehr als noch ein Jahr zuvor.Wer längere Zeit im Heim lebt, erhält von den Pflegekassen einen höheren Zuschuss. Langjährige Heimbewohner mussten deshalb etwas weniger aufbringen. Doch auch hier wuchsen die Belastungen: Pflegebedürftige mit einer Aufenthaltsdauer von mehr als zwölf Monaten trugen durchschnittlich 2943 Euro der monatlichen Kosten selbst, 154 Euro mehr als im Vorjahr. Bei einer Verweildauer von mehr zwei als Jahren lag der Anteil bei 2506 Euro monatlich (plus 123 Euro), nach mehr als drei Jahren bei 1959 Euro (plus 83 Euro).Insgesamt steigen die Kosten für alle Heimbewohner und das seit einigen Jahren, warnte Thomas Hackenberg, Leiter der VDEK-Landesvertretung Bayern. „Die Entwicklung zeigt erneut, dass die bisherigen Maßnahmen nicht ausreichen, um pflegebedürftige Menschen in Bayern wirksam vor immer höheren Eigenanteilen zu schützen.“ 2022 hatte die Bundesregierung die Zuschüsse für langjährige Heimbewohner eingeführt und konnte damit die Belastungen senken. Doch in den Folgejahren stiegen die Anteile, die Pflegebewohner selbst zahlen müssen, erneut und mit ihnen die Zahl der Menschen, die im Alter auf Sozialhilfe angewiesen sind.Die Pflegebedürftigen müssen im Heim Unterkunft und Essen selber zahlen sowie den Anteil der Pflegekosten, der über die Leistungsbeträge der Pflegekasse hinausgeht. Die Heime dürfen zudem einen Teil ihrer Investitionskosten, etwa für Renovierungen, auf die Bewohner umlegen. Vor allem die Pflegekosten sind zuletzt deutlich gestiegen. Der Grund dafür ist eigentlich positiv. Die Menschen, die in der Pflege arbeiten, konnten zuletzt deutlich höhere Löhne durchsetzen. Das dürfe aber nicht an den Pflegebedürftigen hängen bleiben, so Verbandschef Hackenberg: „Die Menschen müssen sich darauf verlassen können, dass Pflege bezahlbar bleibt.“ Er forderte eine umfassende Pflegereform.Wenn das Pflegeheim zum Luxus wird:Ein Pflegeplatz für 7400 EuroGabriele Ross musste nach einer dritten Hirnblutung in ein Pflegeheim umziehen. Sie ist dort gut aufgehoben, findet ihr Mann. Nur kann er den Platz kaum noch bezahlen. Warum Heimplätze bayernweit immer teurer werden.Die derzeit von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) geplante Reform wird hier allerdings keine Abhilfe schaffen. Im Gegenteil: Die Reform zielt darauf, die Ausgaben der Pflegeversicherung zu begrenzen. Die Zuschüsse für Menschen, die längere Zeit im Heim leben, sollen deshalb sogar gekürzt werden. Künftig greifen sie erst nach 18 statt nach zwölf Monaten. „Die finanzielle Belastung pflegebedürftiger Menschen darf durch die Reform nicht weiter steigen“, warnt Hackenberg. Und nicht nur er.Kritik kommt auch etwa von der Verbraucherzentrale Bundesverband: „Viele Pflegebedürftige können die Kosten nicht aus eigener Tasche stemmen und rutschen so in Sozialhilfe. Das geht auch zulasten der Kommunen. Betroffene werden im Stich gelassen“, warnt Vorständin Ramona Pop. „Wer den Sozialstaat schwächt, verspielt das Vertrauen der Menschen.“Bayern ist mit der stetigen Kostensteigerung kein Einzelfall. Bundesweit ist die Tendenz überall identisch, es gibt aber große Unterschiede bei den Eigenanteilen. Am teuersten war die Pflege im ersten Jahr im Heim in Bremen mit durchschnittlich 3761 Euro im Monat. Am niedrigsten war sie in Sachsen-Anhalt mit 2891 Euro.Auch unter den Ländern wächst der Widerstand gegen die Pflegereform. Anfang des Monats forderten die Unionsfraktionschefs aus Süd- und Ostdeutschland vom Bund Nachbesserungen. Eine spätere Auszahlung der Zuschüsse führe zu deutlichen Mehrbelastungen der alten Menschen und wachsendem Bedarf an Hilfe zur Pflege, warnte auch CSU-Fraktionschef Klaus Holetschek. Das sei nur ein Verschiebebahnhof zulasten der Betroffenen und der Kommunen. Die Kommunen springen immer dann ein, wenn ein alter Mensch die Kosten des Heimplatzes nicht alleine stemmen kann. Im Jahr 2024 gaben die bayerischen Bezirke insgesamt etwa 508 Millionen Euro für diese sogenannte Hilfe zur Pflege aus, etwa 20 Prozent mehr als im Jahr zuvor.Bayerns Gesundheitsministerin Judith Gerlach (CSU) forderte angesichts der gestiegenen Kosten für Heimbewohner Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) zum Umdenken auf. „Die neuen VDEK-Daten bestätigen, dass wir eine Entlastung der Pflegebedürftigen brauchen“, so Gerlach. Zu einer ausgewogenen Verteilung der Kostenlast gehöre, dass versicherungsfremde Leistungen durch Steuermittel des Bundes finanziert würden. Dies gelte sowohl für die Rentenbeiträge pflegender Angehörige als auch für die Kosten der Corona-Pandemie. „Es kann nicht sein, dass sich der Bundesfinanzminister hier weiter verweigert.“Für die Studie wurden Vergütungsvereinbarungen der Pflegekassen mit Heimen ausgewertet. Bei den selbst zu zahlenden Summen kommt es auf die Aufenthaltsdauer im Heim an. Nach ihr richten sich Entlastungszuschläge, die die Pflegeversicherung zahlt. Der Eigenanteil für die reine Pflege wird damit im ersten Jahr im Heim um 15 Prozent gedrückt, im zweiten um 30 Prozent, im dritten um 50 Prozent und ab dem vierten Jahr um 75 Prozent.
Pflegekosten in Bayern steigen: Eigenanteile im Pflegeheim erhöhen sich
3270 Euro im Monat zahlen frisch eingezogene Heimbewohner im Schnitt aus eigener Tasche - deutlich mehr als im Vorjahr. Was ändert sich durch die Reform?












