Es gibt weiter keine Anzeichen für eine Deeskalation der Lage am Persischen Golf. Nachdem Donald Trump die amerikanische Blockade iranischer Schiffe bei der Durchfahrt durch die Straße von Hormus wieder in Kraft gesetzt und eine Abgabe in Höhe von zwanzig Prozent auf die Fracht sämtlicher anderer Schiffe verlangt hatte, meldete das für die Region zuständige Kommando Centcom den Abschluss einer neuen Angriffswelle auf militärische Ziele in Iran.Ende vergangener Woche hatte der Präsident den Kongress förmlich darüber unterrichtet, dass die Streitkräfte in der Region die Kampfhandlungen wieder aufgenommen hätten. So erhält der Oberbefehlshaber gemäß der „War Powers Resolution“ eine weitere Frist von 60 Tagen für die Militäroperation. Trump teilte dem Kongress weiter mit, dass keine Bodentruppen beteiligt seien – und dass die Operation „begrenzt und maßvoll“ sei, um zivile Opfer auf ein Minimum zu reduzieren. Trump hatte beim NATO-Gipfel in Ankara in der vergangenen Woche gesagt, die Waffenruhe auf der Grundlage des Rahmenabkommens mit Teheran sei vorbei.Die Kämpfe am frühen Dienstag waren die jüngste Angriffswelle in drei aufeinanderfolgenden Nächten. Bei der fünfstündigen Operation wurden nach Angaben von Centcom unter anderem Ziele in Buschehr und Bandar Abbas getroffen. Ziel sei es gewesen, „Irans Fähigkeit zu beeinträchtigen, die kommerzielle Schifffahrt anzugreifen“. Die Marine der iranischen Revolutionsgarde griff nach Angaben des Senders Press TV am Dienstag mehrere amerikanische Waffendepots, ein Satellitenkommunikationszentrum und Unterkünfte für amerikanisches Personal auf dem Stützpunkt Juffair in Bahrain an.Trump: „Die ganze Sache“ kontrollierenTrump hatte am Montag mitgeteilt, die Vereinigten Staaten würden zum „Wächter“ der Meerenge werden. Auf seiner Plattform Truth Social schrieb er, die Meerenge „wird offen bleiben, mit oder ohne Iran“. Während iranische Schiffe an der Ein- und Ausfahrt gehindert würden, könnten Schiffe anderer Staaten die Wasserstraße passieren. Washington würde jedoch „aus Gründen der Fairness mit einem Satz von zwanzig Prozent für sämtliche transportierte Fracht entschädigt“. Später sagte er im Oval Office, am Ende werde Washington „die ganze Sache“ kontrollieren.Schon am Dienstag rückte Trump von dem Plan wieder ab. Nach „sehr produktiven Gesprächen“ mit den Führungsspitzen im Nahen Osten habe er beschlossen, die Abgabe durch Handels- und Investitionsabkommen zu ersetzen, die die Golfstaaten mit den USA schließen würden, teilt Trump auf seiner Plattform Truth Social mit. Mit den Einnahmen daraus sollten die USA nach seinen ursprünglichen Angaben ihre Kosten für die Sicherheit in der Meerenge decken.Mit der Ankündigung einer Gebühr für die Durchfahrt der Meerenge hatte Trump seinem Außenminister Marco Rubio widersprochen, der bisher mit Blick auf iranische Forderungen die Auffassung vertreten hatte, in internationalen Gewässern könnten keine Gebühren erhoben werden. Trump, der sich im Umgang mit dem Regime in Teheran schon häufiger widersprochen hat, versucht offenbar, Iran durch eine Mischung aus begrenzten Militärschlägen und ökonomischem Druck zum Einlenken zu bewegen.Trump nennt die als „Pickaxe Mountain“ bekannte iranische Atomanlage als mögliches Ziel für einen Angriff; Foto vom 17. November 2005dpaTeheran reagierte zunächst unbeeindruckt auf Trumps Ankündigung einer Gebühr. Außenminister Seyed Abbas Araghchi teilte auf der Plattform X mit: Der Präsident liege absolut richtig. Diejenigen, die eine sichere Durchfahrt durch die Straße von Hormus gewährleisteten, sollten für ihre Dienstleistung entschädigt werden. So untermauerte er die Forderung seines Landes, Gebühren zu erheben.Centcom teilte unterdessen mit, dass die amerikanischen Streitkräfte die Blockade des Schiffsverkehrs von und zu iranischen Häfen und Küstengebieten ab Dienstag um 16 Uhr New Yorker Zeit wieder aufnehmen würden. Das Verteidigungsministerium der Vereinigten Arabischen Emirate äußerte am Montagabend, dass die Tanker Mombasa und Al Bahiyah von iranischen Marschflugkörpern getroffen worden seien. Nach den Angaben wurde dabei ein indischer Staatsangehöriger getötet, acht weitere Personen seien verletzt worden.Trump drohte unterdessen mit einem Angriff auf eine bislang wenig bekannte iranische Atomeinrichtung. In einem Radiointerview bezeichnete er den als „Pickaxe Mountain“ bekannten Standort als mögliches Ziel für einen „großen, fetten“ Angriff. Dieser werde wahrscheinlich „relativ bald“ erfolgen.Der Komplex liegt im Berg Kuh-e Kolang südlich der Nuklearanlage Natans in Zentraliran. Natans war schon im vergangenen Jahr Ziel amerikanischer Luftangriffe. Über den genauen Zweck von „Pickaxe Mountain“ ist nur wenig bekannt. Der Bau begann nach einem Brand und einer Explosion im Juli 2020, bei denen eine oberirdische Montagehalle für fortgeschrittene Zentrifugen in Natans schwer beschädigt wurde. Iran sprach von Sabotage.
Keine Lösung für die Straße von Hormus
Donald Trump sucht mit begrenzten Schlägen und ökonomischem Druck nach einer Lösung für die Straße von Hormus. Teheran zeigt sich unbeeindruckt.













