Mehr als ein Drittel der Deutschen halten eine direkte Kriegsbeteiligung Deutschlands in den nächsten fünf Jahren für möglich. Zu diesem Schluss kommt eine am Mittwoch erscheinende Umfrage, für die die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey 2500 Menschen in Deutschland befragt hat und die dem Tagesspiegel vorliegt. Viele Deutsche hätten ein gesteigertes Bewusstsein für die Bedrohungslage. Rund 86 Prozent sagen, die Gefahr durch hybride Angriffe wie Cyberattacken, Desinformation und Spionage sei angestiegen.Viele befürworten deshalb eine größere Unabhängigkeit Europas auch in Verteidigungsfragen und mehr als die Hälfte (52,3 Prozent) halten zur Finanzierung höherer Rüstungsausgaben Einsparungen in anderen Bereichen für berechtigt. Zur Verteidigung wird auch die Beschaffung einer europäischen Atombombe von fast 70 Prozent der Befragten nicht mehr ausgeschlossen.Die USA werden nicht mehr als verlässlicher Partner gesehen. Eher im Gegenteil: Nur die Hälfte der Deutschen glaubt noch daran, dass die Vereinigten Staaten ihren europäischen Partnern in einem Kriegsfall militärisch zur Seite stehen würden. „Die Mehrheit der Deutschen möchte eine stärkere Unabhängigkeit von den USA und verlangt nach mehr Europa. Stärkere Eigenverantwortung ist wünschenswert“, so Wolfgang Zink, Partner Public Sector Consulting bei PwC Deutschland.Laut PwC zeigt die Umfrage auch, dass immer mehr Bürgerinnen und Bürger hohe Erwartungen an den Staat stellen: Zwei Drittel der Befragten sind der Meinung, dass der Katastrophen- und Zivilschutz schlecht aufgestellt ist, und fast 87 Prozent sprechen sich dafür aus, mehr zu investieren. Allerdings: Nur knapp die Hälfte der deutschen Haushalte hat Vorräte zu Hause. „Die Deutschen haben verstanden, dass sich die Zeiten geändert haben – und sie verlangen nach mehr Schutz. Der Unterschied zwischen Erwartungen an die öffentlichen Stellen und dem eigenen Handeln bleibt bestehen“, erklärt Zink.Beim Thema Bundeswehr kommt die Umfrage zu einem interessanten Ergebnis: Mehr als 75 Prozent der Befragten halten es für unwahrscheinlich, dass sie bis 2035 die stärkste konventionelle Streitmacht in Europa wird. Dieses Ziel hat Bundeskanzler Friedrich Merz in seiner ersten Regierungserklärung im Mai 2025 verkündet. Nur 19 Prozent halten dieses Ziel für realistisch.
Bewusstsein für Bedrohungslage wächst: Mehr als ein Drittel der Deutschen hält Kriegsbeteiligung binnen fünf Jahren für möglich
Eine Umfrage zeigt, wie die Menschen über eine europäische Atombombe denken – und wie wenig Zutrauen sie haben, dass die Bundeswehr zur stärksten konventionellen Streitmacht Europas werden kann.







